Aufgetischt, Teil 10, Brasserie Horstmann

Und jeden Freitag lockt mittags der Backfisch

Eine Brasserie ist laut Duden eine Brauerei, ein Bierlokal. Im Französischen steht der Begriff für eine bestimmte Art Gaststätte, die einfacher ausgestattet ist als ein Restaurant. Insofern ist die Bezeichnung „Brasserie“ für die ehemalige Gaststätte Horstmann am Markplatz in Bruchhausen-Vilsen stimmig.
08.08.2015, 00:00
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Von Karin Neukirchen-Stratmann
Und jeden Freitag lockt mittags der Backfisch

In der Küche von Daniel Nita finden Zander und Pfanne zueinander.

Udo Meissner

Eine Brasserie ist laut Duden eine Brauerei, ein Bierlokal. Im Französischen steht der Begriff für eine bestimmte Art Gaststätte, die einfacher ausgestattet ist als ein Restaurant, aber mehr Speisen anbietet als ein Bistro. Insofern ist die Bezeichnung „Brasserie“ für die ehemalige Gaststätte Horstmann am Markplatz in Bruchhausen-Vilsen stimmig.

Claudia und Daniel Nita haben hier am 15. September 2013 die „Brasserie Horstmann“ eröffnet. Seither hat sich nicht nur das Ambiente in der alten Traditionsgaststätte verändert. Als einer der vier Betriebe, die an den Eckpunkten des Marktplatzes liegen, ist die Brasserie Horstmann nun neben dem Gasthaus Mügge, das insbesondere zu Veranstaltungen geöffnet hat, das einzige Gasthaus, das noch mit einem täglichen Speiseangebot aufwartet.

Der Gast betritt die Brasserie und steht sofort im großzügig bemessenen Schankraum mit seiner langen Theke. Gleich daneben liegt der Gastraum, der 40 Personen Platz bietet. Hier sieht man sofort, was sich auf der Speisekarte fortsetzt: Es geht ums Meer. Die Wände sind blau gestrichen, mit Fischernetzen, Leuchttürmen, Muscheln und großformatigen Strandfotos dekoriert. „Unsere Speisekarte ist typisch norddeutsch, natürlich mit maritimem Einschlag. Inspirationen aus aller Welt setzen kulinarische Akzente“, so beschreiben Claudia und Daniel Nita ihr Speisenangebot. Bevor das aus Rumänien stammende Ehepaar sich in Bruchhausen-Vilsen niederließ, waren die beiden Eheleute über viele Jahre in Martfeld aktiv. Dort arbeiteten sie zunächst angestellt, später als Betreiber in Stevens Bistro, einem Amerikanischen Diner ähnlich. Zumindest zwei Gerichte auf der Karte erinnern an diese Zeit, unter „Burger Deluxe“ gibt es einen Burger mit Rind und einen mit Fisch zur Auswahl. Wir entscheiden uns bei unserem Besuch zunächst für die Vorspeise „Rösti-Schiffchen mit Rauchlachs Tatar“ für 6,20 Euro. Dazu einen Riesling aus Rheinhessen (3,80 Euro). Die Rösti-Schiffchen sind schön knusprig, das Lachstatar ist fein abgestimmt mit Zitrone, das dazu gereichte Salatbouquet überzeugt mit frischen Zutaten und einer feinen Salatsoße.

Über die Geschichte des Hauses wissen die neuen Besitzer wenig, auch ein Blick ins Archiv der Samtgemeinde hilft kaum weiter. Immerhin: Es gibt zwei alte Karten des Markplatzes, von 1860 und 1884, auf denen die vier Gastwirtschaften an den Ecken, darunter auch Horstmann, eingezeichnet sind. „Otto Meyer, Amtshauptmann, der ab 1874 das Amt Bruchhausen leitete, und der am 1. April 1885 der erste Landrat des neu gebildeten Kreises Hoya wurde, hat den Marktplatz in seiner jetzigen Form begradigen lassen“, weiß Archiv-Mitarbeiterin Elisabeth Meyer. Hermann Hamann, Vorsitzender des Marktausschuss und Hobby-Historiker ergänzt: „Früher hatten alle Häuser rund um den Markt eine Ausschankgenehmigung. Zur Zeit des Marktes wurden die Stuben leergeräumt und es gab dann Bier aus der Flasche.“

Heute sind diese Zeiten lange vorbei, aber den Brokser Markt bekommen auch Nitas natürlich in vollen Zügen mit. „Wir servieren mittags immer ein leckeres Essen, vor allem für die Schausteller auch schon vor dem Markt“, erzählt Claudia Nita. Während des Marktes ist natürlich geöffnet, am Marktdienstag gibt es ein Frühstück. Zeit für uns, den Hauptgang zu bestellen. Wir wählen den gebratenen Weser-Zander auf Sahne-Lauch-Gemüse mit Schwenk-Kartoffeln (15,30 Euro) und den Fischteller Horstmann mit drei gebratenen Fisch-Filets vom Lachs, Zander und Rotbarsch, dazu Krabben und Sauce Hollandaise, mit Bratkartoffeln und Salatbeilage (16,90 Euro).

Der Fisch ist bei beiden Gerichten wunderbar auf den Punkt gegart, innen schön glasig, saftig und von außen kross gebraten. Die Soße zum Weser-Zander ist fein abgeschmeckt und mit dünnen Lauchstreifen versehen, die Sauce zum Fischteller wunderbar angereichert mit vielen Krabben. Fisch ist der Schwerpunkt auf der Karte der Brasserie, Daniel Nita kooperiert hier auch viel mit Sven Heldt-Witte von Mügges Gasthaus. Beide fahren zweimal die Woche nach Bremerhaven, um frischen Fisch zu kaufen, der bei Horstmann in der Pfanne, bei Mügge vor allem im kleinen Fischladen Kap Hoorn landet. Auch bei Veranstaltungen in beiden Gasthäusern kooperieren die Wirte, „und Sven hat uns bei der Aufstellung der Karte geholfen“, so Claudia Nita.

Jeden Freitag kann man in der Brasserie mittags Backfisch essen, und sonntags gibt es von 10 bis 11.30 Uhr ein Frühstück, wahlweise mit Fisch oder ohne. Übrigens: Auch Fleischliebhaber kommen in der Brasserie auf ihre Kosten, nicht nur mit einem Burger Deluxe, sondern auch mit Steaks oder etwa einem echten Wiener Schnitzel.

Öffnungszeiten und Adresse:

Brasserie Horstmann, Am Marktplatz 21, 27305 Bruchhausen-Vilsen. Geöffnet montags bis sonnabends von 17 bis 22 Uhr, mittwochs Ruhetag. Sonntags von 10 bis 21 Uhr. Telefon 04252/5019933.

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