Matias de Oliveira Pinto präsentiert im Erbhof lateinamerikanische Musik mit außergewöhnlichen Klängen Töne wie von der Schmalspurbahn

Thedinghausen. In Schwarz und Weiß gekleidet – wie die Tasten des Klaviers – präsentierte sich Matias de Oliveira Pinto, der im voll besetzten Renaissance-Saal des fast 400 Jahren alten Erbhofes am Freitag südamerikanische Klassik aus den beiden letzten Jahrhunderten präsentierte. Bei der Auftaktveranstaltung des dreitägigen Musikfestivals im Landkreis Verden stand die Triosonate für Klavier des deutschstämmigen Komponisten Edino Krieger aus Brasilien im Mittelpunkt.
26.09.2016, 00:00
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Töne wie von der Schmalspurbahn
Von Jürgen Juschkat

Thedinghausen. In Schwarz und Weiß gekleidet – wie die Tasten des Klaviers – präsentierte sich Matias de Oliveira Pinto, der im voll besetzten Renaissance-Saal des fast 400 Jahren alten Erbhofes am Freitag südamerikanische Klassik aus den beiden letzten Jahrhunderten präsentierte. Bei der Auftaktveranstaltung des dreitägigen Musikfestivals im Landkreis Verden stand die Triosonate für Klavier des deutschstämmigen Komponisten Edino Krieger aus Brasilien im Mittelpunkt.

Initiatorin des Festivals ist Stefanie Mauer in Zusammenarbeit mit dem weltweit gefragten Cellisten Matias de Oliveira Pinto. „Ich bin begeistert, der Saal ist sogar überbucht. Mit dem Förderverein Erbhof haben wir einen kompetenten Veranstalter gefunden“, freute sie sich über die riesige Resonanz am Auftritt des Künstlers, der den Zuhörern die südamerikanische Musik näherbrachte. Äußerst zufrieden war sie auch mit der guten Ausrichtung des Musikfestivals. Henning Struckmann vom Förderverein hofft, dass die Reihe im nächsten Jahr fortgesetzt werden kann.

„Wir vermitteln einen kleinen Überblick, was es musikalisch in Südamerika gibt“, erklärte Matias de Oliveira Pinto, der zwar Klavier und Cello spielt, aber das Violoncello als seine Leidenschaft bezeichnet. „Vom Klang her“, begründet er diese kurz und bündig. Direkt von einer Tournee in Holland war er nach Thedinghausen gekommen, wo er zusammen Viviane Taliberti (Klavier) und Theodora Geraets (Vionline) das Programm „Noch Latinomaricana“ musikalisch präsentierte und zwischendurch mit fachkundigen Wort-Informationen garnierte. „Das Schönste kommt zum Schluss“, versprach er vor dem Konzert und meinte damit „Die Vier Jahreszeiten“ des Komponisten Astor Piazzolla.

Zu Beginn ging Henning Struckmann auf die Historie des fast 400 Jahre alten Herrensitzes ein, der durch den Bremer Erzbischof Johann Friedrich von Holstein-Gottorf für seine Geliebte Gertrud von Hermeling-Heimbruch in Thedinghausen erbaut wurde. Die Atmosphäre im Renaissancesaal war so beeindruckend wie die Musik. Die drei runden Deckenleuchter wurden gedimmt, zwei Strahler erhellten das Zentrum des Geschehens und setzten gleichzeitig die Fensternischen in ein weiches Licht. Hinzu kam eine außergewöhnliche Akustik. Den Auftakt bildete ein Werk von Heitor Villa-Lobos für Cello und Klavier. Die Brasilianerin Viviane Talibert und Matias de Oliveira Pinto sorgten mit ihren musikalischen Klängen bei den Zuhörern und Zuhörerinnen für Entspannung, einige von ihnen schlossen sogar die Augen, um sich völlig konzentriert in die Musikthemen zu versetzen. Beim vierten Teil von Villa-Lobos – „Trenzinho Caipira“ – wurden die Freunde lateinamerikanischer Musik auf eine Reise mit einer Lokomotive mitgenommen. Beeindruckend, wie der Komponist die Töne der Schmalspurbahn – wie sie heute noch zwischen alten südamerikanischen Orten verkehrt – vom Start bis zum Anhalten in sein Werk integriert hat. Zwischenzeitlich war jede Unebenheit auf den Schienen zu spüren. Der herzliche und lang anhaltende Applaus galt anschließend wohl nicht nur den Interpreten, sondern auch dem Brasilianer, der diese Klänge auf dem Notenpapier festgehalten hatte.

Aus zwei Sätzen bestand die Sonatine für Violine, Violoncello und Klavier – im Renaissance-Saal war es ein Flügel – von Edino Krieger, der für ausdrucksstarke Werke bekannt ist und seine „eigene Musik“ gefunden hat. Der Wechsel zwischen den Stilrichtungen und zwischendrin Töne von Flügel und Cello, die wie ein Zwiegespräch zwischen beiden Instrumenten wirkten, zogen die Musikfreunde in den Bann. Neben Viviane Taliberti und Matias de Oliveira Pinto war Theordora Gereats (Violine) zu hören. Sie ist Preisträgerin renommierter Wettbewerbe und wie ihre beiden Musikpartner Professorin. Und zwar für Violine an der Universität der Künste in Den Haag.

Zum Abschluss des 45-minütigen ersten Teils von „Noche Latinoamericana“ waren fünf brasilianische Miniaturen zu hören, die Edmundo Villani Cortes komponiert hat. Ruhig und besinnlich der langsame Tanz und ein Schlaflied, dann wieder aufbrausende Sequenzen bei einem weiteren Tanz. Klangvoll die Namen der kleinen Stücke: Prelúdio, Toada, Chorinho, Cantiga de Ninar und Balão. Als nach der Pause schließlich „Die Vier Jahreszeiten“ von Astor Piazziolla an den Zuhörern vorbeizogen, da waren sich wohl alle einig, dass sie an diesem Tag ein intensives und außergewöhnliches Musikerlebnis präsentiert bekommen hatten, das an den beiden nächsten Tagen eine Fortsetzung erfahren sollte.

„Ich bin begeistert, der Saal ist sogar überbucht.“ Initiatorin Stefanie Mauer
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