Stunde der Wintervögel

Spatz hat den Schnabel vorn

Die Ergebnisse der Stunde der Wintervögel zeigt im Landkreis Verden einen leichten Rückgang bei bei den Meisenarten. Ungewöhnlich häufig wurden hingegen Graugänse gezählt.
02.02.2021, 16:32
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Von Marie Lührs
Spatz hat den Schnabel vorn

Fast in jedem Garten ist der Haussperling anzutreffen, der den meisten als Spatz bekannt ist.

Lukas Schulze/dpa

So viele Menschen wie in diesem Jahr haben sich noch nie an der Stunde der Wintervögel beteiligt. Die Aktion geht auf eine gemeinsame Initiative des Naturschutzbundes (Nabu) Deutschland und seines bayerischen Partners, dem Landesbund für Vogelschutz (LBV), zurück. Seit 2011 behalten Menschen in ganz Deutschland an einem Aktionswochenende im Januar eine Stunde lang ihren Garten oder einen Park im Auge und notieren, welche Vögel sie dort sehen. Aus dem Landkreis Verden meldeten fast 570 Menschen ihre Sichtungen beim Ornithologen Christian Dibbern. Bisher galt das Jahr 2018 mit 395 Zählenden als Rekordjahr.

„Mit der Zählaktion möchte der Nabu ein möglichst genaues Bild von der Vogelwelt erhalten“, erklärt Leonie Jordan, Leiterin der Nabu-Regionalgeschäftsstelle in Verden, den Hintergrund. Dabei gehe es nicht um exakte Bestandszahlen aller Vögel, sondern darum, Häufigkeit und Trends von Populationen zu ermitteln. In diesem Jahr waren die Naturschützer besonders an der Zahl der Blaumeisen interessiert. Im vergangenen Frühjahr war in weiten Teilen Deutschlands eine vom Bakterium Suttonella ornithocola ausgelöste Epidemie ausgebrochen. Tausende Blaumeisen starben. Das zeigte sich bereits bei der Stunde der Gartenvögel im Mai 2020. „Für Fachleute ist es nun spannend herauszufinden, ob dieser Effekt auch noch im Winter spürbar ist“, sagt Jordan.

Am häufigsten beobachteten die Naturfreunde im Landkreis Verden den Haussperling, der vielen als Spatz geläufig ist. Fast 2500 Tiere dieser Art zählten die Teilnehmenden. Er gehört auch bundesweit zu den häufigsten Vögeln. Ebenfalls in den meisten Gärten und Parks vertreten war die Kohlmeise. Sie ist laut Nabu die größte Meisenart Europas. Mit ihrem schwarz-weißen Kopf, der gelben Brust und dem auffälligen schwarzen Bauchstreifen ist sie besonders gut zu erkennen. Ein wenig zierlicher ist hingegen die Blaumeise, die gerne in Scharen an Futterplätzen auftaucht. Trotz der Epidemie ist sie im Landkreis Verden auf dem dritten Platz gelandet. Dennoch ist die Blaumeise sowohl im Landkreis Verden als auch bei der bundesweiten Zählung (Platz fünf) ein wenig seltener vertreten als im Vorjahr.

„Ein direkter Zusammenhang zum Ausbruch der Suttonella-Erkrankung lässt sich mit dem Rückgang aber nicht sicher bestätigen“, sagt Jordan. „Hier wird man aber nach Abschluss der Aktion vor allem die besonders von Suttonella betroffenen Regionen noch einmal genauer analysieren.“ Denn nicht nur die Blaumeise, auch andere Meisenarten wurden deutlich weniger gesichtet als noch im Vorjahr.

„Wie bereits im sehr milden Winter 2017 machten sich viele typische Futterplatzbesucher rar“, sagt Jordan. Neben Meisen und Schwanzmeisen wurden auch Kleiber, Gimpel und Kernbeißer seltener. „Das sind alles Arten deren Winterbestände auf den Zuzug von Artgenossen aus dem Norden angewiesen sind.“ Dieser sei bis kurz vor der Zählung wegen des bis dahin sehr milden Winters wohl teilweise ausgeblieben. Viele Waldvögel suchen zudem erst wenn es sehr kalt wird und Schnee liegt Zuflucht in den Gärten der etwas wärmeren Siedlungen. „Jetzt, da Verden von Schnee bedeckt ist, kann es auch gut sein, dass wieder mehr gefiederte Besucher Futterstellen in Gärten aufsuchen.“

Am auffälligsten waren in diesem Jahr hingegen die Graugänse, die gewöhnlich nicht an Futterstellen in Gärten oder in Parkanlagen gesichtet werden. 1000 Stück wollen die Kreisverdener dennoch gesehen haben. Christian Dibbern vermutet, dass die Zählenden in diesem Jahr auch in der freien Landschaft unterwegs waren. Dass die Gänse oft in besonders großen Gruppen vertreten seien, erkläre, wie sie in der Statistik auf dem fünften Rang landen konnten. Bundesweit belegte sie hingegen den Platz 26.

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