Tourismusboom Aufschwung bei den Übernachtungen

Laut Statistik der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gab es in der ersten Jahreshälfte im Landkreis Verden rund 85 Prozent mehr Übernachtungen als noch im ersten Halbjahr 2021. Hoteliers berichten.
04.10.2022, 15:18
Lesedauer: 3 Min
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Von Andrea Kreutzer

Tourismusboom im Landkreis Verden: Laut Statistik der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gab es in der ersten Jahreshälfte um 85 Prozent mehr Übernachtungen im Landkreis Verden als noch im ersten Halbjahr des Vorjahres, und das sowohl bei Gästen aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Inwieweit das in den einzelnen Hotels auch tatsächlich zu spüren ist, berichten Hoteliers aus dem Verdener und Achimer Raum.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Gaststätten und die Hotelbranche waren teils massiv. Doch 2022, nach dem Wegfall der Pandemie-bedingten Beschränkungen und ohne vorübergehende Beherbergungsverbote, kann man im Hotel Pfeffermühle in Dörverden auf einen „extrem guten Sommer“ zurückblicken, wie Chefin Simone Sebastian konstatiert. Besonders Radwanderer seien in großer Zahl bei ihnen abgestiegen. „Wir profitieren da vom nahe gelegenen Wolfcenter. Von den Radtouristen einmal abgesehen, war die Auslastung ebenfalls sehr gut." Lediglich Gäste, die sonst wegen der verschiedenen Pferdeveranstaltungen in Verden kamen, seien in diesem Jahr kaum da gewesen. 

Unterstützung aus der Ukraine

Anders als in anderen Betrieben könne man sich nicht über Personalmangel beklagen: „Wir haben alle Mitarbeiter während der gesamten Pandemie hindurch bezahlt, nicht einer war in Kurzarbeit“, erklärt Sebastian. Dementsprechend stünden nun auch genügend Arbeitskräfte zur Verfügung. Als im Frühsommer absehbar war, dass aufgrund des leer gefegten Arbeitsmarktes Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben würden, habe sie zwei Frauen aus der Ukraine eingestellt. 

Ausschlaggebend für die Zahl der Gäste sei die Anzahl der Reisebusse, berichtet Nadine Stoick, Mitarbeiterin an der Rezeption im Landhotel Zur Linde an der Thedinghauser Straße in Verden. „Derzeit können wir uns nicht beklagen.“ Lediglich beim Personal würde man sich in allen Bereichen über Zuwachs freuen, in der Küche und im Service ebenso wie bei den Zimmermädchen.

2022 war laut Mitarbeiterin Anke Marach bislang ein sehr gutes Jahr für das Appartment Hotel Verden, das über 32 Betten verfügt. „Wir sind oft ausgebucht. Es war und ist immer viel los.“ Das sei, nach einem für die Hotelbranche „furchtbaren Jahr 2020“, gefolgt von einem ebenfalls nicht guten Jahr 2021, auch absolut nötig, betont Marach. Zu den häufigsten Gästen zählten zum einen die Radtouristen, zum anderen aber auch Monteure und, „schließlich ist Verden Reiterstadt – Züchter oder auch Journalisten, die wegen einer Pferdeveranstaltung kommen“.

Viele Radreisende unterwegs

Von radelnden Gästen weiß man auch in Gieschens Hotel in Achim (66 Betten) zu berichten. Geschäftsführerin Larissa Buschmann spricht in diesem Zusammenhang von einem deutlichen Anstieg: „Im Familienverbund oder in kleinen Gruppen per Rad zu reisen, war ja stets Coronona-konform, das haben viele als Alternative zu einer Flugreise für sich entdeckt.“ Der größte Teil ihrer Gäste, etwa 90 Prozent, sei allerdings geschäftlich unterwegs. Da zahle sich für sie die Nähe zu Bremen und die gute Verkehrsanbindung aus.

Dass sich in Pandemiezeiten viele Menschen ein E-Bike zugelegt oder in ein neues Fahrrad investiert haben, das hat man auch im Landhaus Wesermarsch in Achim gemerkt. Inhaberin Gesa Eggers spricht von einer „tollen Hauptsaison, die jetzt wetterbedingt leider zu Ende geht“. Um die 45 Betten habe sie zu vergeben, von denen viele am Abend dann auch tatsächlich belegt gewesen seien. „Auffällig ist jedoch, dass eine große Vorsicht herrscht, was langfristige Buchungen angeht – etwa 90 Prozent der Buchungen erfolgen äußerst kurzfristig.“ Es sei mehrfach vorgekommen, dass morgens nur zwei Zimmer reserviert gewesen seien und die Zahl bis abends auf 25 angestiegen sei. 

Zwischenstation für Skandinavier

21 Betten hat das Hotel im Forth in Oyten, die in der Regel zu 70 bis 80 Prozent von Monteuren und Vertretern genutzt werden. „Wir waren gut ausgelastet“, meint Inhaberin Helmi Grashoff. An Wochenenden seien vielfach Skandinavier bei ihnen abgestiegen, die auf dem Hin- oder Rückweg nach oder von Frankreich gewesen seien. „Es war ein toller Sommer für uns“, fasst die Hotelbesitzerin zusammen.

Hinsichtlich der Tourismuslage könne sich kaum jemand beschweren, kann Gördt Glander vom Dehoga-Kreisverband Verden einen Überblick über die Situation im Landkreis geben. Was jedoch nicht vergessen werden dürfe, sei die äußerst angespannte Lage im Energiebereich: „Der Markt wird reguliert von der Angst davor, welche Auswirkungen der Ukraine-Krieg auf uns in den kommenden Monaten noch haben wird.“ Diese Angst sei branchenübergreifend zu spüren, jeder, auch Privatpersonen und Kommunen, sehe noch unkalkulierbare Kosten auf sich zukommen. Als Gastronom und Hotelier die Preise erhöhen zu müssen, ohne dem Gast dafür entsprechend mehr Leistung zu bieten, widerstrebe allen enorm, sei aber unumgänglich, um überleben zu können. „Nicht jeder wird dieser zusätzlichen Belastung standhalten können“, lautet das Fazit des Hoteliers.

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