Schwimmen im Fluss

Verdener kühlen sich in der Aller ab

Verden. Vor zwei Jahrzehnten noch kaum vorstellbar: Vom Geheimtipp für gute Schwimmer haben sich die kleinen Buchten an der Aller mittlerweile zum Treffpunkt für viele Verdener gemausert.
21.08.2012, 05:00
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Von Gabriele Tetzner
Verdener kühlen sich in der Aller ab

Sarah Jonischkies (links) mitz Hund Jazz und Freundin Marie Cordes.

Verden. Vor zwei Jahrzehnten noch kaum vorstellbar: Vom Geheimtipp für gute Schwimmer haben sich die kleinen Buchten an der Aller mittlerweile zum Treffpunkt für viele Verdener gemausert. In der Hitze des zurückliegenden Wochenendes wussten sie das erfrischende Bad im Fluss besonders zu schätzen.

An den rar gesäten Stellen längs des Alleruferweges, die einen bequemen Einstieg in den schnell fließenden Fluss ermöglichen, herrschte am Wochenende fast schon Gedränge. Ausgerüstet mit Decken, Proviant, Schwimmreifen und anderem Badezubehör machten es sich Familien, Pärchen oder Freundesgruppen dort bequem, um Sonnen- und Wasserbäder in der freien Natur zu genießen.

Sarah Jonischkies aus Verden und Marie Cordes aus Nersingen bei Neu-Ulm hatten sich am Sonnabend nahe der Eisenbahnbrücke auf einer mit Bäumen bestandenen Wiese niedergelassen. "Im Freibad ist es viel zu voll und zu warm, hier hat man dagegen immer eine kleine Brise", so die beiden 25-Jährigen. Außerdem sollte Hund Jazz schwimmen lernen: "Bisher geht er nur mit den Beinen ins Wasser, aber daran arbeiten wir noch", lachte Frauchen Sarah. Mit ihrer Freundin Marie, die sie seit der Grundschulzeit kennt, möchte sie die Woche, in der diese zu Besuch ist, ausgiebig nutzen und sich vor allem in Ruhe unterhalten. "Das kann man hier am Fluss in der Natur viel schöner", sagte Jonischkies.

Ganz so ruhig geht es allerdings nicht immer zu. Insbesondere Teenagergruppen hören zum Plantschvergnügen gern laute Musik – zum Missfallen der Anrainer des Weges entlang der Aller, die zu späterer Stunde darauf verweisen, dass man sich an manchen Stellen mitten in einem Wohngebiet befindet. Ernst Müller ist einer dieser Anwohner am Burgberg, der die Jugendlichen gelegentlich anspricht.

"Dabei geht es gar nicht nur um die Menschen, die um ihren Schlaf gebracht werden. An der Aller gibt es sehr viele Gänse, Enten, Greifvögel, Fledermäuse, Käuze, Insekten und Kleintiere. Wenn man die Natur genießen will, sollte man sie auch mit Respekt behandeln", sagte Müller.

Der 62-Jährige freut sich ansonsten aber über die jungen Menschen, die den Fluss nutzen und vor allem darüber, dass die Wasserqualität der Aller heute fast wieder in dem Bereich liegt, den er aus seiner Kindheit kennt. "Ich entdecke oft wieder Süßwassermuscheln, die nur sauberes Wasser mögen", so Müller.

Das Schwimmen hat er wie viele ältere Verdener genau dort gelernt, wo er heute im Sommer sein allabendliches Bad startet: in der einstigen Badeanstalt Palm unterhalb des früheren Ausflugslokals "Bella Vista", jetzt Domizil des Verdener Männerchores.

An einer Stelle weiter flussabwärts übte der Nachwuchs in der Schulz‘schen Badeanstalt, den Kopf über Wasser zu halten, gleich neben der bis zum Kriegsende bestehenden Militärbadeanstalt. Beide Grundstücke an der Aller stehen heute dem Wassersportverein zur Verfügung und dienen Vereinsmitgliedern und ihren Gästen als Alternative zum Freibad – ausdrücklich versehen mit dem Hinweis, dass die Strömung stark ist und keine Badeaufsicht ausgeübt wird.

Peter Bilske und Ehefrau Lisa suchen sich dort regelmäßig ein schattiges Plätzchen, an dem sie ihre Liegen aufbauen und den Tag verbringen. "Ich schwimme gern in fließendem Gewässer und mag das gechlorte Wasser in Schwimmbädern nicht. Das hier ist Natur pur. Beim WSV stehen mir außerdem Duschen zur Verfügung, und alles ist gepflegt", erklärte Bilske seine Wahl.

Die gleichen Argumente ziehen Peter Böttcher regelmäßig zur vereinseigenen Badebucht. Und der 51-Jährige hat noch einen anderen Grund: "Meine Lebensgefährtin und ich wollen in absehbarer Zeit auf unsere Trauminsel Helgoland übersiedeln. Da sollte man vorher Schwimmen und Paddeln trainieren", so Böttcher augenzwinkernd.

Beim WSV fanden sich am Sonntag auch Andrea Buchtzik und ihre Freunde ein, frisch gebackene Abiturienten, die die freien Tage vor Beginn des Studiums gemeinsam nutzen wollten. "Eigentlich treffen wir uns lieber in der ‚Schweinebucht‘ an der Weser, weil man an der Aller oft keinen Platz mehr findet. Aber heute waren dort haufenweise Angler, deshalb mussten wir wieder abziehen und durften dann hier beim WSV auf die Wiese," freute sich die 20-Jährige, die demnächst an ihrem Studienort Kiel noch ganz andere Gewässer kennenlernen wird.

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