Tanzsport

Verden ist Deutscher Meister

Das Latein-Paar Julia Mindermann und Fabian Geukens hat sich in das Goldene Buch der Stadt Verden eingetragen. Abseits des Parketts studiert die Ottersbergerin auf Lehramt.
20.12.2018, 18:15
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Verden ist Deutscher Meister
Von Jörn Dirk Zweibrock
Verden ist Deutscher Meister

Feierlich: Im Beisein von Jutta Sodys (v.l.) und Lutz Brockmann tragen sich Fabian Geukens und Julia Mindermann in das Buch ein.

fotos: BjörnHake

Blättert Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD) im Goldenen Buch der Stadt Verden, fallen ihm sofort die Unterschriften von vielen Meistern ins Auge – von Bogenschützen, Springreitern und nun eben auch von den Siegern des Deutschland Cups. Die Ottersbergerin Julia Mindermann und ihr Bremer Tanzpartner Fabian Geukens (Team Ars Nova) haben sich jetzt in dem edlen Wälzer verewigt. Ihre Signaturen befinden sich in bester Gesellschaft, schließlich zieren viele „Autogramme“ von Bundes- und Länderministern, die Verden alljährlich zur Lätare-Spende beehren, die vorherigen Seiten. Bereits im November hat das Paar Mindermann/Geukens den begehrten Titel in Düsseldorf geholt, sich in der Rhein-Metropole als neue Deutsche Meister feiern lassen. Beim Team Ars Nova handelt es sich übrigens um eine Trainingskooperation der TSG Ars Nova Verden und des TTK Grün-Weiß Vegesack. Seit 2006 arbeiten die beiden Vereine zusammen. Trainiert wird abwechselnd in Verden und in Bremen, und zwar fünf Mal die Woche für mindestens drei Stunden.

Seit zweieinhalb Jahren tanzt die Ottersbergerin, die auf Lehramt studiert, nun schon mit Fabian Geukens, der im Einzelhandel tätig ist. „Wir haben uns gesucht und gefunden“, freute sich der Bremer. Klar, es müsse schon passen – sowohl größentechnisch als auch figurmäßig, betonte Trainerin und Ars Nova-Vorsitzende Imke Teuchert bei der feierlichen Zeremonie im Foyer des Verdener Rathauses. „Das ist wie in einer richtigen Beziehung“, warfen Mindermann und Geukens lachend ein. Frei oder nicht frei, eine oder keine Partnerschaft in Aussicht – herrscht eigentlich eine gewisse Sprunghaftigkeit auf dem Parkett? „Manche Tanzsportler wechseln häufig ihren Partner, andere verbringen wiederum ihre gesamte Tanzkarriere miteinander“, plauderte Teuchert aus dem Nähkästchen. Bei den Turnieren wie der Aller-Weser-Trophy (AWT) herrsche jedenfalls immer eine Riesenstimmung, fand Brockmann. Auf seine Frage, ob denn beim Tanzen noch immer Umgangsformen – Stichwort Knigge – vermittelt werden, entgegnete Organisatorin Iris Osterkamp schmunzelnd: „Wir müssen die Herren manchmal schon bremsen, wenn sie wieder einmal ohne ihre Partnerin auf die Tanzfläche gelaufen sind.“

Getanzt hat Jutta Sodys, Vorsitzende des Verdener Sportausschusses, nach eigenen Worten bislang immer nur mit ihren Mann. Genauso wie Lutz Brockmann und der Chef des Kreissportbundes Verdens, Gerhard Behling, war sie ganz angetan davon, wie rasch Mitglieder eines relativ jungen Vereins wie der TSG Ars Nova Verden bereits Deutsche Meister geworden sind. Die Liste der Erfolge von Julia Mindermann und Fabian Geukens, die alle feinsäuberlich in der vereinseigenen Hall of Fame (Ruhmeshalle) gelistet sind, ist jedenfalls lang: Die beiden waren in ihrer Latein-Klasse sowohl norddeutsche als auch niedersächsische Meister. Auch die Ars Nova-Trainer haben alle selbst hochklassig getanzt (B-Klasse bis S-Klasse) oder tun dies aktuell immer noch.

„Wir hatten uns zwar im Vorfeld gut für Düsseldorf vorbereitet, aber dennoch war der Sieg beim Deutschland Cup eine Überraschung für uns“, verrieten die Ottersbergerin und der Bremer bei der kleinen Feierstunde im historischen Verdener Rathaus. Zum Meistertitel haben das Paar sicherlich auch ihre vielen Unterstützer getragen. „Julia und Fabian hatten eine richtige Fan-Ecke in Düsseldorf, die sie immer wieder begeistert angefeuert hat“, erzählte ihre Trainerin. Vor den Augen des Publikums haben sie beim Deutschland Cup das klassische Latein-Programm absolviert, sprich eine Samba, einen Cha-Cha-Cha, eine Rumba, einen Paso Doble und einen Jive in der höchsten deutschen Startklasse, der Hauptgruppe II S-Klasse Latein, getanzt.

Was zeichnet die beiden eigentlich als Paar aus? „Sie sind ein gut aufeinander eingespieltes Team und nehmen gegenseitig Rücksicht aufeinander. Bei anderen Paarungen dominiert oftmals der Mann. Julia und Fabian verstehen sich hingegen als gleichberechtigtes Paar. Er zeichnet sich durch seine Athletik und Spritzigkeit aus, sie durch ihre weiblichen Bewegungen“, schwärmte Imke Teuchert von „ihren“ Deutschen Meistern, die erst kürzlich in die Sonderklasse aufgestiegen sind. Während Julia Mindermanns Stärke in der Rumba liege, zeichne sich Fabian Geukens vor allen Dingen durch seinen Paso, also den Paso Doble, aus.

Neben dem Tanzsport hält sich der Deutsche Meister übrigens auch noch mit ein wenig Kraftsport fit. „Sie machen doch gar keine Hebefiguren, dann brauchen Sie doch gar keinen Kraftsport“, scherzte die Vorsitzende des Sportausschusses. Leider genieße das Tanzen bei den Herren der Schöpfung im Allgemeinen immer noch einen etwas „uncoolen“ Ruf, bedauerte Imke Teuchert. Außer bei Fabian Geukens, der vor seiner Tanzkarriere aktiv Fußball gespielt habe.

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