Vorwurf: Sexualstraftat

52-jähriger Angeklagter äußert sich nicht

Weil er sich an seiner heute 27-jährige Nichte vergangenen haben soll, steht ein 52-jähriger Schwaneweder vor dem Landgericht Verden. Sein Verteidiger stellt neue Beweisanträge, die Verhandlung zieht sich hin.
15.05.2021, 06:00
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Von Angelika Siepmann/asi
52-jähriger Angeklagter äußert sich nicht

Da der Verteidiger weitere Beweisanträge gestellt hat, werden aus mittlerweile zehn Verhandlungstagen gegen einen 52-jährigen Schwaneweder noch mehr.

Bernd Wüstneck

Aus ursprünglich sechs veranschlagten Verhandlungstagen sind schon zehn geworden. Und der Prozess gegen einen 52-jährigen Mann aus Schwanewede, der vor zwei Jahren Sexualstraften an seiner heute 27 Jahren alten Nichte verübt haben soll, wird sich noch länger hinziehen. Grund dafür sind weitere Beweisanträge, die der Verteidiger nun gestellt hat, und mit denen es noch nicht genug sein soll. Die 10. große Strafkammer des Landgerichts Verden hat vorsorglich einige zusätzliche Termine bis Ende Juni anberaumt.

Die Staatsanwaltschaft legt dem Angeklagten zur Last, sich an der jungen Frau vergangen zu haben, nachdem diese ein mit Medikamenten versetztes alkoholisches Getränk zu sich genommen hatte. Dem Wodka-Brause-Drink soll der Mann, von der Nichte unbemerkt, Beruhigungsmittel zugefügt haben. Der Konsum habe zu zeitweiser „tiefer Bewusstlosigkeit“ geführt und das mutmaßliche Opfer „bewegungs- und kommunikationsunfähig“ gemacht. Der 52-Jährige hat sich bislang noch nicht zu den Vorwürfen geäußert; in seinen Angaben zur Person war von gesundheitlichen Beeinträchtigungen die Rede.

Die mittlerweile im Ausland lebende Nebenklägerin ist im März an zwei Tagen ausführlich vernommen worden, zeitweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Sie hat ihre schon im Ermittlungsverfahren gemachten belastenden Aussagen weitgehend wiederholt. Dass es mit einem Tag nicht getan war, lag vor allem am angeblich immensen Fragebedarf des Verteidigers. Doch noch bevor der Anwalt des Angeklagten Fragen stellte, zog er alles, was die Frau bislang gesagt hatte, in Zweifel. Dies gipfelte in dem aus seiner Sicht unvermeidlichen Antrag auf Einholung eines aussagepsychologischen Sachverständigengutachtens zur Glaubwürdigkeit der 27-Jährigen.

Das Gericht hat dieses Ansinnen, wie berichtet, als unbegründet zurückgewiesen. Ungeachtet dessen lässt der Verteidiger aber offenbar nach wie vor nichts unversucht, massive Zweifel an den getroffenen Aussagen der Nebenklägerin sowie deren genereller Wahrheitsliebe zu säen. Ihre Glaubwürdigkeit sei schließlich „von maßgeblicher Bedeutung für die Schuldfrage“, bemühte der Bremer Anwalt eine Binsenweisheit.

Seine Anträge auf Vernehmung mehrerer Zeugen, darunter der Ärztin der Frau, hat die Kammer noch nicht beschieden. Staatsanwältin und Nebenklageanwältin halten eine weitere Beweiserhebung für nicht erforderlich, sondern entbehrlich. Besonders zu einem der neuen Anträge hieß es, er diene in erster Linie der Diskreditierung der Nebenklägerin. Diese Formulierung war auch verwendet worden, nachdem der Verteidiger unter anderem gemutmaßt hatte, die junge Frau könnte Betäubungsmittel konsumieren.

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