Amtseinführung Erste Frau an der Spitze der Polizeiinspektion

Zwölf Jahre lang war Uwe Jordan Leiter der Polizeiinspektion Verden/Osterholz. Nun bekleidet zum ersten Mal eine Frau das Amt: Die 40-jährige Antje Schlichtmann wurde jüngst als Polizeichefin eingeführt.
22.10.2021, 12:10
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Erste Frau an der Spitze der Polizeiinspektion
Von Antonia Blome

Als einen "historischen Moment" hat Polizeioberrat Ingo Jans die Amtseinführung von Antje Schlichtmann im Kreistagssaal bezeichnet. Die 40-Jährige bekleidet ab sofort als erste Frau das Amt der Leiterin der Polizeiinspektion Verden/Osterholz. Im Zuge ihrer offiziellen Begrüßung wurde auch ihr langjähriger Vorgänger Uwe Jordan verabschiedet. Eine Feier war im April des vergangenen Jahres, als der 63-Jährige in den Ruhestand ging, aufgrund der Pandemie nicht möglich gewesen und wurde nun nachgeholt.

"Er hat mich wachsen und erwachsen werden lassen", sagte Schlichtmann bei der Veranstaltung über den ehemaligen Kriminaldirektor. "Für mich war er Kollege, Mentor, Förderer und enger Vertrauter." Fünf Jahre lang leitete Schlichtmann das Polizeikommissariat Osterholz, die vergangenen eineinhalb Jahre war die Mutter zweier Söhne in Elternzeit. Nachdem sich Uwe Jordan im Jahr 2020 in den Ruhestand verabschiedet hatte, besetzte Ingo Jans die Stelle des Polizeichefs neun Monate lang kommissarisch. "Er hat die Lücke mehr als nur ausgefüllt, er hat das toll gemacht und sich verantwortungsvoll engagiert", lobte Polizeipräsident Johann Kühme. 

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Nun ist Antje Schlichtmann für über 450 Mitarbeiter sowie für die Sicherheit von mehr als 246.000 Menschen verantwortlich. Als "bestens geeignet und prädestiniert für diese Aufgabe" bezeichnete Kühme die 40-Jährige. Schlichtmann ist bereits seit 2012 fester Bestandteil des Führungsteams der Polizeiinspektion Verden/Osterholz. Sie werde sich als langfristige, verlässliche Ansprechpartnerin für die Bevölkerung engagieren. Vor allem während der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 setzte Schlichtmann laut dem Polizeipräsident ein Zeichen und stand für Menschlichkeit. 

Nun freut sich Antje Schlichtmann auf die "spannende und erfrischende" Position. Ihr Führungsstil solle sich durch einen Umgang auf Augenhöhe, soziale Kompetenz und Empathie auszeichnen. "Ich möchte mich mit Nachdruck für Demokratie und Freiheit einsetzen", sagte die neue Polizeichefin außerdem über ihre Ziele. Das Handeln der Polizei solle transparent und nachvollziehbar gestaltet werden. "Außerdem plane ich, die Belange für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu stärken, und ich will als Vorbild zeigen, dass so ein Modell in dieser Situation nicht auszuschließen ist", erklärte die 40-Jährige. Der Behördenleitung dankte Antje Schlichtmann des Weiteren "für den Mut, eine Frau in Teilzeit einzustellen".

Abschied nach 44 Jahren

So verabschiedeten die Anwesenden Uwe Jordan, der zwölf Jahre lang die Polizeiinspektion Verden/Osterholz geleitet hatte, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Über vier Jahrzehnte war er in der niedersächsischen Polizei tätig. "Wir lassen einen erfahrenen Leiter ungern ziehen, aber nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt für dich", richtete Johann Kühme das Wort an Jordan. Strategisches Denken und der Blick über den Tellerrand würden den 63-Jährigen auszeichnen. Im Dienst habe sich Uwe Jordan stets als Fels in der Brandung erwiesen, Zeichen und Maßstäbe gesetzt. Vor allem seine frühere Tätigkeit als Leiter der Soko Dennis sei eine einschneidende Erfahrung gewesen. Der damals gesuchte "Maskenmann" Martin N. aus Bremen hatte sich an zahlreichen Jungen vergangen und mindestens drei von ihnen getötet – darunter den neunjährigen Dennis K. "Du standest unter öffentlichem Druck  und dieser Fall hat dich geprägt, aber du hast auch ihn geprägt", sagte Kühme. Dabei habe Uwe Jordan herausragende und verantwortungsvolle Arbeit geleistet.

Emotionaler Blick zurück

Obwohl er sich bereits vor eineinhalb Jahren von seiner Tätigkeit als Kriminaldirektor verabschiedet hatte, zeigte sich Uwe Jordan emotional. "Es ist ein großes Geschenk, mit Dankbarkeit und Zufriedenheit auf meine berufliche Laufbahn zurückblicken zu können", sagte er. In den vergangenen Jahren habe sich seine Sicht auf die Stellung der Polizei verändert. Ihm war, wie er betonte, stets wichtig, die kritische Distanz zum Beruf nicht zu verlieren und sich in die Zivilgesellschaft hineinzuversetzen. "Gebraucht werden Polizeibeamte, die sich Zeit zum Reden, Zuhören und Fragen beantworten nehmen."

Gerade angesichts der Tatsache, dass sich der Einfluss demokratiefeindlicher und rechter Gruppierungen verstärke, müsse die Polizei Informationslücken füllen und Handlungsstrategien entwickeln. Seine Familie, das Angeln und der Sport würden derweil auch zukünftig keine Langeweile aufkommen lassen. Und angesichts seiner Nachfolgerin macht sich Uwe Jordan im Ruhestand keine Sorgen, wie er sagte: "Antje Schlichtmann sprudelt vor Ideen und mit ihr wird sich die Polizei in die richtige Richtung entwickeln."

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