Domfestspiele 2017

Süßer Abgang

Das war's, die Sommertheater-Saison in Verden ist vorbei. Am Sonnabend feierten die rund 130 Mitwirkenden bis tief in die Nacht. Für Leiterin Gabriele Müller geht es nun an das nächste Projekt.
30.07.2017, 17:01
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Süßer Abgang
Von Anna Zacharias
Süßer Abgang

Das Beste zum Schluss: Regisseur Hans König, Sponsorenbetreuer Wolfgang Reichelt und Festspielleiterin Gabriele Müller schneiden die riesige Torte an (von links).

Björn Hake

Verden. Mit Superlativen hält sich Festspielleiterin Gabriele Müller nicht zurück: „Für mich war es das beste Stück und das eindrucksvollste Ensemble, das wir je hatten“, sagt sie am Tag nach der Dernière, der letzten Aufführung des Stücks für diese Saison am Sonnabend. Und sie zieht eine beeindruckende Bilanz. Rund 11 000 Zuschauer aus nah und fern sahen sich die Inszenierung um das tragische Schicksal des Bremer Mönchs Johann Bornemacher vor der historischen Domkulisse an.

Jetzt müssen Theaterfreunde drei Jahre warten, bis die Domfestspiele im Jahr 2020 über die Bühne gehen. Und für die Mitwirkenden stellt sich wieder einmal die Frage, ob es ein Leben nach dem Freiluftspektakel gibt, denn nach einem halben Jahr Zusammenarbeit fällt man erst einmal „in ein richtiges Loch“, wie Müller sagt.

Doch zunächst wurde am Sonnabend noch ausgiebig gefeiert – traditionell mit einer massiven Torte mit dem Marzipan-Schriftzug: „Domfestspiele Verden 2017“. Hergestellt und angeliefert wurde sie von der Verdener Bäckerei Baalk Backbord, verspeist von den Darstellern und dem Publikum. „Die Feier ging noch bis um kurz nach fünf Uhr morgens“, berichtet eine trotz allem am Vormittag danach wieder fitte Gabriele Müller. Ihr Trick: Sie blieb nüchtern, denn schon am Sonntagnachmittag musste sie zum Abbau auf den Festspielplatz. Bis Donnerstag wird an der Bühne am Dom noch geschraubt, Freitag soll dann alles abtransportiert sein.

Die Zuschauer mussten bei dem Reformationsdrama ein ums andere Mal richtig schlucken, und manch einem mag im Sommertheater eher der Sinn nach leichter Kost stehen – könnte man meinen. Doch der Erfolg spricht für sich: „Vielleicht sind Schenkelklopfer derzeit auch gar nicht gewollt“, meint Müller, die Idee und Konzept für das von Regisseur Hans König verfasste Stück lieferte. Kein gutes Bild wird darin von der katholischen Kirche in der frühen Neuzeit gezeichnet, was Zuschauer auch ganz vereinzelt kritisch angemerkt hätten. „Aber die Zeit war nun einmal so, die entsprechenden Stellen beruhen auf historischen Fakten“, sagt die Festspielleiterin. Die klerikale Moral – oder vielmehr Doppelmoral – sei in Verden damals als eine der schlimmsten bekannt gewesen. Die überragende Mehrheit der Rückmeldungen sei aber absolut positiv gewesen. Dieses Mal hätten sich sogar Gäste aus dem Ausland unter die Zuschauer gemischt, bei denen sich der Besuch zufällig ergeben habe. Die Besucher der Schlussvorstellung verabschiedeten dann am Sonnabend die rund 130 größtenteils ehrenamtlichen Mitwirkenden auf und hinter der Bühne mit stehenden Ovationen. Besonders stellte Müller noch einmal Sponsorenbetreuer Wolfgang Reichelt hervor, der seit 2003 Gelder für die Finanzierung einsammelt und das einzige Ehrenmitglied des 20 Jahre alten Vereins Verdener Domfestspiele sei.

Nun heißt es für Müller, nach vorne zu blicken, denn das nächste Projekt steht vor der Tür. Am 28. Juli 2018 soll zum zweiten Mal die Allersymphonie stattfinden, dieses Mal am Allerpark. Auch bei der Organisation dieses Freiluftereignisses mit dem Jungen Philharmonischen Orchester Niedersachsen und Gesangssolisten wie der Opernsängerin Christiane Artisi wollen viele der „Domis“ wieder tatkräftig mithelfen.

„Es war das eindrucksvollste Ensemble, das wir je hatten.“ Gabriele Müller, Festspielleiterin
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