Sonnabend Mahnwache für Biniam Hailu Werku

Trauer um verstorbenen Flüchtling

Im Gemeindehaus Westen sitzt eine Gruppe um einen Tisch und blickt auf das gerahmte Bild von Biniam Hailu Werku. Ein junger Mann mit schwarzen gelockten Haaren reibt sich die Augen, stützt dann seine Stirn auf die Handballen.
18.04.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Trauer um verstorbenen Flüchtling
Von Anna Zacharias
Trauer um verstorbenen Flüchtling

Trauer um Biniam Hailu Werku: Im Gemeindehaus Westen erinnern sich Christine von der Ahé, Anne Leonhardt, Solomon Haile Silassie und Frank Domnik an den eritreischen Flüchtling (von links).

Björn Hake

Im Gemeindehaus Westen sitzt eine Gruppe um einen Tisch und blickt auf das gerahmte Bild von Biniam Hailu Werku. Ein junger Mann mit schwarzen gelockten Haaren reibt sich die Augen, stützt dann seine Stirn auf die Handballen. Ob Freunde, Nachbarn oder Vereinskollegen, alle sind fassungslos über den Tod des 24-jährigen Flüchtlings aus Eritrea.

Nach einer körperlichen Auseinandersetzung in der Verdener Disko De la Sol war er am Mittwoch in einer Bremer Klinik gestorben. Der Tathergang ist noch unklar, die Verdener Staatsanwaltschaft ermittelt. Vier zunächst festgenommene Tatverdächtige befinden sich wieder auf freiem Fuß.

„Ich kenne ihn seit August 2014“, erzählt sein Zimmernachbar in der Unterkunft in Westen. Seinen Namen möchte er nicht nennen, die Angst und Verunsicherung in der Gruppe ist groß. Damit der junge Mann von seinem Freund Biniam erzählen kann, braucht es gleich zwei Übersetzer, denn in Eritrea gibt es offiziell neun verschiedene Sprachen. Er erzählt also, dass Biniam ein fröhlicher Mensch war, der in der Wohnung den Haushalt schmiss, viel lachte und alle mit seinen Witzen aufheiterte. „Wir werden ihn vermissen“, sagt er, ein Freund übersetzt das Gesagte ins Tigrinya, was wiederum der in Verden wohnende Solomon Haile Silassie aus Äthiopien versteht, der sich schon öfter für die Gruppe als Dolmetscher zur Verfügung gestellt hat und auch den Verstorbenen kannte.

Der Zimmernachbar kam gemeinsam mit dem 24-jährigen Biniam aus dem Auffanglager Friedland nach Dörverden-Westen, sie lernten sich auf der Fahrt kennen. Nachdem sie in einem Wohnhaus in dem Dorf untergebracht worden waren, nahmen Nachbarn den Kontakt auf und hießen die Gruppe willkommen.

Unter ihnen war auch Bärbel Bösche. Sie holt einmal tief Luft, bevor sie erzählt, welche Erinnerungen sie mit dem Verstorbenen verbindet. „Als ich Geburtstag hatte im Oktober, hat mir Biniam ein eritreisches Menu gekocht“, erzählt sie. „Er war im Fußballverein aktiv, im Volleyballverein in Dörverden, er hat gern Billard gespielt und war jedem gegenüber offen und kontaktfreudig“, sagt sie. Als die Caritas nach ehrenamtlichen Helfern suchte, die sich unter anderem um die 18 Flüchtlinge in Westen kümmern sollten, meldete sie sich. „Wir haben einfach geklingelt und Hallo gesagt. Wir wurden von allen herzlich empfangen. Wir sind sehr gute Freunde geworden“, sagt sie.

Beim TSV Jahn Westen hatte Biniam mit einigen anderen aus der Gruppe seit September vergangenen Jahres Fußball gespielt. Spartenleiter Frank Domnik wunderte sich, als am vergangenen Sonntag zunächst niemand von den Eritreern zum Heimspiel erschien. Als die Mannschaft erfuhr, was passiert war, seien alle tief betroffen gewesen. Einige hätten ihn noch im Krankenhaus in Bremen besucht, er sei aber nicht mehr bei Bewusstsein gewesen. „Ich habe ihn als einen sehr lockeren Menschen erlebt, der immer viel Spaß am Training hatte“, sagt Domnik.

„Alles okay, keine Probleme“, sei einer seiner Lieblingssätze gewesen, sagt Bösche. Er habe im Verhältnis zu anderen bereits sehr gut Deutsch gesprochen. Christine von der Ahé gehört zu der Gruppe von Nachbarn, die durch Einrichtungen wie das Café der Kulturen Kontakt zu den Flüchtlingen haben. Sie erinnert sich daran, wie Biniam einer über 80-jährigen Nachbarin bei der Gartenarbeit half. „Er kam zufällig vorbei und machte die Arbeit einfach für sie zu Ende sagt von der Ahé.

Am heutigen Sonnabend soll um 20 Uhr eine Mahnwache für Biniam am Amtshaus in Westen stattfinden, wie Eltje Buch, Leiterin des Mehrgenerationenhauses, mitteilt. Sie und andere Einwohner der Ortschaft wollen nun Spenden dafür sammeln, dass der Leichnam des Verstorbenen zu seiner Familie nach Eritrea überführt werden kann. Die Caritas hat ein Spendenkonto eingerichtet. „Die Kosten für die Überführung werden sich auf 3000 bis 5000 Euro belaufen“, sagt Übersetzer Solomon Haile Silassie.

Auch an der Diskothek De la Sol in Verden soll am Sonntagabend um 18 Uhr ein Treffen stattfinden, bei dem die Teilnehmer Anteil am Tod von Biniam Hailu Werku nehmen wollen.

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