Bürger besorgt: Lagerstättenwasser-Verpressung, Schweinmaststall und Sandabbaugebiet geplant Stirbt die Lebensqualität in Völkersen?

Bei einer Veranstaltung warnten Langwedels Ratsherr Gerd Landzettel und Völkersens Ortsbürgermeister Andreas Noltemeyer vor einem Anstieg an Lastwagen, die mit Sand, Lagerstättenwasser und Tieren beladen durch die Ortschaft fahren, würden die Projekte „Schweinmaststall“, „Sandabbaugebiet“ und „Lagerstättenwasser-Verpressung“ realisiert.
30.05.2014, 00:00
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Stirbt die Lebensqualität in Völkersen?
Von Michael Kerzel

Bei einer Veranstaltung warnten Langwedels Ratsherr Gerd Landzettel und Völkersens Ortsbürgermeister Andreas Noltemeyer vor einem Anstieg an Lastwagen, die mit Sand, Lagerstättenwasser und Tieren beladen durch die Ortschaft fahren, würden die Projekte „Schweinmaststall“, „Sandabbaugebiet“ und „Lagerstättenwasser-Verpressung“ realisiert.

Mehrere Hundert Lastwagen fahren jeden Tag durch die Ortschaft Völkersen, teilweise mit giftigen Stoffen beladen: Das ist das Schreckensszenario, das WGL-Ratsherr Gerd Landzettel und Völkersens Ortsbürgermeister Andreas Noltemeyer am Dienstag in Völkersen vor rund 35 Gästen skizzierten.

Landzettel und Noltemeyer rechnen folgendermaßen: Rund 130 000 Kubikmeter Lagerstättenwasser – das unter anderem Benzol und Quecksilber enthält – möchte der Erdgaskonzern RWE Dea mittelfristig nördlich von Völkersen in 5000 Meter Tiefe verpressen. Noch hat das Unternehmen keinen Antrag beim Landesbergamt gestellt, das Vorhaben jedoch bereits verkündet. Falls Lagerstättenwasser in der Bohranlage Nord Z3 verpresst wird, fahren jährlich mehrere Tausend Lastwagen von verschiedenen Bohrstellen zu dieser Anlage. Der Weg führt durch Völkersen.

Für einen Schweinmaststall mit rund 1500 Tieren an der Haberloher Straße hat der Flecken Langwedel bereits sein Einverständnis gegeben. Hier entscheidet letztlich der Landkreis. „Das Problem ist nicht dieser eine Maststall. Aber wenn erst mal die Erlaubnis für einen Stall da ist, gibt es kaum noch Handhabe gegen weitere solcher Ställe“, meinte Noltemeyer. Man sehe an anderen Ortschaften wie Holtum, welche Auswirkungen mehrere große Ställe nebeneinander hätten. Und mit solchen Ställen steige auch das Lastwagen-Aufkommen. Tiere würden hin und wieder wegtransportiert, dazu das Futter.

Tausende Lastwagen befürchtet

„Das natürliche Orts- und Landschaftsbild wird zerstört, der Erholungswert der Ortschaft reduziert“, erklärte Landzettel die Einwände der WGL gegen den Maststall. Die Mitglieder des Langwedeler Bauausschusses hatten die WGL jedoch überstimmt und auch der Verwaltungsausschuss gab sein Einverständnis. „Mehr Lastwagen-Verkehr betrifft sie alle. Mehr Gülle betrifft sie alle“, sagte Landzettel zu den Gästen. Ein drittes Projekt sei ebenfalls geplant. Auch dieses würde zu erheblich mehr Lastwagenfahrten durch die Ortschaft führen: „Zu dem geplanten Sandabbaugebiet soll ein Weg durch die alte Sandgrube über den Heideweg, die Straße Hinterm Damm zur Rotenburger Straße führen“, sagte Landzettel. Bisher habe der planende Landwirt jedoch keinen Antrag gestellt, Vermessungsingenieure seien jedoch bereits gesichtet worden. Der Weg für 10 bis 40 Lastwagen täglich, die Sand aus dem rund zehn Hektar (100 000 Quadratmeter) großen Gebiet im Südosten Völkersens transportieren würden, führe durch Völkerser Wohngebiet, sagt Landzettel.

Die drei Projekte – sowie mögliche weitere Ställe und Windparks – veränderten das Ortsbild massiv, sagte Noltemeyer. Das besorgte die bei der Veranstaltung anwesenden Bürger. „Wir haben bald keine Kneipe mehr in Völkersen, der Bäcker macht pleite und durch die drei Projekte werden wir zu einem Durchgangsdorf für Lastwagen. Dadurch geht die Lebensqualität hier verloren – und Völkersen könnte bald tot sein“, sagte einer der Bürger.

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