Madeleine Winter-Schulze Tue Gutes und rede nicht darüber

Madeleine Winter-Schulze lacht, wenn sie als „gute Fee des deutschen Reitsports“ bezeichnet wird. „Ich laufe doch nicht mit einem Zauberstab durch die Gegend“, so die 74-Jährige. Aber die Frau aus der Wedemark hat nun mal ein riesengroßes Herz.
01.02.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Jörn Dirk Zweibrock

Madeleine Winter-Schulze lacht, wenn sie als „gute Fee des deutschen Reitsports“ bezeichnet wird. „Ich laufe doch nicht mit einem Zauberstab durch die Gegend“, so die 74-Jährige. Aber die Frau aus der Wedemark hat nun mal ein riesengroßes Herz.

Madeleine Winter-Schulze lacht, wenn sie als „gute Fee des deutschen Reitsports“ bezeichnet wird. „Ich laufe doch nicht mit einem Zauberstab durch die Gegend“, winkt die 74-Jährige gleich ab. Okay, vielleicht hinkt der Vergleich etwas, aber die Frau aus der Wedemark (Mellendorf) hat nun mal ein riesengroßes Herz, sorgt auf ihre ganz eigene Art – heimlich, still und leise – dafür, dass doch so mancher Wunsch in Erfüllung geht.

Sie pflegt das, was der Hanseat gemeinhin wohl als Understatement bezeichnen würde. Die Mäzenin stattet seit Jahren die Top-Stars des internationalen Reitsports mit Pferden aus. „Ludger und Isabell sind wie eigene Kinder für mich“, beginnen ihre Augen zu leuchten, wenn sie von den großen Erfolgen des Springreiters Ludger Beerbaum und der Dressurreiterin Isabell Werth erzählt. Auch zu Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, selbst passionierte Reiterin (wir berichteten), pflegt die Frau aus der Wedemark intensiven Kontakt. Sie freue sich immer, wenn deren reitsportbegeisterte Töchter auf ihrem Hof vorbei schauen würden.

Verden, Amsterdam und wieder Verden – Madeleine Winter Schulzes Terminkalender ist an diesem Wochenende mehr als voll gewesen. Hat sie Donnerstag zum Auftakt noch bei der Verdinale, dem Nationalen Hallenreitturnier in der Verdener Niedersachsenhalle, vorbeigeschaut, ging es für sie tags darauf nach Amsterdam. „Ich wollte Isabell doch beim Weltcup die Daumen drücken.“ Und das ist Madeleine Winter-Schulze mehr als gelungen. Mit ihrer Stute Weihegold, die sich im Besitz der Familie Arns-Krogmann aus Lohne befindet, hat Isabell Werth schließlich in den Niederlanden gesiegt.

Von Amsterdam ging es für die Mellendorferin sofort wieder zurück in die Reiterstadt Verden, schließlich wollte sie es sich nicht nehmen lassen, bei der „Grand Prix Kür“in der Niedersachsenhalle dabei zu sein. Wo sie erneut den „Holger-Schmezer-Gedächtnispreis“ verliehen hat, wie bereits im vergangenen Jahr gemeinsam mit Schirmherrin Ursula von der Leyen. Der Preis gilt als Hommage an den verstorbenen Cheftrainer der deutschen Dressurreiter.

