Hospizkreis Verden

Sterbebegleiter-Ausbildung: Trösten will gelernt sein

Wolfhard König will Menschen in ihren letzten Tagen und Wochen zur Seite stehen. Im zweiten Kursus zur Qualifizierung von Sterbebegleitern des Verdener Hospizkreises wurde er darauf vorbereitet. König war einer von acht Teilnehmern.
10.02.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Sterbebegleiter-Ausbildung: Trösten will gelernt sein
Von Anna Zacharias
Sterbebegleiter-Ausbildung: Trösten will gelernt sein

Die Theorie haben der zertifizierte Hospizhelfer Wolfhard König und sieben weitere Teilnehmern des Qualifizierungskurses jetzt hinter sich gebracht: Was den 61-jährigen Verdener in der Praxis erwartet, weiß er noch nicht.

Focke Strangmann

Wolfhard König will Menschen in ihren letzten Tagen und Wochen zur Seite stehen. Im zweiten Kursus zur Qualifizierung von Sterbebegleitern des Verdener Hospizkreises wurde er darauf vorbereitet. Sein persönliches Schicksal hatte ihn zu dieser Entscheidung bewegt.

Trauer, Tränen und Trübsal – diese Begriffe verbinden die meisten Menschen wohl mit dem Wort „Hospiz“. Wolfhard König hat eine ganz andere Erfahrung gemacht. Gemeinsam mit sieben weiteren Teilnehmern hat der 61-Jährige gerade einen Kursus zur Qualifikation von Sterbebegleitern abgeschlossen. Im Landkreis ist dieses Angebot des Verdener Hospizkreises das bislang einzige, mit dem die ehrenamtlichen Helfer auf ihren Einsatz vorbereitet werden.

Sechs Frauen, zwei Männer

Der Großteil der Hospizbegleiter ist weiblich: Unter den acht Teilnehmern dieses zweiten Kursus in Verden waren zwei Männer. Es waren persönliche Erfahrungen, die König dazu bewegt haben, sich ehrenamtlich mit dem Thema Tod und Trauer zu befassen. Vor dreieinhalb Jahren wurde sein Vater mit 86 Jahren von einem Auto angefahren und brach sich den Oberschenkelhals. Nach der Operation war er nicht mehr derselbe. Er hatte das sogenannte Durchgangssyndrom, eine kurzzeitige organische Psychose. „Durch den Schock und die Anästhesie lebte er in einer anderen Welt. Er wurde dann in einem Verdener Pflegeheim untergebracht, aber dort beschränkte sich die Versorgung eher auf die körperlichen Bedürfnisse“, sagt König, der seinen Vater in den vier Monaten vor dessen Tod täglich besuchte.

Seit einem Jahr ist König in Rente und hat nun Zeit gefunden, das umzusetzen, was er schon lange vorhatte. „Ich habe im Einkauf bei der Firma Mars gearbeitet und bin international viel herumgekommen, unter anderem in den USA. Dort wird viel mehr auf ehrenamtliches Engagement gesetzt als hier. Ich finde, wenn es einem selbst gut geht, kann man auch etwas zurückgeben“, sagt König, der zudem auch selbst viel Spaß an der Arbeit im Hospizverein hat. „Viele denken, dass man da nur sitzt und weint – aber wir sind kein Trauerkloß-Verein“, meint der Verdener.

Kursleiterin ist Psychologin

Kursleiterin Cornelia Faltermann ist Psychologin. Mit ihrer Hilfe ist es gelungen, die Zahl der ehrenamtlichen Sterbebegleiter in Verden um ein Vielfaches zu erhöhen – Mitte 2013 waren es lediglich vier, inzwischen sind es 20. „Eine Freude ist, dass wir in dem Seminar auch Teilnehmerinnen aus unseren Nachbarvereinen Achim, Hoya und Ottersberg ausbilden durften, und wir so immer mehr in der Lage sein werden, flächendeckend ehrenamtliche Hospizhelfer einsetzen zu können“, sagt sie. Der neue Kursus ist bereits ausgebucht, der nächste beginnt voraussichtlich in sechs Monaten. Die Kursgebühr beträgt 240 Euro, wer sich für zwei Jahre beim Hospizverein Verden verpflichtet, darf kostenlos teilnehmen.

Was auf Wolfhard König zukommt, weiß er nicht. Für die Zertifizierung hat er eine Woche im stationären Hospiz in Ganderkesee verbracht und so bereits erste Erfahrungen in der Praxis gemacht. Diese Zeit hat bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Auch ich hatte Vorurteile. Aber das Leben dort ist anders, als man sich das vorstellt – im Grunde wie in einer WG. Die Menschen versuchen, den Rest ihres Lebens lebenswert zu machen“, sagt er.

Finanzierung durch Spenden

Der Hospizverein finanziert sich über Spenden. Das Angebot ist für die Betroffenen kostenlos. Faltermann als Koordinatorin sorgt dafür, dass der Begleiter nach Möglichkeit den Vorstellungen der Betroffenen entspricht. „Gerade auf dem Dorf sprechen einige noch platt – da käme ich zum Beispiel nicht in Frage“, erklärt König. Er weiß, dass sich einige Menschen gerne engagieren würden aber nicht wissen, wie sie mit den Sterbenden umgehen sollen: „Man muss eigentlich gar nicht viel tun. In Ganderkesee hatte ein Mann beispielsweise Bilder seiner Familie über dem Bett hängen. Die habe ich angesprochen, und er hat sofort angefangen zu erzählen“.

Der Hospizkreis Verden ist zu erreichen unter der Telefonnummer 0 42 31 / 25 18 oder per Mail an post@hospizkreis Verden. Wer sich als Hospizhelfer zertifizieren lassen will oder jemanden kennt, der Sterbebegleitung wünscht, kann sich dort melden. Weitere Informationen gibt es unter www.hospizkreis-verden.de.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+