Unbillig

Geh’ nicht zum Discounter, unterstütz’ lieber den Tante-Emma-Laden an der Ecke, hieß es früher. Fahr’ nicht zum Einkaufs-Tempel ins Gewerbegebiet, geh’ lieber zu Penny um die Ecke, sagt man heute in Verden.
18.05.2013, 05:00
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Unbillig
Von Anna Zacharias

Geh’ nicht zum Discounter, unterstütz’ lieber den Tante-Emma-Laden an der Ecke, hieß es früher. Fahr’ nicht zum Einkaufs-Tempel ins Gewerbegebiet, geh’ lieber zu Penny um die Ecke, sagt man heute in Verden.

Warum es für einige Anwohner einer kleinen Katastrophe gleichkommt, wenn ein Supermarkt in ihrer Nähe schließt, können andere vielleicht nicht nachvollziehen. Aber für eine alleinstehende Frau, die im Rollstuhl oder mit Rollator einkaufen gehen muss, macht die Entfernung zum nächsten Lebensmittelmarkt den Unterschied aus zwischen Selbstständigkeit und Hilflosigkeit.

Viele Anwohner im Verdener Maulhoop-Quartier fühlen sich von der Politik missachtet und schlecht informiert. Als sie davon erfahren, dass ihr Einkaufsladen im Herbst die Türen schließen wird, ist bei der Rewe-Unternehmensgruppe der Groschen längst gefallen: Mit ihrem Penny an der Mainstraße ist kein Umsatz mehr zu machen.

Die Politik will sich nun für die Nahversorgung der Anwohner engagieren. Aber dafür können sich die Betroffenen noch nichts kaufen. Bürgermeister Lutz Brockmann sagt zu Recht: Die Stadt kann keinen Supermarkt aufmachen. Bleibt zu erwähnen, dass der Stadtrat die Ansiedlung von Kaufland in Dauelsen nicht verhindert hat. Bereits damals gab es kritische Stimmen, die Konsequenzen für den Einzelhandel befürchteten. Dass Kaufland seit seiner Eröffnung 2010 Kunden nicht nur von Penny, sondern auch von den inzwischen geschlossenen Rewe- und Aldi-Märkten abgezogen hat, ist offensichtlich.

Den Kunden, den Politikern oder den Konzernen – wem auch immer die Schuld an diesem Strukturwandel zuzuschreiben sein mag – die Leidtragenden sind wie so oft die kleinen Leute.

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