Hans-Heinrich Sander zu Besuch bei der Kreisjägerschaft / Bedenken gegen hohe Zahl von Biogasanlagen Umweltminister schaut sich Biotope an

Meyer
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Von Hermann

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Kirchlinteln-Schafwinkel. Zwölf neue Feuchtbiotope sind seit der Gründung des Hegefonds im Jahre 2008 von der Jägerschaft des Landkreises Verden angelegt worden. Deren Vorsitzender Jürgen Luttmann stellte die Projekte jetzt dem niedersächsischen Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) vor. Als Vorsitzender des Bingo-Kuratoriums hatte dieser dafür gesorgt, dass die Maßnahmen mit bislang gut 26000 Euro aus der Bingo-Stiftung gefördert wurden.

Da freiwillige Leistungen vom Land gekürzt werden, sei die Bingo-Stiftung zur Finanzierung solcher Projekte sehr wichtig, erklärte Sander, der von Jürgen Luttmann als Vorsitzendem der Kreisjägerschaft begrüßt worden war. In enger Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises seien weitere Biotope geplant, informierte er seinen Gast. Die Jäger wollten die Lebensgrundlagen für gewässergebundene Tier- und Pflanzenarten verbessern und ungestörte Rückzugs- und Regenerationsräume schaffen. Finanziell unterstützt werden die Projekte außer von der Bingo-Stiftung vom Landkreis Verden, der Sparkassenstiftung, der Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften (GLL), den Jagdpächtern, dem Deichverband und der Kreisjägerschaft.

Das Kostenvolumen für die zwölf Anlagen bezifferte Luttmann auf gut 150000 Euro. Für weitere Biotope suchen die Jäger Flächen, die für Landwirte uninteressant sind. Luttmann lobte in seinem Vortrag auch die gute Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund (NABU), mit dem die Jäger seit 2008 auch gemeinsam Flächen aufgekauft hätten. Die Ufer der Biotope werden amphibiengerecht angelegt, und die Grundstückseigentümer verpflichten sich, die Biotope über einen Zeitraum von 30 Jahren zu erhalten. Wie so ein neu angelegtes Feuchtbiotop aussieht, davon konnte sich Sander persönlich überzeugen. In Groß Heins enthüllte der Minister zusammen mit dem Vorsitzenden der Kreisjägerschaft eine Projekttafel, auf der Informationen über das angrenzende neue Feuchtbiotop enthalten sind.

Der Artenschutz, wie er beim Erdgipfel 1992 in Rio de Janeiro festgeschrieben wurde, sei die Leitlinie der Jägerschaft, so Luttmann. 'Das ist unsere Überzeugung, und dafür arbeiten wir.' Aufgeschrieben wurde damals: 'Die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten wird von denen am besten erhalten, die aktiv und nachhaltig einiges davon nutzen.'

Zum neuen Biotop gehört auch ein sogenannter Kunstbau. Das ist ein künstlich errichteter kontrollierter Fuchsbau mit drei Ein- und Ausgängen. Anhand von Spuren (in der Jagdsprache 'Trittsiegel' genannt) kann ersehen werden, ob der Bau angenommen wird. Ist das der Fall, wird ein Teckel hineingeschickt, der den Fuchs den Jägern vor die Flinte treibt. Die Population habe sich in den vergangenen Jahren stark erhöht, berichtete Gerd Offer, Obmann der Jägerschaft für Naturschutzmaßnahmen. Darum seien auch viele Naturschutzverbände der Auffassung, dass der Fuchs nachhaltig bejagt werden müsse, um das Niederwild vor ihm zu schützen. Als Beutegreifer gehöre der Fuchs zu den Tieren, die beim Niederwild den größten Schaden anrichteten.

In der Diskussion um das Artensterben ging es auch um die intensiv bewirtschafteten Flächen, speziell Maisfelder. Ziel der Jäger sei im Zuge der hegerischen Bewirtschaftung die Schaffung von zusätzlichen Saumzonen in einer intensiv genutzten Kulturlandschaft, sagte Luttmann. Gerade Rebhühner und Fasane seien wichtige Bioindikatoren für die Lebensgemeinschaft der Feldflur, aus der die Nahrung bezogen werde. Durch Anlegung von Huder- und Blühstreifen als Abgrenzung zum Waldrand und zur Unterteilung von großen Schlägen sollten Möglichkeiten zur Wildschadenabwehr geschaffen werden. 'Wir müssen als Jäger mit den Landwirten sprechen', so Luttmann. Mehr als 50 angelegte Grünstreifen in 2008 und 60 in 2009, seien es in diesem Jahr schon 73. Sander: 'Diese kleinen Flächen machen die Landwirte nicht arm.'

Zum Thema Biogasanlagen forderte der Umweltminister ein weiteres Herunterfahren der Akzeptanz für Biogasanlagen: 'Bei den Zahlen, die 2011 noch geplant sind, kann einem Angst und Bange werden.' Im Landkreis Cloppenburg gebe es momentan 1500 Anlagen, sagte Sander und betonte, dass 'der Nawaro(nachwachsende Rohstoffe)-Bonus abgeschafft werden muss, sonst gibt es bald Probleme!' Es sei schließlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Natur erhalten zu wollen. Aber er könne auch jeden Landwirt verstehen, so der 65-jährige Sander.

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