26 Aussteller bereiten sich auf Verdener Werk-Kunst-Ausstellung im November vor

Sticken in der dritten Dimension

Verden. Eine fast magische Anziehungskraft geht von dem runden flauschigen Ball aus, der auf dem Tisch im Wintergarten von Künstlerin Renate Bertram liegt. „Die Bälle fasst jeder an“, sagt sie lachend.
14.10.2016, 00:00
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Sticken in der dritten Dimension
Von Anna Zacharias
Sticken in der dritten Dimension

Renate Bertram stellt die letzten Stücke für die Werk-Kunst-Ausstellung in Verden fertig. Besonders fasziniert sind viele von den flauschigen Bällen, die die Künstlerin bestickt.

Björn Hake

Verden. Eine fast magische Anziehungskraft geht von dem runden flauschigen Ball aus, der auf dem Tisch im Wintergarten von Künstlerin Renate Bertram liegt. „Die Bälle fasst jeder an“, sagt sie lachend. Die 66-Jährige ist ein Urgestein der Verdener Werk-Kunst-Ausstellung, deren Herbstausgabe wieder am Wochenende um den 19. und 20. November im Verdener Rathaus stattfindet.

Schon seit Mitte der 1980er-Jahre gibt es die Veranstaltung, die im vergangenen Jahr 30-jähriges Bestehen feierte. Längst kommen die Aussteller aus Nah und Fern. Näher als Renate Bertram ist kaum einer der Künstler dran, sie ist Verdenerin aus Überzeugung, war immer und bleibt Verdenerin. Schon als junges Ding wollte sie beruflich etwas mit Modedesign machen, erzählt sie, während sie sich die schick mit blauen und grünen Perlen bestickte Tasche anhält, an deren letztem Feinschliff sie gerade sitzt. „Aber damals war das undenkbar, das machte man nicht“, erinnert sie sich.

Und so studierte sie Textil, wurde Lehrerin und unterrichtete später auch Kunst am Domgymnasium in Verden. „Meine Mutter war Schneiderin, schon als Kind habe ich in ihrer Schneiderstube gespielt und gebastelt“, erzählt sie. Im Wintergarten ihres Hauses mit Blick auf eine kleine ruhige Straße findet sie die Ruhe für ihre kreativen Entwürfe, die eigentlich immer etwas mit Stoff, Nähen und Sticken zu tun haben – Malerei ist nicht ihr Ding, sie denkt in Textil. Und jedes ihrer Werke ist ein Unikat: „Das bekommt man gar nicht noch einmal genau so hin“, sagt sie über ihr Handwerk.

Und so sind auch die Bilder an den Wänden Collagen aus Stoff, teils aufwendig bestickt und farbenfroh, ebenso die Motive ihrer Grußkarten, auf denen sich Blumen aus hauchdünnen Fädchen ranken. Seit einiger Zeit haben sich die bestickten Bälle allerdings als eine Art Markenzeichen der 66-Jährigen herauskristallisiert. Ihren Kern bildet ein Tennisball, der mit Fleece ummantelt und bestickt wird. „Ich wollte Sticken in die dritte Dimension bringen, nicht immer nur auf einer Ebene“, sagt sie über ihre Deko-Objekte. Und dann liegt in einer der vielen Kistchen mit Stoffen, Garn und fertigen Stücke noch eine Art Kragen, kunstvoll bestickt: „Pimp up your Pulli“ lautet Renate Bertrams Erklärung zu dieser Kette der anderen Art.

Neben den Werken der Ur-Verdenerin werden bei der Werk-Kunst-Ausstellung im November auch einige neue Gesichter dabei sein, die von weither anreisen, wie Organisatorin Hannelore Schnitter ankündigt. Aus Berlin kommt jemand, der sich ebenfalls dem Stoff verschrieben hat. Dagmar Rehse webt Handtücher, Kissen, Teppiche oder Brotbeutel und ist mit ihren Stücken erstmals in Verden dabei.

Neu ist auch Designerin Katrin Enstrup, die aus Wuppertal anreisen wird. „Sie hat sich bei uns beworben, und was sie macht, sah spannend aus“, sagt Schnitter. Rehse stellt aus Papier Schmuck her, unter anderem Ketten, Broschen oder Ohrstecker. Aus Kaltenkirchen kommen Mode- und Wohnaccessoires von Ayre Brandt. Ihre Wohnaccessoires, Taschen, Großkissen oder Schals stellt sie mit Naturmaterialien von Hand her.

Renate Bertram ist schon sehr lange dabei, nicht bei jeder der Ausstellungen in Verden, die zweimal im Jahr stattfinden, sind ihre Werke vertreten, aber doch regelmäßig. „Ein Leben ohne die Werk-Kunst-Austtellung kann ich mir nicht vorstellen, dort trifft man viele tolle Leute“, sagt sie. Insgesamt 26 Teilnehmer sind bei dieser Ausstellung dabei und bringen von Keramik über Kleidungsstücke bis zu festlicher Adventsdekoration vielseitige Exponate mit. Auch die Schülerfirma der Klaus-Störtebeker-Schule Verden ist anwesend und will weihnachtliches Dekor auf die Tische zaubern.

Die meisten Künstler, hat Bertram beobachtet, seien mit großer Leidenschaft am Werk und nähmen viele Entbehrungen in Kauf, um ihrem nicht immer finanziell lukrativen Schaffen nachzugehen. Meist stecke wesentlich mehr Arbeit in den Werken, als sie hinterher Gewinn brächten. Ihr selbst falle es oft schwer, sich von ihren Stücken zu trennen, gibt sie zu – es sei denn, jemand zeige echte Begeisterung.

Die Ausstellung findet wieder am Wochenende von Sonnabend, 19., bis Sonntag, 20. November, im Verdener Rathaus jeweils von 11 bis 17 Uhr statt. Der Erlös des Eintrittsgeldes von einem Euro kommt einer sozialen Kinder- und Jugendeinrichtung zugute. Im Café können die Besucher dann noch bei Kaffee, Torte oder frisch belegten Brötchen verweilen. Mehr Informationen gibt es auch unter www.werk-kunst.de.

„Ein Leben ohne die Werk-Kunst-Austtellung kann ich mir nicht vorstellen.“ Renate Bertram
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