Madeleine Winter-Schulze ist eigentlich eine echte Berliner Pflanze. Ihr Vater Eduard Winter habe sie schon als junges Mädchen mit dem Pferdevirus infiziert, erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Die 74-Jährige ist stolz darauf, dass die in der Hauptstadt sitzende Eduard-Winter-Kinderstiftung nach ihrem Vater benannt wurde. „Mit neun Jahren habe ich zum ersten Mal auf Vaters Pferd gesessen. Ein großer Brauner. Alfredos hieß er“, erinnert sich die heute wohl bekannteste Förderin des deutschen Reitsports gern an unbeschwerte Kindertage im Berliner Grunewald zurück. Und ergänzt: „1954 habe ich mein erstes Turnier in Berlin gewonnen, fünf Jahre später dann die erste Deutsche Meisterschaft mit Pferdewechsel.“ Axel Springer sei einer der ersten Gratulanten gewesen, habe „viele liebe Worte“ für sie gefunden. Mit gerade einmal 18 Jahren sei ihr nämlich ein schwerer Schicksalsschlag widerfahren – sie musste den Tod des geliebten Vaters verkraften. Weil Eduard Winter damals für einen bekannten Erfrischungsgetränke-Hersteller tätig war, trug ihre braune Stute, mit der sie die DM gewonnen hatte, auch den bezeichnenden Namen „Coca Cola“. Und weil der Apfel bekanntlich nicht weit vom Stamm fällt, ist auch Madeleine Winter-Schulzes Schwester Marion geritten, hat sich dem Trabrennsport verschrieben.

Mit ihrem Ehemann, dem Berufsreiter Dietrich Schulze, hat es die dreimalige Deutsche Meisterin (1959 im Dressur- sowie 1969 und 1975 im Springreiten) Ende der 1970er-Jahre in die Wedemark verschlagen. Vor den Toren Hannovers hat das Paar damals den Hof des verstorbenen Springreiters Hartwig Steenken übernommen. „Dort lebe ich auch heute noch.“ Bevor sie ihre aktive Zeit beendet habe, sei sie 1991 noch einmal in Verden geritten, erzählt die Mäzenin.

Die Stadt, in der ihr vor über zehn Jahren auch das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. Aus den Händen von Ursula von der Leyen. Für ihre langjährige Förderung des Pferdesports. Was natürlich die besondere Bindung von Madeleine Winter-Schulze zur Reiterstadt erklärt. „Verden ist die Hochburg des Pferdesports. Ich komme sehr gerne hierher. Das Praktische ist, dass ich aus der Wedemark immer sehr schnell da bin, wenn ich mir ein Pferd angucken möchte.“ Die erfolgreiche Züchterin („Meine fünf Hengstfohlen sind den Winter über bei Ludger, kommen im Sommer wieder zu mir in die Wedemark“) ist in Verden immer ein gern gesehener Gast.

Nach dem Tod ihres Mannes sei es Ludger Beerbaum gewesen, der sie dazu ermutigt habe, weiter zu machen. Heute ist Madeleine Winter-Schulze froh, dass sie damals die Zügel nicht aus der Hand gegeben hat, weiterhin erfolgreiche Spring- und Dressurpferde züchtet. „Ich habe so ein tolles Team um mich herum. Mein Bereiter Pawel Jurkowski arbeitet beispielsweise schon seit 24 Jahren für mich“, erzählt die Pferdenärrin. Sie ist Besitzerin mehrerer international bekannter Spitzenpferde. Stichwort Pferdekauf – wie läuft so etwas eigentlich ab? „Alles nur in enger Absprache mit Isabell, Ludger und meinen Bereitern.“ Und weil Madeleine Winter-Schulze eine richtige Dame ist, spricht sie natürlich nicht über Geld. Nur soviel: „Ich freue mich natürlich immer, wenn eines meiner Pferde gewinnt.“

Sie sei unglaublich glücklich darüber, dass Ludger Beerbaum und Isabell Werth sie in den Kreis ihrer Lieben aufgenommen hätten, freut sich Madeleine Winter-Schulze über diesen Familienanschluss. Auf seiner Internetpräsenz beschreibt der erfolgreiche Springreiter die Mäzenin als „gute Seele der deutschen Reiterei“, ohne deren Unterstützung seine Karriere niemals so stattgefunden hätte. „Wenn man anderen eine Freude macht, kommt sie auch wieder ins eigene Herz zurück“, ist die Mäzenin überzeugt.

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