Grundstücke in Uesen sollen aus Landschaftsschutzgebiet gestrichen werden / Anwohner sehen das mit Sorge Weg frei für Investoren am Weser-Hang?

Der Landkreis Verden will die Landschaftsschutzgebiete zwischen Verden-Eissel und Bollen sowie rund um die Alte Aller zwischen Baden und Darverden nach rund 30 Jahren in ihren Grenzen anpassen – einige Gebiete werden kleiner, andere größer. Bei der ersten Informationsveranstaltung im Achimer Rathaus zu diesem Thema sorgte aber vor allem der Bereich nördlich der Ueser Brücke in Achim für Diskussionsstoff.
13.06.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Stephen Kraut

Der Landkreis Verden will die Landschaftsschutzgebiete zwischen Verden-Eissel und Bollen sowie rund um die Alte Aller zwischen Baden und Darverden nach rund 30 Jahren in ihren Grenzen anpassen – einige Gebiete werden kleiner, andere größer. Bei der ersten Informationsveranstaltung im Achimer Rathaus zu diesem Thema sorgte aber vor allem der Bereich nördlich der Ueser Brücke in Achim für Diskussionsstoff.

Achim. Die Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Verden sollen sich in ihren Grenzen den aktuellen Situationen innerhalb des Gebietes anpassen, so der Wunsch des Landkreises Verden. Die alten Grenzen, gezogen in den 1970er Jahren, seien nicht mehr überall zeitgemäß, betonte Silke Brünn vom Landkreis Verden auf einer ersten Informationsveranstaltung zu dem Thema im Achimer Rathaus. Denn auch Ackerflächen und Kleingärten lägen teilweise in diesem Gebiet und diese seien nicht schutzwürdig.

Gemeinsam mit Klaus Saalfeld und Antje Mahnke-Ritoff informierte die Mitarbeiterin des Landkreises deshalb über die Landschaftsschutzgebiete im Kreis Verden, die künftig 3440 Hektar umfassen werden, sofern der Kreistag dem zustimmt. Das seien 510 Hektar mehr als die aktuellen Landschaftsschutzgebiete.

Eine Gebietskorrektur, die Achim-Uesen betrifft, sorgte für heftige Diskussionen am Montagabend: Die Grenze des dortigen Schutzgebietes, die zurzeit am Uesener Weserhang und südlich der Hünenburg verläuft, soll künftig nach dem Plan der Kreisverwaltung direkt an der Hangkante verlaufen. Das bisher vor allem als landwirtschaftliche Nutzfläche sowie als Raum für einen Spielplatz und Kleingärten genutzte Areal nördlich davon soll somit aus dem Landschaftsschutzgebiet gestrichen werden. Das besorgt viele Anwohner. Sie befürchten nun, die Stadt werde auf dem Areal den Weg für die Errichtung eines neuen Wohngebietes freimachen.

"Wir wollen keine Wildwuchs-Bebauung wie in Baden", sprach Hans-Dieter Pöhls das aus, was an diesem Abend viele der rund 40 Besucher im Ratssaal dachten, denn mehrmals gab es Applaus für den Anwohner. Man öffne Tür und Tor für Investoren, wenn man das Gebiet freigebe. Auch der bei der Infoveranstaltung anwesende Martin Balkausky, Wirtschaftsförderer der Stadt Achim, wurde zu dem Thema befragt. "Gibt es Pläne, dort zu bauen?", wollte ein Anwohner wissen. Balkausky verneinte. "Natürlich wird es auch zu diesem Thema Diskussionen im Rat geben, aber es ist noch nichts beschlossen", betonte er. Doch auch die Gründe, warum die Grenzen laut Landkreis überhaupt verlegt werden müssten, stießen bei vielen Besuchern auf Unverständnis. Kreis-Mitarbeiterin Brünn erklärte im Vorfeld: "Teilweise verlaufen die Abgrenzungen durch Gärten, wir können nicht immer nachvollziehen, warum die Linien so gezogen wurden, wie das geschehen ist."

Auch habe sich schlichtweg die Vegetation verändert: "Clüverswerder zum Beispiel, eines der Gebiete, die aus dem Landschaftsschutzgebiet entlassen werden, hat inzwischen den Status eines Biotops und steht dadurch bereits unter Schutz. Es zusätzlich im Landschaftsschutzgebiet zu behalten, macht keinen Sinn." Auch seien Gebiete in den 1970er-Jahren teilweise trotz Zugehörigkeit zum Landschaftsschutzgebiet bebaut oder zur Ackerfläche umgewandelt worden, heutzutage sei das verboten. "Aber Acker oder Gärten müssen wir nicht schützen", ergänzte Antje Mahnke-Ritoff. Ein Argument, das viele Besucher nicht gelten ließen. Jedoch sprachen sich einige Interessierte auch für die Neuverlegung der Grenzen aus. "Ich finde es gut, dass der Landkreis diese für mich wenig nachvollziehbare Grenzziehung korrigieren will. Hut ab!", kommentierte ein Anwohner.

Bei der sonstigen Verlegung orientiere man sich vor allem am Verlauf des Weserdeichs. Bedenken, das Landschaftsschutzgebiet könne notwendige Ausbesserungen an den Schutzwällen blockieren, zerstreute Brünn: "Die Grenze wird am Fuß der Deiche verlaufen, der eigentliche Wall selbst ist nicht betroffen." Wäre dies anders, gäbe es eine Freigabe für die Deiche, sodass an diesen auch weiterhin gebaut werden könnte. So verhält es sich auch bei Plätzen innerhalb der Schutzgebiete, wie der Pfingstwiese, der Fährstelle oder dem Oelhafen: "Diese Plätze werden weiter wie bisher genutzt werden können", versprach die Landkreis-Mitarbeiterin.

Zwei weitere Informationsveranstaltungen sind geplant für den heutigen Donnerstag, 13. Juni, im Rathaus in Thedinghausen und Mittwoch, 19. Juni, im Rathaus in Langwedel. Beginn ist jeweils um 18.30 Uhr.

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