Tag des offenen Denkmals im Alten Schulhaus Dauelsen / Objekte im Landkreis zu besichtigen Trauungen und Miete bringen Geld

Landkreis Verden. Kurz nach Mittag sitzt nur eine Frau am Kaffeetisch im Alten Schulhaus Dauelsen und isst ein Stückchen Kuchen – natürlich gebacken nach einem Rezept des hauseigenen Backbuchs. Aber insgesamt war Karin Hanschmann, Vorsitzende des Trägervereins, mit dem Besuch zum Tag des offenen Denkmals durchaus zufrieden.
12.09.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Andreas Becker und Gisela Enders

Landkreis Verden. Kurz nach Mittag sitzt nur eine Frau am Kaffeetisch im Alten Schulhaus Dauelsen und isst ein Stückchen Kuchen – natürlich gebacken nach einem Rezept des hauseigenen Backbuchs. Aber insgesamt war Karin Hanschmann, Vorsitzende des Trägervereins, mit dem Besuch zum Tag des offenen Denkmals durchaus zufrieden. „Wir sind zum ersten Mal dabei, und es war ein ständiges Kommen und Gehen“, erzählt sie.

Das Alte Schulhaus habe ein besonderes Konzept und den Spagat gut hinbekommen zwischen einer guten Nutzbarkeit, auch für Vereine und Gruppen aus dem Stadtteil, sowie einer Sanierung, die sich am historischen Original orientiert. „Das haben wir ganz gut hinbekommen“, sagt Karin Hanschmann. Unterhalten werden Bauwerk und Betrieb vom Verein Altes Schulhaus Dauelsen, der das Ortschaftsbüro an die Stadt Verden vermietet. „Diese Einnahme ist eine gute Basis“, sagt Karin Hanschmann. Zweites Standbein seien die Trauungen. Zehn Paare hätten sich in diesem Jahr schon im Alten Schulhaus getraut, jedes Mal flossen 150 Euro in die Vereinskasse. Dazu kommen wechselnde Ausstellungen und sonstige Kulturveranstaltungen, die ein paar Euro bringen.

Das Alte Schulhaus wurde in Fachwerkbauweise errichtet und sollte im Jahre 1823 das Schulhaus ersetzen, in dem bereits seit 1663 der Unterricht abgehalten wurde, außer einem Unterrichtsraum befand sich auch die Wohnung des Lehrers in dem Gebäude. Da der Platz bereits 1895 nicht mehr ausreichte, wurde daneben ein weiterer Schulbau errichtet, der allerdings im Zuge der jüngsten Sanierung abgerissen wurde. Der alte Schulbau stand nach dem Auszug des letzten Mieters lange leer und verfiel. Eine Bürgerinitiative setzte sich schließlich zum Ziel, das Gebäude zu retten. 2008 wurde der gemeinnützige Trägerverein gegründet. Nach der Sanierung wurde der ehemalige Schulbau 2014 seiner heutigen Nutzung übergeben. Das Objekt befindet sich im Eigentum der Stadt Verden und wurde dem Verein für 30 Jahre zur Nutzung überlassen.

In der Stadt Achim konnten unter anderem die Zellen der 2012 geschlossenen Justizvollzugsanstalt besichtigt werden, Gruselfaktor inklusive. Ein Etagenbett mit kratziger Wolldecke, Waschbecken, Kloschüssel, Tisch und Stuhl. Und natürlich ein Gitter vor dem schmalen Fenster. Mehr hatten die Zellen nicht zu bieten. Trotz Ermangelung jeglichen Komforts zog so mancher Ganove die kahlen Räume einer womöglich noch schlechteren Unterkunft vor. Es habe immer wieder Männer gegeben, die sich vorsätzlich strafbar machten, um zumindest den Winter in geheizten Räumen verbringen zu können, erklärte Gästeführerin Elke Gerbers.

