Martin Pertiet gewährt anlässlich der 140-Jahr-Feier Einblicke in die Geschichte des Gymnasiums am Wall Stöbern im Schularchiv

Das Gymnasium am Wall (GaW) wird 140 Jahre alt. Die VERDENER NACHRICHTEN besuchten den ehemaligen Schulleiter Martin Pertiet für eine Zeitreise im Schularchiv.
18.07.2012, 05:00
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Von Henrik Schaper

Das Gymnasium am Wall (GaW) wird 140 Jahre alt. Die VERDENER NACHRICHTEN besuchten den ehemaligen Schulleiter Martin Pertiet für eine Zeitreise im Schularchiv.

Verden. Gegründet wurde das spätere Gymnasiums am Wall am 14. Mai 1872 – damals noch unter der Bezeichnung "Höhere Töchterschule". Eine Elternvereinigung hatte mit eigenen Geldmitteln den Schulhausbau am Nicolaiwall möglich gemacht. 140 Jahre später zollt Martin Pertiet, GaW-Schulleiter von 1976 bis 1999, den einstigen Gründern noch immer hohen Respekt: "Alle Achtung, was Eltern 1872 für ihre Kinder getan haben." Seit seiner Pensionierung kurz vor der Jahrtausendwende widmet sich Pertiet der intensiven Pflege des Schularchivs im Keller des Hauptgebäudes. "Es ist erstaunlich, was wir hier alles gefunden haben. Das ist von sehr hohem Wert", berichtet der 77-Jährige. Pertiets Ehefrau Elsbeth hat sämtliche Ordner feinsäuberlich beschriftet. Die ersten Zeitungsartikel stammen aus dem Jahr 1877, also fünf Jahre nach der Schulgründung.

Übernahme durch die Stadt Verden

Zum 50-jährigen Jubiläum der Schule erfolgte die Übernahme durch die Stadt Verden. "Die Schule wurde ein städtisches Lyzeum, das Mädchen aller sozialen Schichten im Geiste der Weimarer Republik offenstand und bildete", erzählt Pertiet. Der Abschluss sei zunächst noch die mittlere Reife gewesen. Ziel für die Zukunft sei der Ausbau der Schule zu einer staatlich anerkannten Vollanstalt gewesen, die zur Hochschulreife führt. Nach dem zweiten Weltkrieg und dem sogenannten "Notabitur" 1946, verließen ein Jahr später die ersten Abiturientinnen die "Oberschule für Mädchen".

Zum 1. April 1961 übernahm der Landkreis Verden die Trägerschaft. Anekdoten aus dieser Zeit erzählte Ingrid Nowack vom Abschlussjahrgang 1962 bei der diesjährigen Abi-Entlassung. Nur vier Jahre später, am 1. April 1965, die wohl wichtigste Zäsur: Mit Schulleiterin Gertraud Ulrich wurde die Koedukation am Gymnasium am Wall eingeführt. Die Oberstudiendirektorin stand der Schule fast ein Vierteljahrhundert vor. In dieser Zeit erfolgten der Turnhallen- und der Aula-Neubau. Unter ihrer Regie fand 1972 auch die 100-Jahr-Feier statt. "Drei Straßenzüge umklammernd, kehrt die Schule zum 100-jährigen Jubiläum mit Fertigstellung des 4. Bauabschnitts genau an die Stelle des Nicolaiwalls zurück, wo die Geschichte unserer Schule 1872 mit einem Hausbau begann", sagte Ulrich bei der Festrede.

Nach einjähriger kommissarischer Leitung durch Marianne Klink übernahm Martin Pertiet am 1. Februar 1976 die Schulleitung. "Damals war die Oberstufenreform gerade in vollem Gange", erinnert sich der gebürtige Hamburger, "den Schulen wurden relativ viele Freiheiten gelassen." Gleichzeitig habe ein "eklatanter Lehrermangel" geherrscht, so dass er als Schulleiter eine Klasse übernehmen musste, die zuvor ein halbes Jahr keinen Deutschunterricht hatte.

Nur ein Jahr später sollte der noch neue Schulleiter gleich die Einführung der Orientierungsstufe koordinieren, schließlich hatten die Gymnasien zahlreiche Lehrer für die neue Schulform abzustellen. Ein Meilenstein unter der Leitung Pertiets war zudem die Einrichtung der Schulbibliothek. Die Kooperation mit dem Domgymnasium lag dem früheren Schulleiter nach eigenen Angaben immer sehr am Herzen. "Mit gemeinsamen Leistungskursen in Latein, Musik, Bio, Chemie und Physik haben wir ein breites Angebot geschaffen", blickt Pertiet zurück. Sein damaliger Kollege vom Domgymnasium, Clemens-August Borgerding, merkte zu der – trotz unterschiedlicher Temperamente – guten Zusammenarbeit an: "Nur Ignoranten haben das nicht so gesehen."

"Ich habe ihn damals auf dem Flur kennengelernt", erinnert sich Petra Sehrt, die seit mittlerweile zwei Schuljahren das GaW leitet, an das erste Treffen mit Martin Pertiet im Jahr 2010. "Ich bin immer noch hier im Keller im Archiv", habe er damals gesagt. Seitdem schätze sie die Hilfe und den Rat ihres Vorvorgängers. Die 54-Jährige hatte zuvor zehn Jahre am Gymnasium in Zeven als Koordinatorin gearbeitet. Für sie gehören Fotokopierer und Computer seit jeher zum Schulalltag. Beide Lehrergenerationen verbindet aber noch der Geruch der Matritzen, die bis Mitte der 90er Jahre für das Kopieren von Texten verwendet wurden.

"Wir wollten sowieso feiern, schließlich gibt es ja auch seit 40 Jahren den Schüleraustausch mit Saumur", sagt Petra Sehrt zum morgigen Schulfest (siehe Vorbericht). Bis zum 150-jährigen Jubiläum sind zwar noch zehn Jahre Zeit, aber Motivation für die Arbeit im Archiv hat Martin Pertiet weiterhin genug: "Da ist noch so einiges zu tun."

GaW feiert Sommerfest

Verden (per). Das Gymnasium am Wall feiert am morgigen Donnerstag, 19. Juli, anlässlich des 140-jährigen Bestehens der Schule, ein großes Sommerfest. Schulleiterin Petra Sehrt wird die Feier um 10 Uhr eröffnen. Im Anschluss haben die einzelnen Klassen und Jahrgangsstufen verschiedene Projekte, Mitmachaktionen und kulinarische Stände im Schulgebäude und auf dem Außengelände vorbereitet. Unter anderem werden ein Poetry Slam, ein Musikquiz, eine Schatzsucher-Rallye, ein Kirschkernweitspucken sowie eine Chill-Zone angeboten.

Das Essenangebot reicht vom Crêpes-Waffel-Stand über Hot Dogs bis zu Pizzabrötchen. Außerdem gibt es einen Fairtrade-Infostand und des werden Führungen für Ehemalige angeboten. Um 12 Uhr findet die Ehrung der Preisträger des vergangenen Schuljahres statt. Das Ende der Veranstaltung ist für 16 Uhr vorgesehen.

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