Radtourismus Corona beschert Touristen-Boom

Wird immer beliebter: Der Weser-Radweg ist einer der Profiteure der Krise. Dörverden will für Radtouristen attraktiver werden und plant einen Ortsrundgang und eine Touristen-Info.
22.02.2021, 16:29
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Corona beschert Touristen-Boom
Von Jörn Dirk Zweibrock

Die Touristiker sind schon gespannt wie ein Flitzebogen. Für Anfang März erwarten sie die Veröffentlichung der neuesten Radreise-Analyse des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). In den vergangenen beiden Jahren lag der Weser-Radweg jeweils auf Platz eins, hatte damit sogar den Elbe-Radweg abgehängt. Die Anrainer der Mittelweser hoffen nun, dass der Radfernweg erneut zum beliebtesten Deutschlands gekürt wird.

Die Zahlen, die Martin Fahrland, Geschäftsführer der in Nienburg ansässigen Mittelweser-Touristik vorlegt, sprechen jedenfalls Bände: „Der Weser-Radweg wurde trotz Corona im vergangenen Jahr von vielen Radlern genutzt. Allein im Landkreis Nienburg waren es 10.000 Radler mehr als in 2019.“ 2020 seien pandemiebedingt sehr viele Einheimische und Tagestouristen auf den Teilstrecken des Weser-Radwegs unterwegs gewesen. Henrike Drewes von der Achimer Tourist-Information kann dies nur bestätigen: „Viele Radler haben den Weser-Radweg für sich entdeckt. Wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, bleibt hoffentlich auch in Zukunft dabei.“

Dass das Corona-Jahr 2020 „ein absolutes Rad-Jahr“ gewesen ist, weiß auch der für den Tourismus zuständige Wirtschaftsförderer Dennis Sander aus Weyhe: „Die Zahlen spiegeln den allgemeinen Trend wider, der uns auch von den örtlichen Fahrradgeschäften zurück gespiegelt wird.“ Weil die Unterkünfte während der langen Lockdown-Phasen kaum jemanden beherbergen durften, habe sich dies jedoch nicht in einem Plus an Übernachtungen niedergeschlagen.

Der durch Corona bedingte steigende Tagestourismus wurde auch gerade in der virtuellen Sitzung des Arbeitskreises Tourismus im Landkreis Verden thematisiert. Fahrland ist dort ebenfalls Mitglied. Wegen der fehlenden Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten sei die Wertschöpfung im vergangenen Jahr nicht so hoch gewesen wie sonst. Eine entsprechende Untersuchung aus dem Jahr 2015 hatte laut Fahrland ergeben, dass die Wertschöpfung für die Kommunen von Hannoversch-Münden bis Bremen durch Radwanderer (6,5 Millionen Euro) und Tagestouristen (1,45 Millionen Euro) fast 8 Millionen Euro beträgt.

Im Gegensatz zum Landkreis Verden haben die Nienburger bereits 2012 ein eigenes solarbetriebenes Radzählgerät angeschafft. 2015 und 2017 wurde auch noch am Schleusenkanal in Etelsen gezählt, die Tourismus-Marketing Niedersachsen (TMN) hatte dort ein Messgerät installiert. 55.000 Pedalritter wurden damals auf der Hauptroute gezählt. Analog dazu wurde auch an der gegenüberliegenden Alternativ-Route mehrmals im Jahr über einen längeren Zeitraum eine mobile Zählstelle aufgestellt.

Rainer Gehrke, Tourismus-Beauftragter im Dörverdener Rathaus, will künftig auf die Montage von kostspieligen Zählgeräten am Weserwehr verzichten. „Ein eigenfinanziertes Gerät wurde uns durch Vandalismus zerstört, das andere gestohlen“, erzählt er. Um Dörverden, das sich an der Alternativ-Route befindet, künftig noch attraktiver für Radtouristen zu machen, will die Gemeinde in Kooperation mit der Mittelweser-Touristik einen Ortsrundgang sowie eine Gäste-Information entwickeln.

„Vor zehn Jahren war der Weser-Radweg einmal auf Platz sechs abgerutscht, danach wurde dann eine großangelegte Qualitäts-Offensive gestartet, unter anderem die Beschilderung verbessert, Info-Tafeln aufgestellt und Zählgeräte installiert“, blickt Fahrland zurück. Mit Erfolg – der Radweg wurde später vom ADFC als Vier-Sterne-Qualitätsroute ausgezeichnet.

Die Beschilderung gilt nach wie vor als beliebteste Orientierungshilfe. Obwohl die Weser-Radweg-App bereits über 70.000 Mal heruntergeladen wurde, hält Fahrland die Zukunft der guten alten Radwanderkarte weiterhin für gesichert. „Ich persönlich habe immer noch gerne ein Stück Papier in der Hand“, sagt er.

Neben dem Radtourismus haben die heimischen Touristiker noch zwei weitere Trends im Corona-Jahr 2020 ausgemacht, und zwar einen Camping-Boom sowie steigende Verkaufszahlen bei Wohnmobilen. Noch nie sei Urlaub im eigenen Land so gefragt gewesen wie aktuell. „Wir dürfen uns jetzt bloß nicht zurücklehnen und müssen immer weiter an der Qualität und Infrastruktur arbeiten“, betont Fahrland.

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