Unfallstatistik für den Landkreis Verden

Mit Kontrollen das Risiko senken

Aus der Unfallstatistik für den Landkreis Verden geht hervor, dass es 2020 im Vergleich zu 2019 weniger Unfälle gab. Die Corona-Pandemie ist dafür ein Grund. Die Polizei setzt zudem vermehrt auf Kontrollen.
17.04.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Mit Kontrollen das Risiko senken
Von Onno Kutscher
Mit Kontrollen das Risiko senken

Um das Fehlverhalten im Straßenverkehr einzudämmen, hat die Polizei erneut auf Verkehrskontrollen gesetzt.

Björn Hake

Landkreis Verden. Die Corona-Pandemie hat zahlreiche Auswirkungen auf das tägliche Leben der Menschen. Eine davon ist, dass sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vermehrt im Homeoffice befinden. Das wiederum wirkt sich auf die Unfallzahlen aus - denn die sind im Landkreis Verden gesunken. Das geht aus der aktuellen Verkehrsunfallstatistik 2020 des Landkreises Verden und der Polizeiinspektion Verden/Osterholz hervor. Darin heißt es, dass die Gesamtunfallzahl im Landkreis Verden im Vergleich zum Vorjahr um 17,35 Prozent auf 3729 gesunken ist (2019: 4512). Ähnlich wie in ganz Niedersachsen. Hier verringerten sich die Unfälle von 218.029 um 15,2 Prozent auf 188.844. „Der Rückgang der Gesamtunfallzahl dürfte im direktem Zusammenhang mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen reduzierten Fahrzeugbewegungen stehen“, heißt es dazu in der Verkehrsunfallstatistik. Außerdem setzen Polizei und Landkreis auf Kontrollen.

Die meisten Unfälle wurden in den Städten Verden (971) und Achim (773) verzeichnet, am wenigsten in der Gemeinde Dörverden mit 162. Gesunken ist auch die Anzahl der Menschen, die bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind. Waren es 2019 noch 15 Menschen, sind in der Statistik für 2020 vier Fälle gemeldet. „Hinter diesen Schicksalsschlägen verbergen sich individuelle Ursachen. Zwei Personen wurden bei Unfällen auf der Autobahn getötet. Je eine Person kam bei einem Unfall außerhalb und innerhalb geschlossener Ortschaft ums Leben“, heißt es dazu in der Statistik.

Überwachung des Verkehrs

Rückläufig sind die Zahlen auch bei den Menschen, die bei Unfällen schwer verletzt wurden. So wurden für das vergangene Jahr 87 Menschen gemeldet, das sind sechs weniger als 2019. „Die Analyse dieser Unfälle bestärkt den Landkreis und die Polizei, weiterhin Verkehrsüberwachungsmaßnahmen durchzuführen sowie ein breit gefächertes Präventionsprogramm anzubieten und mit neuen Mobilitätsformen weiterzuentwickeln.“

Das größte Unfallrisiko besteht laut Unfallstatistik im nicht angepassten Fahrverhalten (2020: 1027 Unfälle) in Form von zu hohen Geschwindigkeiten (126) oder Nichteinhalten des Sicherheitsabstandes (901). Die im vergangenen Jahr durch den Landkreis und die Polizei festgestellten 55.137 Ordnungswidrigkeiten zeigen dies trotz sinkender Zahlen, da es sich bei 98 Prozent dieser Verstöße um Verkehrsdelikte handelt. Aufgrund eines anhaltend hohen Niveaus des Nichteinhaltens des erforderlichen Abstands als Unfallursache, haben die Polizeiinspektion Verden/Osterholz und der Landkreis Verden neben der Präventionsarbeit sowohl die eigenen als auch die gemeinsamen Kontrollaktionen aufrechterhalten. Auf der Autobahn wurden im Jahr 2020 trotz geringeren Verkehrsaufkommens noch 5341 Verstöße geahndet (2019: 6098).

Auf Ablenkung innerhalb des Fahrzeugs dürfte zudem erneut eine Vielzahl von Unfällen zurückzuführen sein. Die Ablenkung während des Fahrens bleibt dementsprechend ein Handlungsschwerpunkt der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit. Neben dem Bedienen eines Mobiltelefons während der Fahrt können auch Alltagssituationen wie ein intensives Gespräch für den Fahrer oder die Fahrerin ablenkend sein. Als weitere Unfallursachen folgten Fehler beim Wenden und Rückwärtsfahren (593), Vorfahrtsmissachtungen (184) und Abbiegeunfälle (172).

Einsatz von technischen Mitteln

Zusätzlich zu bewährten Kontrollen mit dem Schwerpunkt auf die Ablenkung im Fahrzeug führt die Polizeiinspektion Verden/Osterholz auf den Autobahnen Kontrollen unter Einsatz technischer Mittel durch. Diese Maßnahmen konzentriert die Polizei vor allem auf die Überwachung des Schwerlastverkehrs. Der Einsatz von technischen Mitteln begegnet zudem der Problematik der Beweisbarkeit solcher Verstöße. Allein durch dieses Projekt wurden 75 Verstöße bei Pkw-Fahrern und 215 Verstöße bei Lkw-Fahrern registriert. Die Anzahl der geahndeten Handyverstöße blieb mit 1194 etwa auf dem Vorjahresniveau von 2019 (1208).

Der Sachbearbeiter Verkehr der Polizeiinspektion Verden/Osterholz, Stephan Meier, hat sich die Verkehrsunfallstatistik genau angesehen: „Trotz sinkender Unfallzahlen kommt es nach wie vor zu Unfällen, bei denen Menschen verletzt oder gar getötet werden. Daher bleibt die Verkehrssicherheitsarbeit ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit von Polizei und Kommunen. Sie wird durch Verkehrsüberwachungsmaßnahmen und Verkehrsprävention gestaltet, da sich der Großteil der Verkehrsunfälle auf individuelles Fehlverhalten zurückführen lässt.“ Und Ingo Jans, Leiter der Polizeiinspektion Verden/Osterholz, sagt: „Die Verkehrssicherheitsarbeit ist Polizei, Landkreis und den Netzwerkpartnern ein besonderes Anliegen. Unser Ziel ist die Reduzierung von Verkehrsunfällen, daher werden wir auch künftig die Unfallursachen und Risikogruppen genau in den Blick nehmen.“ Der Landkreis unterstützt die Verkehrssicherheitsarbeit mit einem festen jährlichen Budget.

Aufgrund des Umfangs der Unfallstatistik folgt in den kommenden Tagen ein weiterer Artikel zu diesem Thema.

Info

Zur Sache

In der Risikogruppe der „Jungen Fahranfänger und -anfängerinnen“ (18 bis 24 Jahre) registrierte die Polizei im Jahr 2019 noch 22 Schwerstverletzte (schwer verletzt und getötet). In 2020 sank die Zahl auf 16 Schwerstverletzte. Unter den Senioren und Seniorinnen (über 64 Jahre) wurde in dieser Kategorie ebenfalls ein Rückgang um 13 Fälle auf nunmehr 15 Schwerstverletzte registriert (2019: 28).

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