Landkreis Verden

Ländliche Regionen liegen vorn

Das Institut der Deutschen Wirtschaft hat 401 Landkreise in Deutschland im Hinblick auf Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Lebensqualität untersucht. Der Landkreis Verden liegt im Ranking auf Platz 161.
30.06.2020, 12:27
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Ländliche Regionen liegen vorn
Von Silke Looden
Ländliche Regionen liegen vorn

Der Landkreis Verden belegt beim Regionalranking Bremer Umland den 161. Platz.

Institut der Deutschen Wirtschaft/Weser-Kurier

Der Landkreis Verden liegt im Hinblick auf Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Lebensqualität auf Platz 161 der 401 Landkreise und freien Städte in Deutschland. Das geht aus einer aktuellen Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft hervor. Das Regionalranking zeigt deutlich, dass ländliche Regionen sich besonders gut entwickeln. Es seien nicht die großen Player, sondern die Hidden Champions, die die wirtschaftliche Dynamik und Innovationskraft ausmachten, so die Verfasser der Studie in ihrem Resümee. Die ländlichen Regionen reagierten insgesamt sensibler auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen als die großen Städte.

Vor den Nachbarn platziert

Im Vergleich zu seinen Nachbarn steht der Landkreis Verden in der Studie gut da. Mit Platz 161 im Ranking liegt er vor den Osterholzern (Platz 169). Es folgen der Landkreis Rotenburg (Platz 208), die Hansestadt Bremen (245), der Landkreis Cuxhaven (313) und der Landkreis Wesermarsch (345). Zwar seien ländliche Regionen von der demografischen Entwicklung besonders betroffen, andererseits profitierten sie von geringen Immobilienpreisen. Entscheidend für den Zuzug junger Leute sei indes die digitale Infrastruktur, betonen die Autoren Vanessa Hünnemeyer und Hanno Kempermann.

Laut Studie hängt der Erfolg einer Region zu 49 Prozent von der Lebensqualität ab, zu 35 Prozent von der Wirtschaftsstruktur und zu 16 Prozent vom Arbeitsmarkt. „Der ökonomische Erfolg wird also durch das Zusammenwirken wirtschaftsstruktureller Gegebenheiten mit Faktoren der Wohn- und Lebensqualität bestimmt“, betonen die Autoren. Dabei wirke sich die gemeindliche Steuerkraft mit einem Anteil von 14,9 Prozent am Gesamtindex am stärksten auf den Erfolg einer Region aus, gefolgt von der Lebensqualität mit 13,3 Prozent. Diese bemisst sich nach den Schulden der privaten Haushalte. Positiv auf die Region wirke der Beschäftigungsgrad von Frauen und die gesundheitliche Versorgung, negativ hingegen ein hoher Gewerbesteuersatz.

Verden zählt zu den Aufsteigern

Im Dreijahresvergleich haben sich die Landkreise Verden, Osterholz, Wesermarsch und Oldenburg deutlich besser entwickelt als etwa die Landkreise Rotenburg, Diepholz und Cuxhaven. Erstere konnten laut Studie besonders von der Strahlkraft Bremens profitieren. Als Aufsteiger bezeichnen die Verfasser der Studie die Landkreise Verden, Osterholz, Diepholz und Oldenburg. Hier sei nicht nur der Status quo positiv, auch der Trend zeige deutlich nach oben. Insgesamt hat die Zahl der Aufsteiger im Zweijahresvergleich um 21 kreisfreie Städte und Landkreise zugenommen. Erfolgreiche Regionen zeichnen sich der Analyse zufolge vor allem durch eine hohe Quote von Unternehmensgründungen aus.

Schlusslichter im Ranking sind hingegen Delmenhorst (Rang 395) und Bremerhaven (Rang 392). Hier warnt die Studie vor einer „negativen Entwicklungsspirale“. Gerade bei den Absteigern bestehe die Gefahr, dass sie sich zu lange auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen und die entscheidenden Weichenstellungen für eine zukunftsträchtige Entwicklung verpassen, so das Institut der Deutschen Wirtschaft. Dabei sei viel Bewegung unter den Absteigern. So hätten sich im Zweijahresvergleich 14 Regionen aus der Situation befreien können, 20 andere seien hinzugekommen.

Hidden Champions

Mit dem technologischen Fortschritt und der Globalisierung sei die Welt komplexer geworden. Das erschwere es den wirtschaftlichen und politischen Akteuren, zukunftsfähige und nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Je nach ökonomischer und sozialer Ausgangslage seien die Regionen unterschiedlich von weltweiten Entwicklungen betroffen. Dies zeige sich etwa in der Globalisierung, der Digitalisierung oder die Corona-Pandemie.

Die Verfasser der Studie kommen in ihrer Analyse zu dem Schluss, dass gerade ländliche Räume Heimat von Hidden Champions sind und attraktive Tourismusziele bieten. Damit nähmen sie den Druck von den Metropolen und böten wichtige Ausgleichsräume.

Die Autoren betonen: „Deshalb kommt der Sicherstellung infrastruktureller Rahmenbedingungen eine wesentliche Rolle zu, damit die Unternehmen vor Ort auch zukünftig mit ihren Geschäftsmodellen erfolgreich auf dem Weltmarkt tätig sein können und der Tourismus weiterhin eine bedeutende wirtschaftliche Rolle einnehmen kann.“

Zuzug wirkt sich positiv aus

Vor allem die Fachkräftesicherung sei von Bedeutung. So wirke der Zuzug von Paaren und jungen Familien nicht nur positiv auf die heutige und zukünftige Unternehmens- und Arbeitskräfteentwicklung, sondern trage darüber hinaus zu einer umfassenden Stärkung, Reaktivierung und Dynamisierung ländlicher Regionen bei.

Mit dem Verlust von Beschäftigungsmöglichkeiten in wirtschaftlich stagnierenden Regionen verschlechterten sich hingegen die Zukunftsaussichten der jeweils dort lebenden Bevölkerung. Das typische Nord-Süd-Gefälle spiegelt sich übrigens in der Studie nicht wider. So verteilten sich die zehn stärksten und schwächsten Regionen über das gesamte Bundesgebiet.

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