Verdener Gesundheitsamt

Wettlauf gegen das Virus

Das Gesundheitsamt arbeitet auf Hochtouren. Wo sich sonst drei Mitarbeiterinnen um den Infektionsschutz kümmern, sind aktuell 25 Personen mit der Corona-Krise befasst. Denn schnelles Handeln ist erforderlich.
20.04.2020, 18:01
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Wettlauf gegen das Virus
Von Elina Hoepken
Wettlauf gegen das Virus

Amtsärztin Jutta Dreyer koordiniert die Coronavirus-Bekämpfung.

LANDKREIS VERDEN

Das Telefon ist in diesen Tagen und Wochen eines der wichtigsten Arbeitsmittel im Verdener Gesundheitsamt. Allein neun Fachkräfte im Fachdienst Gesundheit sind seit dem ersten Coronavirus-Fall im Landkreis Anfang März damit beschäftigt, die Infektionsketten positiv getesteter Personen zu durchleuchten, Zusammenhänge herzustellen und Kontaktpersonen zu ermitteln.

„Wir haben zwischenzeitlich weit über 1000 Telefonate geführt, um abzuklären, welche Kontaktpersonen es im Umfeld von mit dem Coronavirus infizierten Patienten gibt“, erklärt Jutta Dreyer, Amtsärztin und Leiterin der Verdener Gesundheitsbehörde. „Denn nur durch das akribische Nachverfolgen der Kontakte und einer nachfolgenden Unterquarantänestellung maßgeblicher Kontaktpersonen haben wir die Chance, die Virusausbreitung einzudämmen.“

Schnelles Handeln ist erforderlich: Positiv Getestete werden von den Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamtes telefonisch befragt, mit wem sie in den Tagen vor dem Ausbruch erster Symptome Kontakt hatten. Maßgeblich sei laut Dreyer der direkte Kontakt von Angesicht zu Angesicht. Bei mehr als 15 Minuten in enger räumlicher Nähe müsse man von einem erhöhten Infektionsrisiko ausgehen. Diese sogenannten Kontaktpersonen ersten Grades würden unverzüglich kontaktiert und nach einer weiteren Befragung in der Regel auch unter Quarantäne gestellt. „Kontaktpersonen zweiten Grades, bei denen der unmittelbare Kontakt zu einer infizierten Person kürzer ausfiel, beraten wir telefonisch und animieren sie zur Vorsicht.“

Für Verdachtspersonen gelte eine 14-tägige Quarantäne ab dem Zeitpunkt des Kontakts zu einem Infizierten. In dieser Zeit dürften sie weder ohne Erlaubnis das Haus verlassen noch Besuch von Personen empfangen, die nicht dem Haushalt angehören. Zudem hätten die Betroffenen ein fortlaufendes digitales Tagebuch zu führen, in dem sie ihren Gesundheitszustand dokumentieren.

Für die positiv Getesteten könne die angeordnete Quarantäne frühestens 14 Tage nach Symptombeginn beendet werden, vorausgesetzt die Patienten seien dann bereits mindestens 48 Stunden komplett symptomfrei. Anderenfalls sei eine Verlängerung der Quarantäne unvermeidlich. „Die Aufforderung, sich in häuslicher Quarantäne abzusondern, ist keine Bitte“, betont Dreyer, „sondern eine Anordnung nach dem Infektionsschutzgesetz, die bei Nichtbefolgung strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen würde.“

Ob Kontaktpersonenrecherche, Quarantäneanordnungen und -überwachung, Gesundheitsberatung rund um Corona oder die Abstimmung mit Kliniken und Pflegeeinrichtungen: Wo sich sonst knapp drei Mitarbeiterinnen um den Infektionsschutz kümmern, sind aktuell rund 25 Personen im Gesundheitsamt – darunter vier Ärztinnen und eine ärztliche Honorarkraft – mit Aufgaben im Rahmen der Corona-Krise befasst. „Die Zahlen verdeutlichen die enorm hohe Personalbindung, die solch ein Virusgeschehen mit sich bringt“, erklärt Dreyer.

Trotz Corona versuche man neben dem Infektionsschutz aber auch weiter die zahlreichen anderen gesetzlichen Aufgaben des Gesundheitsamtes, beispielsweise im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin, der amtsärztlichen Begutachtung, der Trinkwasserüberwachung und des Sozialpsychiatrischen Dienstes, wahrzunehmen. „Wir können nicht alles auf Eis legen. Insbesondere die Not psychisch kranker Menschen und deren Beratungsbedarf sind in den Wochen der Krise spürbar gestiegen“, sagt Dreyer.

Im Landkreis Verden sind aktuell 114 Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden (Stand Montagmittag). Das ist einer mehr als am vorherigen Freitag. Bei dem Neuerkrankten handelt es sich um einen Mann aus dem Südkreis. 98 Personen sind mittlerweile als genesen aus der häuslichen Quarantäne entlassen. Es befinden sich fünf Personen in stationärer Behandlung.

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