Stadtrat Streit um Kunstrasenplatz

Der Verdener Stadtrat hat sich in dieser Woche unter anderem mit einem neuen Kreisverkehr und einem zusätzlichen Kunstrasenplatz für Fußballspieler beschäftigt.
05.10.2022, 16:09
Lesedauer: 3 Min
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Streit um Kunstrasenplatz
Von Marie Lührs

Der Verkehr in der Verdener Innenstadt soll künftig besser fließen. Helfen soll dabei ein weiterer Kreisverkehr. Dieser war eines der Themen, mit denen sich der Stadtrat am Dienstag befasst hat. Während bei vielen Projekten Einigkeit herrschte, entbrannte um einen Kunstrasenplatz eine hitzige Diskussion.

Ein ovaler Kreisverkehr soll in Zukunft den Kreuzungsbereich Eitzer Straße/ Andreaswall ersetzen. 1,7 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. "Wir wollen das nicht mit viel Kraft im nächsten Jahr umsetzen, sondern 2024", gab Bürgermeister Lutz Brockmann Einblick in den Zeitplan. 

Die bessere Erreichbarkeit des Krankenhauses, für das eine neue Stichstraße geplant ist, und der Innenstadt sei auch eine Wirtschaftsförderung für die Region, kommentierte Lars Brennecke (CDU) das Vorhaben. Er mahnte jedoch, die Zeit der Planung auch dafür zu nutzen, rechtzeitig ein Übergangskonzept zu erstellen. Schließlich müsse die Klinik auch während der Bauarbeiten gut erreichbar sein. 

Johanniswall wird umgestaltet

Nur einige Hundert Meter von dem künftigen Kreisel entfernt befindet sich ein weiteres Projekt, das die Stadt angehen möchte. Der Johanniswall soll umgestaltet und aufgewertet werden. Geplant war das bereits vor zehn Jahren. Die abgängige Nordbrücke durchkreuzte das Vorhaben jedoch. Nun startet die Stadt einen neuen Versuch. Auf der Westseite sollen ein Gehweg sowie ein Zwei-Richtung-Radweg entstehen, heißt es in der Vorlage weiter. Parkplätze, auf denen Regenwasser versickern kann, sollen integriert werden. 

Ein wichtiger Punkt bei der Neugestaltung ist die Domweih. Schließlich soll für Fahrgeschäfte und Zelte sowie für deren Aufbau genug Platz bleiben. "Wir müssen uns Gedanken machen, wo die einzelnen Bäume gepflanzt werden", mahnte Carsten Hauschild (SPD). Begleitend zum neuen Fußweg sollen es bis zu 14 Straßenbäume sein. Auf der Grünfläche vor dem Landgericht sind weitere acht Bäume geplant. Henning Wittbold-Müller (FDP) zeigte sich erfreut über das Vorhaben. "Besser geht es nicht", lobte er die Pläne. Überzeugt von den Plänen, sprach sich der Rat einstimmig für das Vorhaben aus.

Nicht nur am Johanniswall, sondern im gesamten Stadtgebiet sollen bis 2027 mindestens 500 zusätzliche Straßenbäume für den sommerlichen Hitzeschutz gepflanzt werden. Die Beete für Straßenbäume sollen – soweit möglich – durch Entsiegelung vergrößert werden. Mit der Pflanzung ist es allerdings nicht getan, auch gepflegt werden müssen die Bäume. Daher soll der Betriebshof um zwei zusätzliche Stellen aufgestockt werden. 103.800 Euro Personalkosten entstehen laut Vorlage dadurch. Weitere 75.000 Euro kommen für Pflanzen, Baumsubstrat und sonstige Nebenkosten hinzu. 

Konzept für Pflanzung gefordert

Die Baumpflanzungen seien "richtig und wichtig", betonte Lars Brennecke. Ihm fehle jedoch ein genaues Konzept, wo die 500 Bäume gepflanzt werden sollen. Der Antrag sei richtig, allerdings nicht "hundertprozentig ausgearbeitet". "Wir können es uns nicht leisten, noch länger zu warten", widersprach Johanna König (Die Grünen). Die Pflanzzeit stehe bereits vor der Tür. Ihr fielen gleich mehrere Stellen ein, an denen neue Bäume gepflanzt werden könnten. An der Bürgermeister-Münchmeyer-Straße gebe es beispielsweise Lücken. 

Die Ratsmitglieder sprachen sich für die Pflanzung der Bäume und die Vergrößerung vorhandener Baumbeete aus. Bei der Abstimmung über die Schaffung zweier neuer Stellen für den Betriebshof gab es hingegen zwölf Enthaltungen. Mit 19 Stimmen gab es dennoch genug Fürsprecher. 

Hitze und Trockenheit, aber auch Regenfälle machen indes einigen Sportlern in Verden Sorgen. Auf dem Sportgelände Saumurplatz soll daher ein zweiter Kunstrasenplatz entstehen, der unabhängig vom Wetter bespielt werden kann. Der synthetische Rasen sei widerstandsfähiger, zeigte Umut Ünlü (SPD) den Vorteil gegenüber klassischem Gras auf. 

Dass sich auf Kunstrasen gut spielen lasse, weiß auch Alina Ludas (Die Grünen) aus eigener Erfahrung. Aus ökologischer Sicht sei allerdings echter Rasen vorzuziehen. Insbesondere mit Blick auf die hohe Investitionssumme (650.000 Euro) sehe sie das Vorhaben kritisch. Annika Listner (FDP) hob hingegen hervor, dass durch einen weiteren Fußballplatz, der unabhängig von der Witterung nutzbar sei, Hallenzeiten frei werden könnten.

Kritik an Plastikeinsatz

Ein Kunststoffrasen sei nicht mehr zeitgemäß, kritisierte Sonja Toaspern (Linke). Schon jetzt sei Mikroplastik fast überall nachweisbar. In 50 Jahren werde man es nicht gutheißen, dass "Quadratmeter um Quadratmeter mit Plastik ausgelegt wurden".

Carsten Hauschild hingegen hob hervor, man müsse es jungen Menschen ermöglichen, Sport zu treiben. So ein Platz sei "State of the Art", entspreche also dem neusten Stand der Technik. Fehle es an derartigen Plätze in Verden, könnten im schlimmsten Fall Vereine abwandern.

Einen Einblick in das Training auf dem synthetischen Grün gab auch Wjatscheslaw Slaschjow (FDP), der sich als Jugendtrainer engagiert. Fußball sei der populärste Sport in Deutschland. "Fußballer möchten auf natürlichem Rasen spielen", sagte er. Doch in den Sommermonaten habe es keinen Rasen gegeben. Das trockene Wetter habe das Grün ausgetrocknet. Schlaglöcher auf der unebenen Fläche steigerten zudem die Verletzungsgefahr. 

Bei vier Enthaltungen und sechs Gegenstimmen sprach sich der Rat schließlich für den Kunstrasenplatz aus. 

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