Trockenheit

Waldbrandgefahr ist nicht gebannt

Die Warnstufe für Flächenbrände ist wegen des Niederschlags gesunken, viele Pflanzen in Wald und Feld sind aber trotzdem trocken und wegen der langen Dürre 2018 geschädigt.
10.07.2019, 10:10
Lesedauer: 3 Min
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Waldbrandgefahr ist nicht gebannt
Von Andreas Becker

Die verheerenden Waldbrände in Mecklenburg-Vorpommern sind gerade unter Kontrolle, und auch im Landkreis Verden ist die Gefahr eines Wald- oder Flächenbrandes nicht gering. Das sagt auch die Brand-Warnstufe, die bereits mehrfach auf die höchste Stufe fünf angehoben wurde. Mit Blick auf die kühleren Temperaturen und erwartete Regenfälle in den nächsten Tagen, ist der Index auf Stufe zwei abgesenkt worden. Laut Dennis Köhler, Sprecher der Feuerwehr Verden, variiert der Wert aber jeden Tag, je nach den äußeren Bedingungen.

„Einen richtig großen Flächenbrand hatten wir in diesem Jahr noch nicht, aber ein paar kleinere Einsätze“, zieht Köhler Zwischenbilanz. Unter anderem musste die Wehr zu einem brennenden Stoppelfeld in Walle ausrücken, auch ein paar Böschungsbrände gab es zum Löschen. Bereits im April sei die Waldbrandgefahr erstmals sehr hoch gewesen, so Köhler. Hauptgefahr sei generell eine lange Trockenheit verbunden mit Hitze. In diesem Zusammenhang tritt Köhler der Annahme entgegen, dass es besonders entlang von Bahnstrecken vermehrt zu Böschungsbränden komme. „Das kommt vor, wenn der Brand durch einen technischen Defekt beim Zügen ausgelöst wurde“, so Köhler. Ansonsten sei diese Art von Feuern „relativ selten“.

Insgesamt sei besonders der menschliche Faktor häufig für das Entstehen von Wald- oder Flächenbränden verantwortlich. „Das ist die achtlos weggeworfene Zigarette ebenso wie eine Glasflasche, die in der Sonne wie ein Brennglas wirkt“, warnt Dennis Köhler. Allerdings entstünden Waldbrände auch nicht selten durch Blitzschlag.

Michael Müller, Revierförster in Diensthop und zuständig für den Landkreis Verden, zeigt sich überrascht, dass die Warnstufe herabgesetzt wurde. „Durch die etwas höhere Bodenfeuchte hat sich die Lage vielleicht etwas entspannt. Aber der Boden ist nach wie vor knochentrocken“, sagt der Experte. Als Folge des vergangenen sehr trockenen Jahres seien viele Gewässer trocken gefallen, zudem sei der Grundwasserspiegel insgesamt gesunken. „Deshalb haben viele Pflanzen nicht mehr die Kraft, das Wasser aus den tieferen Schichten nach oben zu holen“, hat Müller erkannt.

Als Folge haben etliche Laubbäume bereits jetzt trockene Blätter. „Viele Birken sind ganz abgestorben, das ist alles die Folge des vergangenen Jahres“, so der Revierförster. Gerade beim Grundwasser habe sich die Situation drastisch verschlechtert. Anfang 2018 sei der Grundwasserstand noch relativ normal gewesen, Anfang dieses Jahres sei der Pegel hingegen deutlich niedriger gewesen. „Wir haben im Schnitt 250 bis 300 Millimeter Defizit, das ist fast ein ganzer Jahresniederschlag der fehlt“, betont Müller. Die Folge ist aus seiner Sicht: „extreme Trockenheit“.

Zwar hat es in den vergangenen Tagen etwas geregnet. Das reicht aber nicht aus, um die Situation insgesamt zu verbessern, erklärt Müller. So koste der stete Wind durch Verdunstung etwa zehn bis 15 Millimeter Wasser pro Tag. „Wenn es den ganzen Tag fisselt, dann kommen vielleicht vier bis fünf Liter Wasser pro Quadratmeter zusammen“, schätzt der Förster. Insgesamt würden durch Wind und Sonne zwischen zehn und zwölf Liter Wasser pro Tag verloren gehen. „Deshalb bewässern die Landwirte auch so viel, obwohl es manchmal regnet“, argumentiert er.

Wegen der großen Hitze und Trockenheit war 2018 ein Jahr mit vergleichsweise vielen Waldbränden. „2019 hatten wir noch keine Feuer“, sagt Müller. Das liege allerdings auch darin, dass Spaziergänger aufmerksamer seien und kleine Brände sofort melden würden. „Leider gibt es immer wieder Fälle von Brandstiftung oder Nachlässigkeit, wenn eine Zigarette gedankenlos aus dem Autofenster geworfen wird oder ein Auto mit heißem Kat auf vertrocknetem Gras abgestellt wird“, kritisiert der Waldaufseher.

Insgesamt seien Nadelgehölze empfindlicher gegen Feuer und sogar Funkenflug und könnten aufgrund des hohen Harzgehaltes im Holz regelrecht explodieren. „Da muss man höllisch aufpassen“, warnt er. Laubbäume würden zwar nicht so leicht in Flammen aufgehen, aber aufgrund der Trockenheit hätten sie einem Feuer nicht viel entgegenzusetzen.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr präsentieren sich die Bäume in den Wäldern der Region durch die lange Trockenheit stark geschädigt. Etwas besser als im Vorjahr sieht es nach Ansicht des Revierförsters bei den oberflächennahen Pflanzen aus. „Durch den kühlen Mai haben diese Pflanzen nicht so stark gelitten wie im Vorjahr“, so Müller. Es komme aber darauf an, wie sich das Wetter weiter entwickele.

Damit es nicht zu einem Brand kommt, warnt die Feuerwehr davor, Zigarettenkippen wegzuwerfen und Autos mit heißen Abgasanlagen auf trockenem Bewuchs abzustellen. Auch das Grillen in der Natur ist nur auf dafür ausgewiesenen Plätzen erlaubt. Brände oder unklare Rauchentwicklungen sollten sofort über Notruf 112 gemeldet werden.

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