Ottfred Teske hat wahre Begebenheiten in plattdeutscher Sprache aufgeschrieben / Zweite Auflage „Twee Farken“ im Kofferraum

Plattdeutsch ist zwar noch eine lebendige Sprache, aber bedroht, weil sie selten an die nächste Generation weitergegeben wird. Einer, der das bedauert, ist Ottfred Teske aus Hohenaverbergen. Nicht zuletzt deswegen hat er Geschichten auf Plattdütsch niedergeschrieben.
13.04.2013, 05:00
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„Twee Farken“ im Kofferraum
Von Anke Landwehr

Plattdeutsch ist zwar noch eine lebendige Sprache, aber bedroht, weil sie selten an die nächste Generation weitergegeben wird. Einer, der das bedauert, ist Ottfred Teske aus Hohenaverbergen. Nicht zuletzt deswegen hat er Geschichten auf Plattdütsch niedergeschrieben.

Kirchlinteln-Hohenaverbergen. Ottfred und Herma machen Picknick am Drakenburger Wehr. Es ist immer wieder schön, von hier auf die Weser zu gucken. Eine Wolldecke wird ausgebreitet, Herma – eine gebürtige Ostfriesin – packt Tee und Kuchen aus. Da kommen die Miegemicken. Vorbei ist’s mit der Gemütlichkeit.

Miegemicken? "Das sind Ameisen", erklärt Ottfred Teske. Und Herma ist seine Frau. Teske, der als Sohn eines Landwirts in Hohenaverbergen geboren wurde und sein Heimatdorf nie verlassen hat, liebt die plattdeutsche Sprache. Er möchte, dass sie nicht untergeht und hat deshalb plattdeutsche Kurzgeschichten geschrieben – alle nach wahren Begebenheiten, wie er versichert, und die meisten selbst erlebt.

Mitte vergangenen Jahres hat Teske ein Büchlein herausgegeben, die erste Auflage war rasch vergriffen. Jetzt sind nochmals 250 Exemplare gedruckt worden. Die Erzählungen führen in bunter Folge durch Teskes Leben. Es sind immer Augenblicke, die er in "Wat’n so beleven kann" einfängt.

Zuerst geht’s in "de Kinnertiet". Der Krieg ist gerade vorbei, der Stacheldraht zum Einzäunen von Weiden knapp. So laufen die Kühe frei in der Marsch vor Hohenaverbergen herum. Morgens schaut der Großvater nach ihnen, nachmittags werden die Jungs zum "Heuern" abkommandiert. Das ist eine feine Sache, sind sie doch vollkommen unbeobachtet. "An us Lagerfüür smöken wi Piepen un brorn Appels." Der Pfeifenkopf war eine ausgehöhlte Kastanie, der Pfeifenstiel ein Fliederbeerzweig, aus dem mit einem Draht das Mark herausgeprökelt wurde. Geraucht wurde "rooten Hinnerk" (eine Pflanze namens Ochsenzunge), Maishaar "un uk organiserten Tabak".

Oma will alles wissen

Teske erzählt auch, wie er bei einem Familienausflug nach Bad Zwischenahn auf einer Weide in Petersfehn Sauen der Rasse Deutsches Edelschwein entdeckt, mit dem Besitzer schnackt und schließlich "twee Farken" im Kofferraum mit nach Hause nimmt, um eine Zucht zu beginnen. Die Leser erfahren von Oma, die vor ihrer Haustür die Zeitung liest und sich von jedem, der vorbei kommt, Neues berichten lässt. Oder von den "Schandarms", die ihn auf der Heimfahrt von einem Tanzvergnügen verfolgen. Sie lassen ihn auf einem Strich laufen, mit dem Zeigefinger die eigene Nase treffen und wollen gar nicht glauben, dass er völlig nüchtern ist. Dass er exakt die Geschwindigkeiten eingehalten hat, kommt den Beamten sehr verdächtig vor.

Teske berichtet von seinen Reisen und Ausflügen, ganz viel aber über das Leben in Hohenaverbergen, wie es früher einmal war. Nachbarschaft wurde groß geschrieben, die Kinder wuchsen frei auf. Sie stromerten durch die Natur, ohne dass ihre Eltern sich deswegen Sorgen machten. So sind Teskes Erzählungen auch ein Stück Zeitgeschichte.

Sein Vater war Bauer, er selbst entschied sich für einen Bürojob. Der Hof war zu klein, als dass er davon eine Familie hätte ernähren können. Mit seinen Vertellers" möchte er dazu beitragen, dass Plattdeutsch nicht immer mehr mit hochdeutschen Wörtern vermengt wird – zum Beispiel mit "oft" statt "faken".

Teske hat seine Geschichten mit der Hand geschrieben, Sohn Claas (35) hat sie in den Computer getippt. Das war eine Heidenarbeit. Das Rechtschreibprogramm flippte bei jedem Wort aus, und Claas spricht nicht einmal platt. "Aber verstehen und lesen kann er es", berichtet sein stolzer Vater.

"Wat’n so beleven kann" ist nur bei Teske selbst zum Preis von 7,90 Euro erhältlich. Wer daran interessiert ist, wählt die Telefonnummer 04238/608.

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