Mehr als 100 Achimer hatten sich am Tag des offenen Denkmals in dem markanten Backsteingebäude versammelt, um einen Eindruck vom Alltag hinter Gittern zu erhaschen. Einzig der Gefängnisgarten, hinter hohen Mauern versteckt, brachte ein wenig Farbe in das Einheitsgrau. Besichtigt werden konnte lediglich eine der insgesamt 15 Zellen, in denen einst 31 Gefangene ihre Strafen verbüßten. Der triste Raum war zu diesem Zweck mit der Original-Einrichtung bestückt worden. Normalerweise diene das Gefängnis als Aktenlager und sei für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, war von Seiten der Justiz zu hören. Kleinkriminelle, vielfach Freigänger, seien zuletzt in den 15 Zellen untergebracht gewesen, informierte Jörn Sasse, Geschäftsleiter des Achimer Amtsgerichtes abschließend. Mittlerweile sitze diese Klientel in Bremervörde ein.

„Eine offizielle Gerichtsbarkeit gibt es bei uns seit 1450“, blickte Elke Gerbers in das Geschichtsbuch der Weserstadt. Zuvor hätten die Bürger selbst Jagd auf Diebe und Banditen gemacht und auch deren Bewachung übernommen. Im Keller des Hauses Unterstraße 10 habe man zum Beispiel eiserne Ringe gefunden, an die Missetäter früherer Zeiten gefesselt worden waren. „Mord und Totschlag wurden mit dem Schwert geahndet, Diebe und Betrüger endeten am Galgen“. Schon damals sei es von Vorteil gewesen, begütert zu sein“, fuhr Elke Gerbers fort und schmunzelte dabei. So mancher Bösewicht habe sich, Überlieferungen zufolge, mit der Justiz geeinigt und sei nach Zahlung einer bestimmten Summe in die Freiheit entlassen worden. Wem das nicht gelang, dem standen – je nach Schwere des Delikts – schlimme Zeiten bevor. „Und wer nicht gestehen wollte, wurde gefoltert“. Das geschah nicht selten in den Räumen des 1789 gebauten Pforthauses, das dem Pförtner des Amtshauses als Unterkunft diente. Mit dem Einsatz von Daumenschrauben, sogenannten Spanischen Stiefeln und auch Marterbänken wurde die Wahrheit ans Tageslicht geholt und der jeweilige Ganove seiner verdienten Strafe zugeführt.

Mühlenführer Manfred Drees ist zufrieden. „Deutlich mehr Menschen als in den Vorjahren haben heute den Weg zu uns gefunden“, sagte er. Das liege zum einen am herrlichen Wetter, zum anderen wohl aber auch daran, dass sich die Windmühle am Rande der Achimer Marsch nach einer längeren Sanierungsphase endlich wieder in voller Pracht präsentiere. Gemeinsam mit Rudolf Huber, 2. Vorsitzender des Mühlenvereins, zählte er auf, was in der jüngeren Vergangenheit zum Wohle des Bauwerks geschehen war. „Zunächst hat der Baukörper, also die Fassade, eine deutlich dickere Reetdecke erhalten. Dann kamen Kopf und Flügel runter; sie wurden mit hohem Aufwand erneuert, konnten jedoch erst nach dem offiziellen Mühlentag am 16. Mai wieder installiert werden. Die Kosten in Höhe von etwa 160 000 Euro wurden zur Hälfte von der Stadt übernommen“, sagte Rudolf Huber. Nach außen nicht sichtbar, vollzogen sich auch im Inneren des Galerie-Holländers Veränderungen. So wurde etwa eine Fußbodenheizung eingebaut. Und eine veränderte Lichtanlage ermögliche es nun, einzelne Gewerke anzustrahlen und die Mühle noch attraktiver zu präsentieren.

„Wir sind fürs erste Mal zufrieden. Es war ein Kommen und Gehen.“ Karin Hanschmann
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