Tierheim Verden

Mehr Nachfragen nach Pflegetieren

Während der Corona-Krise sind die Vermittlungszahlen im Tierheim Verden ungefähr gleich geblieben. Vor einer Vermittlung steht eine intensive Beratung, vor allem bei Hunden.
07.06.2020, 15:56
Lesedauer: 3 Min
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Von Andrea Kreutzer
Mehr Nachfragen nach Pflegetieren

Tierheimleiterin Heidi Seekamp mit Hund Simba: Gerade Hunde binden sich eng an den Menschen an, eine Anschaffung sollte gut überlegt sein, rät die Expertin.

Björn Hake

Sich um ein Tier zu kümmern, ist mitunter sehr zeitintensiv. Und Zeit, insbesondere die zu Hause verbrachte, ist seit der Corona-Krise etwas, das viele Menschen im Überfluss haben. Das wiederum bewegt viele Bürger dazu, über die Anschaffung eines Haustieres nachzudenken. Die aktuelle Situation in Verden unterscheidet sich nach Angaben von Heidi Seekamp, Leiterin des Verdener Tierheims, allerdings nur geringfügig von anderen Jahren.

Bis Mitte März konnte, wer sich die Tiere im Tierheim anschauen wollte, einfach während der Öffnungszeiten vorbeikommen. „Dies ist in der jetzigen Lage so natürlich nicht mehr möglich“, sagt Heidi Seekamp. Eine Kontaktaufnahme erfolge derzeit zunächst telefonisch. Im Zuge dieses ersten Telefonats erfrage die jeweilige Mitarbeiterin, welche Art von Interesse sein könnte und informiere über infrage kommende Tiere aus dem aktuellen Bestand. „Manchmal hat es sich mit diesem einen Anruf aber auch schon erledigt, denn aktuell ist die Nachfrage nach Meerschweinchen besonders groß, doch es gibt weder bei uns welche noch in einem der umliegenden Tierheime.“

Wenn beispielsweise bei einer Katze außerdem geklärt wurde, ob es eher ein junges (lebhaftes) oder ein schon älteres (und daher ruhigeres) Tier sein soll, vereinbare die Mitarbeiterin mit dem Interessenten einen Besuchstermin. „Wir sorgen dafür, dass nie zu viele Menschen auf einmal im Haus sind“, betont Seekamp. Wie überall im öffentlichen Raum gelte auch bei ihnen Maskenpflicht, sowohl für die Besucher als auch bei den Mitarbeitern. „Desinfektionsmittel haben wir sowieso immer da, unabhängig von Corona“, so Seekamp.

Bislang habe das Tierheim ausgesprochen gute Erfahrungen mit diesen Regelungen gemacht. Die Vorauswahl, die der Mitarbeiter treffe, scheine grundsätzlich gut zu sein, denn in den meisten Fällen entscheide sich ein Interessent genau für dieses vorgeschlagene Tier. „Wir überlegen, ob wir einige der Maßnahmen auch später noch beibehalten“, sagt die Leiterin.

Wenn zur Zeit bei ihnen das Telefon klingelt, kommt es häufig vor, dass jemand ein Tier für einen bestimmten Zeitraum in Pflege nehmen möchte, um es dann wieder abzugeben, wenn „das Leben nach Corona normal weitergeht“. Diese Möglichkeit gebe es nicht, ganz im Sinne der Tiere, denn diese gewöhnen sich an den neuen Ort und binden sich an den Menschen. „Sie würden unter einem erneuten Ortswechsel und anderen Bezugspersonen leiden.“

Dass also seit März im Vergleich zum Vorjahr mehr Tiere vermittelt worden seien, könne sie nicht beobachten, so Seekamp. Im April und Mai dieses Jahres seien zum Beispiel 25 Katzen vermittelt worden, im Vorjahr waren es im Vergleichszeitraum 24. Weniger aufgefundene Tiere gebe es leider aber auch nicht, „obwohl die Leute mehr Zeit haben“. Die Zahl liege 2019 und 2020 etwa gleich hoch (bis zum 31. Mai insgesamt bei knapp 100). Die sich ähnelnden Vermittlungszahlen führe sie in erster Linie darauf zurück, dass es im Vorfeld eine intensive Beratung gebe. „Und manchmal müssen wir eben auch jemandem ausreden, sich überhaupt ein Tier anzuschaffen.“ Wer in absehbarer Zeit wieder für einen Großteil des Tages nicht zu Hause sei, der sei nicht dazu geeignet, sich einen Hund ins Haus zu holen.

Bei einer Katze sehe das unter Umständen schon anders aus. „Bei uns gibt es im Moment eine große Kastrationsaktion.“ An die 50 wilde Katzen beherberge das Tierheim derzeit, zahme hingegen seien kaum vorhanden. Man müsse lediglich etwas zufüttern und ihnen, gerade im Winter, einen Unterschlupf geben. „Wer also einen großen Hof hat, darf sich gern mit uns in Verbindung setzen, für diese Tiere entfällt auch die sonst übliche Schutzgebühr von 120 Euro“, erklärt Seekamp. Gerade bei einer Mäuseplage sei eine wilde Katze ideal.

Auch Mäuse, die zur Vermittlung stehen, sind gerade im Tierheim zahlreich vorhanden. 17 Schwarz-Weiße und vier Weiße warten auf ein neues Zuhause. Wer sich eine Maus anschaffen möchte, muss beachten, dass sie nur zwei bis drei Jahre alt werden und es äußerst bewegungsfreudige Tiere sind, die viel Platz, mehrere Ebenen und diverse Kletter- und Spielmöglichkeiten benötigen.

Wer hingegen auf der Suche nach einem eher pflegeleichten Hund ist, und das sind in Verden zur Zeit sowohl Familien mit Kindern als auch Alleinstehende, wird aktuell leider nicht fündig: „Wir haben nur viele große Hunde da, die zum Teil sichergestellt worden sind und nur mit Auflagen vermittelt werden“, sagt Seekamp. Nicht ohne Grund verlange das niedersächsische Gesetz einen Sachkundenachweis, dessen Prüfung vor der Anschaffung eines Hundes absolviert werden müsse. „Insbesondere Hunde binden sich sehr eng an den Menschen. Wer sich also ein solches Tier zulegt, bindet sich selbst auf Jahre an das Tier", gibt Seekamp zu bedenken.

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