Deutsches Pferdemuseum Ein Leben für die Ponys

In diesem Jahr wäre Ursula Bruns 100 Jahre alt geworden. Das nimmt das Deutsche Pferdemuseum zum Anlass, an die Kinderbuchautorin und Isländer-Enthusiastin zu erinnern.
23.09.2022, 16:21
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Von Angelika Siepmann

Ursula Bruns hat etliche Bücher geschrieben, längst nicht nur Unterhaltungsliteratur. Der Durchbruch als Autorin war der gelernten Drogistin und Reitlehrerin einst mit „Dick und Dalli und die Ponys“ gelungen. Weit mehr noch als der gedruckte Roman wurde zum Riesenerfolg, was die deutsche Filmindustrie der 1950er-Jahre daraus gleich im Dreierpack fabrizierte: die Spielfilme um die munteren Mädels vom legendären Immenhof. Am 1. September wäre die 2016 verstorbene Ursula Bruns 100 Jahre alt geworden. Unter dem Motto „Ein Leben für die Ponys“ erinnert das Deutsche Pferdemuseum (DPM) momentan mit einer Ausstellungsvitrine und einem kleinen käuflichen Sonderheft an die leidenschaftliche und verdienstvolle Hippologin mit der bewegten Biografie.

Im westfälischen Bocholt geboren, wohnte Ursula Bruns zwar mit ihrer Familie in der Stadt, im Sommer jedoch zog man „hinaus aufs Land“. Dort entdeckte sie nachhaltig die Liebe zu den Pferden und zur Reiterei. Auf ihren zahlreichen Reisen sollte sie noch andere Tiere reiten, wie nachzulesen ist: Esel, Kamele, Yaks, Wasserbüffel, Elefanten… Ihr Herz aber gehörte vor allem den Ponys und besonders den Isländern. Ursula Bruns hat sich nicht nur als Verfasserin von über 40 Kinder-, Jugend- und Sachbüchern einen Namen gemacht. Ihr ist es auch maßgeblich zu verdanken, dass die Islandpferde in Deutschland heimisch wurden. Unermüdlich bemühte sie sich, das Interesse an den wetterfesten, menschenfreundlichen Ponys von der Atlantikinsel zu wecken.

Filmtrilogie als beste Werbung

Als beste Werbung für die hierzulande bis dato weitgehend unbekannte Pferderasse erwies sich die Immenhof-Filmtrilogie. Dafür lieferte Ursula Bruns, die nach dem Krieg noch in Bonn ein Studium der Kunstgeschichte und Germanistik begonnen hatte, nicht nur die Romanvorlage, sondern auch die Skripts. Und mehr noch: Bei den Dreharbeiten auf Gut Rothensande im holsteinischen Malente war sie als Pferdefachfrau dabei, besorgte die passenden Ponys und brachte den Schauspielerinnen und Schauspielern das korrekte Reiten und die Stunts bei. Darunter befand sich auch die bald sehr populäre Heidi Brühl (1942 – 1991) in einer der Titelrollen.

Die zwischen 1955 und 1957 Schlag auf Schlag entstandenen Filme waren Kino-Kassenschlager und erlangten Kultstatus. Sie präsentierten eine fröhliche, heitere Welt im Nachkriegsdeutschland. Auch wenn die "toughe" Großmutter von Dick und Dalli zwischendurch mal fürchten musste, die Finanzen könnten nicht reichen, um den Immenhof zu halten. Am Ende wurde alles gut. Ein bisschen Teenager-Liebelei belebte das Ganze. Unzählige Male wurden die Streifen später im Fernsehen gezeigt. Es entstanden auch noch einige Nachfolgefilme und Neuverfilmungen.

Umfangreiches Lebenswerk

Ursula Bruns war zwar nicht die erste Idealistin, die Islandpferde importierte. Ihrem Engagement ist es aber zu verdanken, dass die robuste Kleinpferderasse immer mehr Anhänger fand. Bald war der Informationsbedarf so groß, dass die ebenso vielseitige wie zupackende Frau eine spezielle Zeitschrift herausgab. Die erstmals 1958 erschienene „Pony Post“ wurde 1969 in „Freizeit im Sattel“ umbenannt und war bis 2008 ein beliebtes Magazin. Damit ist das Lebenswerk der umtriebigen Ursula Bruns, die lange in Südspanien zu Hause war, noch längst nicht vollständig geschildert. So wurde auf ihre Initiative hin der Deutsche Pony-Klub aus der Taufe gehoben, der bis heute als Islandpferdereiter- und Züchterverband (IZVP) fortbesteht.

Bruns war es immer wichtig, sich für die Arbeit mit einem Pferd viel Zeit zu nehmen und eine ruhige und freundliche Atmosphäre zu schaffen. Ganz nach der Überzeugung, „dass man nur über einen langen Weg mit dem Pferd und in Zusammenarbeit mit dem Tier ein erstrebtes Ziel erreichen kann“. Sie selbst erreichte es auch, indem sie als erste Europäerin an einem Distanzritt über 100 Meilen, rund 160 Kilometer, teilnahm. Für Reitanfänger und Wiedereinsteiger hat sie zudem mit der Professorin und Erwachsenenpädagogin Inge Behr die „Bruns-Behr-Methode“ (kurz BB-Methode) entwickelt. Sie soll eine “Grundschule des Reitens“ darstellen. 1978 hat Ursula Bruns schließlich im münsterländischen Reken ihr fortan viel frequentiertes Reit-Zentrum gegründet.  

Weiteres ist dem bebilderten Extra-Blatt aus der Feder von DPM-Bibliothekarin Britta Stühren zu entnehmen. Dass nahezu alle Bruns-Titel zum Buchbestand des Hauses gehören, versteht sich von selbst. Weitere Informationen gibt es unter www.dpm-verden.de.          

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