Sanierung für 3,5 Millionen Euro

Rat macht Weg für Syndikatshof frei

Der Verdener Stadtrat hat sich erneut mit dem Syndikatshof beschäftigt. 3,5 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren in die Sanierung des bedeutenden Gebäudes fließen.
21.04.2021, 16:33
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Von Marie Lührs
Rat macht Weg für Syndikatshof frei

Der Syndikatshof soll künftig das Stadtarchiv sowie verschiedene Vereine beherbergen.

Björn Hake

Der Syndikatshof gehört zu den ältesten Häusern in Verden. Am Dienstagabend befasste sich der Stadtrat mit der Zukunft des bedeutenden Baudenkmals. Denn das soll künftig das Stadtarchiv beherbergen und unter anderem als außerschulischer Lernort der Demokratiebildung dienen. Auch verschiedene Vereine haben bereits ihr Interesse bekundet, in den historischen Räumlichkeiten tätig zu werden. Möglich wird das dank einer Bundesförderung in Höhe von 1,58 Millionen Euro, die der Rat nun offiziell einstimmig annahm.

„Wir haben wirklich Glück gehabt“, betonte Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD) in der digitalen Sitzung, die für Interessierte auf eine Leinwand im Ratssaal übertragen wurde. 1300 Projekte hätten sich um eine Förderung beim Bund beworben. Doch das Geld vom Bund ist nur ein Zuschuss, auch Verden muss für das große Projekt ins Stadtsäckel greifen. 1,92 Millionen Euro werden als kommunale Eigenmittel für die Umsetzung zur Verfügung gestellt.

Die Verwaltung habe einen Risikoaufschlag bereits eingerechnet, der mögliche Kostensteigerung abdecken soll, erklärte Brockmann. Denn „wenn man ein altes Gebäude anfasst, sind die Kosten schwer abzuschätzen“. Klar sei allerdings: „Wir wollen das Budget von 3,5 Millionen Euro einhalten.“ Der Syndikatshof sei ein für Verden sehr wichtiges Projekt. Kultur, Soziales und Bildungseinrichtungen in den Ortskern zu holen, habe auch eine große Bedeutung für die Innenstadtentwicklung.

Dass das Projekt nun bald anlaufen kann, freute auch die Ratsmitglieder, die sich unisono für die Annahme des Zuschusses aussprachen. „Der Syndikatshof ist ein wichtiger Zeuge für die Bau- und Stadtgeschichte“, betonte Werner Meincke von den Grünen. Das Vorhaben sei „außergewöhnlich gut“. Insbesondere mit Blick auf die Pläne für die neue Stadtkante (ehemaliges Kaufhalle-Areal) sei das Projekt ein gutes Signal, ergänzte Michael Otten (SPD).

Das Gebäude wurde 1590 im Stil der Weser-Renaissance erbaut, teilweise aus Steinen eines ehemaligen Augustinerklosters, das sich vorher dort befunden hatte. Genutzt wurde das Anwesen als Dienstwohnung des städtischen Syndikus und Stadtrichters. 1736 wurde der Komplex grundlegend saniert. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude als bürgerliches Wohnhaus genutzt. Der Syndikatshof besteht aus mehreren Gebäudeteilen, die aus drei Epochen stammen. Neben der Weser-Renaissance sind klassizistische Elemente zu finden.

Zuspruch kam auch aus der CDU. Fraktionsvorsitzender Jens Richter mahnte jedoch: „Wir wollen nicht nur versuchen, die 3,5 Millionen Euro einzuhalten.“ Stattdessen solle die Summe „die absolute Obergrenze“ darstellen. Auch für Karin Hanschmann (SPD) ist der Syndikatshof ein Herzensprojekt. Natürlich müsse dabei auch auf die Kosten geachtet werden, doch „Kultur darf nicht auf die Kosten reduziert werden“. Jürgen Weidemann (FDP) verwies hingegen auf die „katastrophalen Arbeitsbedingungen“ im Stadtarchiv, die sich beim Umzug in den Syndikatshof deutlich verbessern würden.

Laut Vorlage muss das Vorhaben bis Ende 2025 umgesetzt werden. Nach der klaren Zustimmung des Rates ist es nun an der Verwaltung, die entsprechenden Vorentwurfs- und Entwurfsplanungen in Auftrag zu geben sowie die denkmalrechtliche Sanierung mit der zuständigen Denkmalbehörde abschließend abzustimmen. Im Haushaltsplan 2021 sind die finanziellen Mittel eingeplant, auch die mittelfristige Finanzplanung bis 2024 ist bereits abgesichert. Erst wenn die Baugenehmigung vorliegt, die Ausführungsplanung und ein Kostenanschlag vorliegen erfolgt die Ausschreibung. Unvermeidbare Mehrkosten sollen durch entsprechende Sparmaßnahmen an anderer Stelle ausgeglichen werden, um den beschlossenen Kostendeckel einhalten zu können.

Nach dem Erfolg im Wettbewerb um die Bundesmittel für den Syndikatshof hofft die Stadt Verden nun auch bei einem weiteren Wettbewerb auf etwas Glück. Auf Anregung der Klimaschutz- und Energieagentur des Landkreises Verden (Klever) nimmt die Stadt beim bundesweiten Städtewettbewerb „Wattbewerb“ teil. Ziel ist der beschleunigte Photovoltaik-Ausbau. Sieger wird die Stadt, die zuerst ihre Photovoltaik-Leistung gemessen an der Einwohnerzahl verdoppelt hat, heißt es in der Beschreibung. Zwei bis drei Jahre soll der Wettbewerb laufen, der auf eine private Initiative zurückgeht. „Es kostet nichts, aber informiert“, warb Brockmann für die Teilnahme und der Rat stimmte einstimmig zu. Über 60 Städte haben sich bereits anmeldet. Begleitend bietet die Klever mehrere Informationsveranstaltungen und Kampagnen an.

Bei der digitalen Ratssitzung nahmen die Mitglieder außerdem Abschied von Anja Döhle (SPD), die ihren Sitz nach zehn Jahren aufgab. An ihre Stelle tritt Julia Mönnig, die sich bei der Sitzung kurz vorstellte. „Ich bin relativ spontan eingesprungen“, erklärte die beim Landkreis tätige Sozialpädagogin. Die politische Arbeit sei neu für sie, sie freue sich aber auf die neuen Aufgaben. Außerdem konnten die Ratsmitglieder Sven Sottorff (CDU) wieder in ihren Reihen begrüßen.

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