Weltladen

Unter dem Ölzweig

Den Verdener Weltladen gibt es bereits seit über 30 Jahren. Geschenkejäger finden dort zu Weihnachten wieder Produkte aus aller Herren Länder.
01.12.2020, 12:43
Lesedauer: 2 Min
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Unter dem Ölzweig
Von Jörn Dirk Zweibrock
Unter dem Ölzweig

Engagieren sich im Weltladen: Petra Bruns (l.) und Renate Lange.

Björn Hake

Der fair gehandelte Verden-Kaffee gehört zu den bekanntesten Verdensien. Die bunten Etiketten haben damals die Schüler des Kunst-Leistungskurses vom Gymnasium am Wall entworfen. Verkauft werden die Bohnen-Kompositionen im Verdener Weltladen. „Viele Verdener wissen immer noch nicht, wo unser Laden überhaupt ist“, erzählen die beiden Gründungsmitglieder Dorothea Biermann und Renate Lange. Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach – der Ölzweig, angelehnt an das Friedenssymbol, befindet sich direkt am Verdener Dom und das schon seit über 30 Jahren.

In diesen Tagen duftet es am Lugenstein aber nicht nur nach Bio-Espresso aus Uganda, sondern vor allem nach Weihnachten. Der Advent hat im Ölzweig, dem einzigen Weltladen im Kreisgebiet, Einzug gehalten. Die Kalender sind zwar längst ausverkauft, aber auch sonst werden Geschenkejäger dort fündig. Von Filzpantoffeln und Schals aus Alpakawolle bis zu Weihnachtskarten von Unicef (Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen) befindet sich dort alles in den Auslagen. Eingekauft werden die Artikel wie Tee und Schokolade von verschiedenen Importorganisationen.

„Der gesamte Schmuck wird von einer in Thailand lebenden Minderheit, den Karen, produziert“, erzählt Vorständin Petra Bruns. Der Silberschmuck ist im Zuge eines vor mehr als 40 Jahren entstandenen Hilfsprojektes entstanden. Das sei damals von der heutigen thailändischen Königinmutter Sirikit ins Leben gerufen worden. Auch die bunten Taschen von Judith Singer aus Hönisch finden sich im Weltladen-Sortiment. Sie arbeitet mit kleinen Handwerksbetrieben in Südafrika zusammen, ermöglicht den Zulu-Frauen somit ein besseres Leben. Seit der Schließung des einzigen Lederwarenfachgeschäftes in Verden wurde das Taschen-Sortiment am Lugenstein erweitert.

Grundgedanke des fairen Handels ist, dass die Erzeuger für ihre Produkte einen Mindestpreis erhalten, der von einer Fair-Trade-Organisation bestimmt wird. Den Produzenten soll damit auch bei niedrigeren Marktpreisen ein höheres und verlässlicheres Einkommen als im herkömmlichen Handel ermöglicht werden.

Als die Stadt Verden 2017 mit dem Titel Fair-Trade-Stadt ausgezeichnet wurde, war die Freude im Ölzweig groß, dass sich in Verden so viele Geschäfte gefunden hatten, die gerechter handeln wollten. Wer zu den anerkannten Städten und Gemeinden in Deutschland gehören will, muss in seinen Geschäften und Cafés eine Mindestanzahl an Produkten aus fairem Handel anbieten, wobei die Anforderungen jeweils nach Einwohnerzahl gestaffelt sind. Der Titel Fairtrade-Stadt wird bei der ersten Anerkennung für zwei Jahre vergeben, anschließend unter verschärften Vorgaben.

22 Aktive teilen sich den Ladendienst im Weltladen am Dom, ehrenamtlich versteht sich. „Darunter sind auch drei Männer“, freuen sich Petra Bruns und Renate Lange. Komplettiert wird der Vorstand durch Jeanette Gehre. In Deutschland gibt es rund 900 Weltläden, der Großteil davon ist wie der Verdener Mitglied im Weltladen-Dachverband. „Die im Jahr erwirtschafteten Überschüsse werden allesamt gespendet“, erläutert Mitarbeiterin Christiane Kullmann.

Der Laden am Lugenstein hat von Montag bis Freitag (15-18 Uhr) sowie dienstags bis sonnabends von 10 bis 12 Uhr geöffnet.

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