Unfallstatistik 2019

Weniger Verkehrsunfälle, mehr Tote

Die Zahl der Verkehrsunfälle ist im vergangenen Jahr im Landkreis Verden leicht gesunken. Anders sieht das allerdings für die Zahl der im Verkehr getöteten Menschen aus.
05.04.2020, 16:39
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Von Antonia Blome
Weniger Verkehrsunfälle, mehr Tote

73 Prozent der Unfälle mit getöteten Personen ereigneten sich im Jahr 2019 außerhalb geschlossener Ortschaften.

FOCKE STRANGMANN

Im Land Niedersachsen stieg die Zahl der Verkehrsunfälle im Jahr 2019 um 2,8 Prozent. Diesem Trend stellt sich der Landkreis Verden jedoch entgegen: Im vergangenen Jahr ist die Gesamtunfallzahl in der Region nämlich leicht gesunken – von 4517 im Jahr 2018 auf 4512 im Jahr 2019. Das geht aus der aktuellen Verkehrsunfallstatistik der Polizeiinspektion Verden/Osterholz hervor, die die Polizei nun veröffentlicht hat. Gestiegen ist demnach im Landkreis Verden allerdings die Zahl der im Verkehr getöteten Menschen. 2018 starben neun Menschen im Straßenverkehr, im vergangenen Jahr waren es bereits 15.

„Die Ursachen für diese Tragödien sind individuell sehr unterschiedlich, allerdings kamen fünf Personen durch die Kollision mit einem Baum ums Leben“, berichtet Uwe Jordan, Leiter der Polizeiinspektion Verden/Osterholz. Hierbei handele es sich um den höchsten Wert im Zehnjahresvergleich. 73 Prozent der Unfälle mit getöteten Personen ereigneten sich laut Statistik außerhalb geschlossener Ortschaften.

Auch die Zahl der Schwerverletzten stieg im Jahr 2019 an. Auf den Straßen des Landkreises Verden wurden 93 Menschen schwer verletzt und damit zehn mehr als im Vorjahr. Während die Polizei in der Risikogruppe der jungen Fahranfänger (18-24 Jahre) im Jahr 2018 elf Schwerstverletzte verzeichnete, stieg die Zahl 2019 auf 22 an. Bei den Senioren (über 64 Jahre) wurde in dieser Kategorie ebenfalls ein Anstieg auf nunmehr 28 Schwerstverletzte registriert – 2018 waren es 19. „In Bezug auf die Unfälle mit schwer verletzten und getöteten Personen ergeben sich aus der Analyse der Unfallorte und -hergänge mehrere Ursachenzusammenhänge, sodass sich für den Landkreis oder die Polizei kaum präventive Handlungsschwerpunkte bilden“, heißt es in der Verkehrsunfallstatistik.

Generell sind die Ursachen für Unfälle vielfältig. Ein Fehlverhalten von Verkehrsteilnehmern könne sich durch Missachtung von Örtlichkeiten, Umgebung und geltenden Verkehrsregeln im Straßenverkehr äußern, teilt Uwe Jordan mit. Im vergangenen Jahr führte nicht angepasstes Fahrverhalten im Landkreis Verden zu 1374 Unfällen. Davon war in 1266 Fällen das Nichteinhalten des Sicherheitsabstandes und in 108 Fällen das Fahren mit zu hoher Geschwindigkeit die Unfallursache. „Die fast 79 989 festgestellten Verkehrsordnungswidrigkeiten belegen die Brisanz dieser Thematik, zumal es sich bei 75 Prozent dieser Verstöße um Geschwindigkeitsdelikte handelt“, erklärt Jordan.

Einen erheblichen Anstieg gab es 2019 auch bei den Wildunfällen. Die Polizei registrierte insgesamt 837 solcher Unfälle und somit 19,4 Prozent mehr als im Vorjahr. „Wildunfälle werden durch die Teilnehmer am Straßenverkehr nicht selbst verschuldet, sondern sind häufig kaum vermeidbar“, heißt es von der Polizei. Allerdings gelte: Je höher die Geschwindigkeit, desto schwerer die Folgen.

Auch die Ablenkung während des Fahrens bleibe laut Statistik weiterhin ein Handlungsschwerpunkt der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit. Ablenkend könnten sowohl das Bedienen eines Mobiltelefons als auch Alltagssituationen wie ein intensives Gespräch sein. „Wir sind davon überzeugt, dass jede und jeder Einzelne das persönliche Risiko durch aufmerksames Verhalten im Straßenverkehr verändern kann“, appelliert Jordan. Im Landkreis Verden stieg die Zahl der geahndeten „Handyverstöße“ von 2017 (845 Verstöße) bis 2019 (1208 Verstöße) stetig an.

Unfälle gab es im vergangenen Jahr allerdings nicht nur mit Autos. Insgesamt 222 Fahrräder und Pedelecs waren an den Unfällen des vergangenen Jahres beteiligt. Auffällig sei laut Polizei der hohe Anteil an Nutzern zweirädriger Fahrzeuge unter den getöteten und schwerverletzten Menschen: Bei 53 Prozent der bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommenen Verkehrsteilnehmer handelte es sich um Zweiradfahrer. Schwer verletzt wurden insgesamt 28 Zweiradfahrer. Dies entspricht einem Anteil von rund 30 Prozent.

Bei Unfällen mit getöteten oder verletzten Menschen gab es im Jahr 2018 neun Fälle, in denen Pedelecs beteiligt waren. Diese Zahl stieg im vergangenen Jahr auf 32. Dies lasse sich einerseits mit einer Verschiebung von den Fahrradfahrern zu den Pedelec-Nutzern erklären, andererseits aber auch mit den unerwarteten höheren Geschwindigkeiten. Und obwohl während der Fahrt mit einem Pedelec keine Helmpflicht besteht, rät die Polizei zu dieser Schutzmaßnahme. Schließlich seien Zweiradfahrer durch fehlende Sicherungsvorrichtungen wie Gurte oder Airbags wesentlich ungeschützter als Autofahrer.

Generell zeigt die polizeiliche Statistik auch, dass mitnichten alle Unfallverursacher auch ihr Fehlverhalten einsehen. Im Jahr 2019 stieg die Zahl der Unfallfluchten um 19 Fälle auf 928 an. Somit bleibe die Zahl von Unfallverursachern, die sich zunächst nicht zu erkennen geben oder die Unfallstelle ohne Angaben zu ihrer Person verlassen, auf einem hohen Niveau. Von den insgesamt 4512 registrierten Verkehrsunfällen flüchteten bei fast jedem fünften aller gemeldeten Unfälle im Landkreis Verden die Verursacher.

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