Verdener Expertinnen warnen

Hunde bei Hitze nicht im Auto lassen

Expertinnen warnen: Hunde sind gegen die heißen Temperaturen nicht gewappnet. Die Vierbeiner sollten nur im Notfall im Auto mitgenommen werden.
13.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Andrea Kreutzer
Hunde bei Hitze nicht im Auto lassen

Hunde dürfen im Sommer nicht im Auto bleiben, auch nicht bei geöffnetem Fenster.

Focke Strangmann

Es reichen nur wenige Minuten, in denen Hundehalter schnell etwas erledigen wollten und bei der Rückkehr liegt das heißgeliebte Tier im noch heißeren Auto und ist tot. Gerade Hunde werden leicht zu Hitzeopfern, wenn ihre Besitzer nicht sorgsam auf eine angemessene – einigermaßen kühle – Umgebung, ausreichend Trinken und den Temperaturen angemessene Aktivitäten achten, wie Tierärztin Bianca Seifert-Simentschitsch, von der Tierarztpraxis am Finkenberg in Verden, und Heidi Seekamp, Leiterin des Tierheims Verden, übereinstimmend warnen.

Während Katzen „recht gut auf sich selbst achten“ sei bei Hunden der Besitzer in der Pflicht, sich um seinen Vierbeiner zu kümmern, betont die Tierärztin. Ein Auto werde, in der Sonne abgestellt, schnell zum Backofen. „Das Tier ist bei diesen Temperaturen besser zu Hause aufgehoben“, empfiehlt sie. Gerade kurzhalsige Rassen wie der Mops, die französische Bulldogge oder der Pekinese sowie stark übergewichtige und ältere Tiere seien besonders gefährdet, da der sogenannte „Totraum“ (Raum zwischen der Luftröhre und der Mundschleimhaut) bei ihnen kleiner sei als bei größeren Tieren mit längerem Hals.

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Anders als es beim Menschen und bei anderen Tieren der Fall sei, verfügten Hunde nur über sehr wenige Schweißdrüsen, von denen die meisten zudem an den Pfoten sitzen. Dementsprechend regulieren Hunde ihre Temperatur nicht über das Schwitzen, sondern sind aufs Hecheln angewiesen. „Das Tier lässt die Zunge aus dem Maul hängen, atmet dabei durch die Nase ein und durch das Maul wieder aus, so dass viel Luft im Totraum zwischen Luftröhre und Mundschleimhaut zirkulieren kann, ohne dass die Luft die Lunge überhaupt erreicht“, beschreibt Bianca Seifert-Simentschitsch das Prinzip. Primär gehe es dabei um die entstehende Verdunstungskälte, die die Körpertemperatur sinken lasse.

Immer wieder kämen in diesen heißen Tagen Hundebesitzer mit völlig überhitzten Tieren zu ihnen, die Symptome eines Hitzschlags zeigten: „Die Symptome sind unter anderem extremes Hecheln, panisch aufgerissene Augen, Schwäche, bläuliche Schleimhäute und eine Körpertemperatur zum Teil weit über 40 Grad, was absolut lebensbedrohlich ist“, so die Tierärztin. Die normale Körpertemperatur bei Hunden liege zwischen 38,3 und 38,6 Grad im Ruhezustand.

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Wird ein stark überhitzter Hund gebracht, dann ist sofortiges Eingreifen erforderlich. „Dasselbe gilt für Tierbesitzer zu Hause.“ Mit feuchten Handtüchern um den Rumpf und Kühlpacks an den Pfoten könne der Mensch für Abkühlung sorgen, die jedoch auch nicht zu schnell erfolgen dürfe, ansonsten könne es zu einem Kreislaufkollaps kommen. Abhängig vom Allgemeinzustand und davon, ob die Körpertemperatur sich herunterregulieren lasse, könnten auch noch Infusionen notwendig werden, um einem Nierenversagen vorzubeugen.

Bei anderen Kleintieren wie Meerschweinchen und Kaninchen sei bei Hitze ebenfalls Achtsamkeit geboten. „Es muss immer einen schattigen Rückzugsort geben, der Käfig darf nicht direkt in der Sonne platziert werden“, rät die Expertin. Das gelte auch für ein Außengehege. Darüber hinaus muss für alle Haustiere grundsätzlich immer ausreichend frisches Wasser zur Verfügung stehen, betont Heidi Seekamp, Leiterin des Verdener Tierheims.

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Um ihre Katzen müssten sich die Pflegerinnen bei hohen Temperaturen nicht mehr als sonst auch kümmern, werde es ihnen zu heiß, gingen sie von selbst durch die immer geöffneten Katzenklappen vom Außengehege wieder hinein ins kühlere Haus. „Anders sieht es bei den Hunden aus.“ Spaziergänge würden nur frühmorgens unternommen. Einige ihrer dem Wasser zugetanen Vierbeiner liebten es außerdem, mit dem Gartenschlauch nass gemacht und dadurch abgekühlt zu werden. „Manche gehen hier sogar in eine Art Schwimmbecken, um sich zu erfrischen.“

Auch Seekamp appelliert noch einmal an alle Hundebesitzer, gerade in Bezug auf Autofahrten: „Ein Hund gehört im Sommer nicht ins Auto und sollte nur dann mitgenommen werden, wenn es absolut notwendig ist.“ Ein spaltbreit geöffnetes Autofenster reiche nicht aus. Wer nicht über einen schattigen Platz im Garten oder einen kühlen Fliesenboden verfüge, für den seien eigens für Hunde ausgelegte Kühlmatten gegebenenfalls eine gute Lösung. Einige seien mit einem Gel gefüllt und würden durch Druck und Körperkontakt ihre kühlende Wirkung entfalten, andere müssten mit kaltem Wasser befüllt werden, das nach einiger Zeit ausgetauscht werden müsse. „Egal, wie man letztlich für Abkühlung sorgt – wir sind für unsere Tiere verantwortlich."

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