Auszubildender Daniel Bergmann weckt alte Lokomotive aus dem Dornröschenschlaf

Vom Abstellgleis zurück auf die Schienen

Dörverden. Eine ehemalige Lokomotive der Verden-Walsroder Eisenbahn (VWE) steht seit Jahren abgestellt in Stemmen. Der 20-jährige Daniel Bergmann, Auszubildender der VWE, wollte der altgedienten Lok nicht länger beim Verrosten zuschauen.
01.06.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Claas Keller
Vom Abstellgleis zurück auf die Schienen

Auszubildender Daniel Bergmann macht die alte Lok wieder fit, die ausgesondert in Stemmen stand.

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Dörverden. Eine ehemalige Lokomotive der Verden-Walsroder Eisenbahn (VWE) steht seit Jahren abgestellt in Stemmen. Der 20-jährige Daniel Bergmann, Auszubildender der VWE, wollte der altgedienten Lok nicht länger beim Verrosten zuschauen. Nun holt er das Verdener Original zurück, um es aufzuarbeiten.

Sie ist grün, 28 Tonnen schwer, mehr als 50 Jahre alt und ein echtes Verdener Original. 1964 baute Maschinenbau Kiel die „DL4“, eine damals neue Lokomotive für die Verden-Walsroder Eisenbahn (VWE). Die DL4 war viele Jahre lang im Bahnhof Verden als Rangierlok im Einsatz. Als die VWE ihren Fuhrpark modernisierte und die Lok im Mai 2000 außer Dienst gestellt wurde, übernahmen die Verdener Eisenbahnfreunde (VEF) die DL4. Andere Projekte hatten für den Verein jedoch Vorrang, und so verfiel das Schienenfahrzeug mit seiner markanten grünen Lackierung in den Dornröschenschlaf.

Daniel Bergmann steht im Bahnhof Stemmen neben der DL4. Der 20-Jährige absolviert bei der VWE eine Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer/Transport. „Man kann auch einfach Lokführer sagen“, sagt er lachend und ergänzt: „Das ist mein Kindheitstraum, den ich mir erfülle“. Im Laufe der Jahre habe sich das Berufsbild zwar verändert, aber der Bezug zur Technik sei geblieben. „Moderne Züge sind technisch heute viel komplexer, da steckt auch schonmal haufenweise Elektronik drin“, weiß Bergmann. Bei der DL4 ist von Elektronik jedoch noch nichts zu sehen; die Lok stammt augenscheinlich aus einem anderen Eisenbahn-Zeitalter: Große Handräder, Ventile und Hebel bestimmen das Bild. Bergmann, der sich mittlerweile im zweiten Lehrjahr befindet, erklärt seine Begeisterung für die DL4 so: „Das ist robuste Technik, bei der man noch sehen kann, was vor sich geht und wie alles ineinandergreift. Heavy Metal auf Schienen.“ Er schraubt einen Verschluss an den Antriebsstangen ab, lässt frisches Öl in die Lager fließen und ergänzt: „Sie braucht aber auch ihre Pflege, da ist noch viel Handarbeit dabei“.

Die Begeisterung für die Verdener Lok ließ in ihm den Wunsch heranreifen, sie in ihren alten Heimatbahnhof zurückzuholen und dort wieder aufzuarbeiten. Dafür hat Bergmann in seiner Freizeit bereits viele Stunden Arbeit in die Maschine gesteckt und Expertisen eingeholt. Eine Aufarbeitung sei zwar aufwendig, aber dank der soliden Technik und der guten Verfügbarkeit von Ersatzteilen machbar, meint Bergmann. Die meisten Arbeiten könnten er und die Verdener Eisenbahnfreunde in Eigenregie erledigen; bestimmte Bauteile müssten jedoch von Fachfirmen instandgesetzt werden, da für Museumsfahrzeuge die gleichen Sicherheitsvorschriften gelten wie für andere Schienenfahrzeuge auch.

Unterstützung bekommt der angehende Lokführer nicht nur von den Verdener Eisenbahnfreunden, sondern auch von seinem Ausbildungsbetrieb, der Verden-Walsroder Eisenbahn. Henning Rohde, örtlicher Betriebsleiter des Unternehmens, freut sich über das Engagement seines Azubis: „So viel Initiative unterstützen wir gerne, davon profitiert schließlich auch unser Betrieb. Bei den Arbeiten an der Lok eignet sich Herr Bergmann zudem zusätzliches Wissen an“. Deshalb stellt Rohde auf den Gleisen der VWE nicht nur einen Stellplatz für die Lok zur Verfügung. Auch bei der Überführung nach Verden packt die Eisenbahngesellschaft mit an. Weil die DL4 noch nicht aus eigener Kraft fahren kann, stellt die VWE einen Zug zur Verfügung, welcher die Museumslok im Schlepp nach Verden ziehen soll.

In Stemmen hat Bergmann die grüne Rangierlok mittlerweile hergerichtet, alle Teile am Fahrwerk abgeölt und noch einmal gecheckt. Ein Gutachter hatte zuvor bereits die Lauffähigkeit der DL4 bescheinigt, und der Zug der VWE steht bereit, um sie nach Verden zu schleppen. Trotz intensiver Vorbereitungen ein spannender Moment für Bergmann. „Jetzt kommt es nochmal drauf an. Wenn eine Lokomotive jahrelang herumstand, ist man vor Überraschungen nicht gefeit“, betont er. Dann ist die Lok angekuppelt und setzt sich vorsichtig in Bewegung. Vernehmliche Knirschgeräusche auf den ersten Metern erhöhen die Spannung bei den anwesenden Eisenbahnern, und Bergmann nimmt noch einmal seine Ölkanne zur Hand. Die monatelangen Vorbereitungen haben sich gelohnt, denn bei der Überführung der DL4 läuft alles glatt. Am Abend ist die grüne Rangierlokomotive wieder dort, wo sie vor über 50 Jahren einmal angefangen hat: im Bahnhof Verden – zurück zu Hause. Für die Verdener Eisenbahnfreunde ist damit der erste Schritt gemacht, viele weitere werden folgen. Daniel Bergmann, sichtbar glücklich über die Ankunft der Lok in ihrem Heimatbahnhof, weiß, dass noch viel Arbeit vor ihm und seinen Mitstreitern liegt und meint, die Aufarbeitung sei ein Projekt für mehrere Jahre. „Die Verdener DL4 ist ja auch kein Schnellzug. Wir sind jetzt am Anfang, und ich freue mich, dass es nun richtig losgeht“.

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