Geschäftsbericht Verdens kulinarische Apotheke

Jasmina Ibrahim hat die ehemalige Verdener Schlachterei Bilges in ein kleines Restaurant verwandelt. Nach Pfingsten eröffnet es seine Pforten.
07.05.2018, 15:38
Lesedauer: 3 Min
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Verdens kulinarische Apotheke
Von Jörn Dirk Zweibrock

Sie stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien, aus Tuzla in Bosnien-Herzegowina wohlgemerkt. "Die Balkan-Küche ist sehr fleischhaltig", weiß Jasmina Ibrahim nur allzu gut aus ihrer Heimat. Fleisch, immer nur Fleisch – das ist der Köchin einfach nicht abwechslungsreich genug. Und eben auch nicht gesund genug, weil Fleisch nun einmal nicht ihr Gemüse ist. Deswegen schwört sie auf die mediterrane Küche. "Die besteht zum großen Teil aus Kräutern, ist leicht bekömmlich und vor allen Dingen auch sehr gesund", betont die zweifache Mutter. Am Dienstag nach Pfingsten, 22. Mai, öffnet sie nun ein weiteres Geschäft in der Verdener Innenstadt – an einem Ort, wo früher Mortadella und Kasseler über den Ladentisch wanderten, nämlich in der ehemaligen Schlachterei Bilges.

Rezepte stammen von ihrer Mutter

"Mein Mann Azmi und ich haben das Haus an der Große Straße 67 gekauft und komplett saniert", erzählt die Kräuter-Fee voller Stolz. Während sie unten ihre Kunden mit kulinarischen Spezialitäten verwöhnt, befinden sich im oberen Teil der Immobilie mehrere Mietwohnungen. Im Gegensatz zu ihrem Stamm-Geschäft im oberen Teil der Fußgängerzone setzt Jasmina Ibrahim an ihrem neuen Standort auf ein leicht verändertes Konzept: "Ich biete dort neben den kalten mediterranen Speisen auch warme Gerichte an." Und zwar auch heimische – gutbürgerliche deutsche Küche eben. An ihrer Seite kocht künftig einer, der sich mit Hausmannskost wahrlich auskennt – Bastian Ritter, bis dato Hauswirtschaftsleiter im Verdener St. Johannisheim. "Wir bieten in der ehemaligen Schlachterei Bilges einen täglich wechselnden Mittagstisch zu einem erschwinglichen Preis an", verspricht er. Neben einem Fleischgericht stehe auch immer ein vegetarisches auf der Menü-Karte. Abgerundet wird das Ganze dann von einer kleinen Speisekarte. Klar, dass dann auch süße Verführungen wie Baklava nicht fehlen dürfen.

2012 hat "Jasmina", wie sie von ihren Kunden nur liebevoll genannt wird, ihr erstes mediterranes Feinkost-Geschäft an der Große Straße 106 in Verden eröffnet. Anfangs noch ein echter Geheimtipp, stehen die Kunden bei ihr zur Mittagszeit mittlerweile regelrecht Schlange. "Ich liebe meine Kunden. Wenn sie in mein Geschäft hineinkommen, brauchen sie gar nichts zu sagen, ich weiß schon vorher, was sie möchten", erzählt die gelernte Hotelfachfrau, die sich zum Ende ihrer Ausbildung auf das Kochen spezialisiert hat. Ob es das Kleinkind ist, das mit Vorliebe ihre Zitronen-Oliven verspeist, oder die ältere Dame, die sich zu Hause gleich eine ganze Suppen-Ration einfriert – zufrieden lächelnde Kunden sind für Jasmina Ibrahim einfach das größte Lob für ihre Kochkünste. "In meinem Feinkost-Geschäft erlebe ich eben etwas. Ich habe sogar meinen Geburtstag mit meinen Kunden bei einem Glas Sekt gefeiert", erzählt Jasmina Ibrahim.

Seit Jahren geht der gebürtigen Bosnierin schon Abiturientin Lisa Rehbock zur Hand. Klar, dass sie auch im zweiten Geschäft an der Großen Straße 67 (rund hundert Quadratmeter) hinter dem Verkaufstresen steht. Für ihre Chefin Jasmina Ibrahim ist es einfach das Größte, wenn sie ihren Kunden lukullische Freuden bereiten kann. Sei es mit ihren Salaten, Suppen, Dips, Cremes oder Aufstrichen. "Essen und Trinken macht einfach glücklich", findet die Verdenerin. Sie koche übrigens nach den Rezepten ihrer Mutter, gesteht die Frau, die schon im Verdener Gourmet-Tempel Pades gearbeitet hat und Küchenchefin im Bremer Übersee-Museum gewesen ist. Sei es nun eine für ihre Heimat doch so typische Serbische Bohnensuppe oder ein Börek mit verschiedenen Füllungen.

Kräuter aus Mittelmeer-Ländern

Ihre heiß geliebten Kräuter bezieht sie übrigens aus Mittelmeer-Staaten wie Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland oder der Türkei. "Ich verarbeite sie dann in meiner Küche weiter. Alles wird dort frisch zubereitet", erzählt Jasmina Ibrahim. Klar, sie weiß, dass es in Verden genauso wie in Bosnien auch heute noch nicht so ganz ohne Fleisch geht, legt aber größten Wert auf eine gesunde Ernährung. "Kinder sollten lieber Knoblauch essen statt eine Tüte Chips", findet die Verdenerin. Von ihren Kunden wird ihr Stamm-Geschäft an der Große Straße 106 daher auch öfter "kulinarische Apotheke" genannt. Stimmt eigentlich auch, wenn man bedenkt, dass die Menschen in den Mittelmeer-Staaten viel weniger an Bluthochdruck leiden als anderswo.

Mediterrane Leichtigkeit versprüht auch der Oliven-Hain auf der Foto-Tapete in ihrem neuen Geschäft. Bei gutem Wetter können ihre Gäste dann auch an den Tischen vor der ehemaligen Schlachterei Bilges Platz nehmen, zwischen echten Olivenbäumchen genauer gesagt. Zwar nur aus dem Kübel – aber immerhin.

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