Bei den Holz- und Waldtagen in Heins waren Vorführungen mit Holzhackern oder großen Harvestern die Hits Wie Baumstämme zu Streichhölzern werden

Kirchlinteln-Heins. Bei den Holz- und Waldtagen in Heins ging es am Wochenende hoch her. Etliche Besucher waren gekommen, um sich über den Wald im Allgemeinen und über Holz im Speziellen zu informieren. Vorführungen mit Holzhackern oder großen Harvester-Forstmaschinen waren die Publikumsmagneten.
05.09.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von stephan holste

Kirchlinteln-Heins. Bei den Holz- und Waldtagen in Heins ging es am Wochenende hoch her. Etliche Besucher waren gekommen, um sich über den Wald im Allgemeinen und über Holz im Speziellen zu informieren. Vorführungen mit Holzhackern oder großen Harvester-Forstmaschinen waren die Publikumsmagneten.

Beim Betreten des Geländes wurden die Besucheraufs Thema Holz eingestimmt, mussten sie doch durch zwei mit langen Baumstämmen beladene Lastwagen hindurchgehen. Organisator Heinrich Luttmann von der forstwirtschaftlichen Vereinigung "Hohe Heide": "Viele Menschen wissen nicht, welche enorme Bedeutung der private Wald hat. Gerade hier in der Region macht der Anteil 75 Prozent aus. Und genau darüber wollen wir hier aufklären."

Schon die ersten beiden Veranstaltungen 2006 und 2009 seien mit über 5000 Besuchern ein voller Erfolg gewesen. Die Schirmherrschaft hatte der Niedersächsische Ministerpräsident David McAllister übernommen. Dessen Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, Friedrich-Otto Ripke, eröffnete die Veranstaltung am Sonnabend.

Viele Aussteller nutzten die Gelegenheit, ihre Produkte auf dem weitläufigen Gelände in Groß Heins vorzustellen. Im Mittelpunkt standen unter anderem Biomasseheizungen samt ihrem Brennstoff Holzpellets, die aus gepressten Sägespänen bestehen. Jürgen Stelow, Abteilungsleiter bei Raiffeisen: "Pellets haben lange keine weitere Beachtung gefunden, bis einige Einfamilienhaus-Besitzer auf die Idee gekommen sind, damit zu heizen." Heutzutage seien Pelletheizungen nicht nur in privaten Haushalten zu finden, sondern auch in der Industrie, der Landwirtschaft und den Kommunen beliebt. Längst würden Schulen und Kindergärten von Pelletheizungen mit Wärme versorgen.

"Verglichen mit Heizöl, dessen Marktpreis zurzeit bei etwa 70 Cent je Liter liegt, kann man mit Pellets die gleiche Wärmemenge für 0,45 Euro erzeugen", so der Fachmann. Hinzu komme, dass Heizöl mit 19 Prozent versteuert werden, Pellets hingegen nur mit sieben Prozent. Somit seien die zu den regenerativen Energien zählenden Holzpellets eine echte Alternative zu den fossilen Brennstoffen wie Heizöl, Gas und Kohle. Das sei auch bei den Kunden angekommen, denn seit acht Jahren beobachtet der Abteilungsleiter eine steigende Tendenz auf diesem Sektor. "Wir haben mit den Pellets eine sinnvolle Weiterverarbeitung der Sägespäne erreicht. Und die Pellets-Heizungen funktionieren vollautomatisch, da muss nichts nachgelegt werden, wie es zum Beispiel bei den Stückholzöfen der Fall ist."

Ebenfalls um Biomasse ging es bei Sven Steggemeier. Viele Zuschauer fanden sich an seiner Maschine ein, als er mit einem 1040 PS starken MAN-Fahrzeug demonstrierte, wie Hackschnitzel hergestellt werden, die ebenfalls verheizt werden können. "Mit dieser Maschine können Bäume mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern gehäckselt werden", erklärte er. Mit einem Krahn führte er eine Ladung Baumstämme in den Hacker ein. Unter ohrenbetäubendem Lärm zerkleinerte die Maschine die Baumstämme, als seien es Streichhölzer. Als ganze Stämme eingezogen, wurden sie als kleine Holzstückchen ausgeworfen. "Die Maschine schafft einen Durchsatz von 300 Schüttraummeter und kostet 400000 Euro. Das ist also eher was für Lohnunternehmer", sagt Steggemeier.

Von den speziellen Holzhacker-Maschinen waren einige Exemplare unterschiedlichster Ausführung auf dem Gelände verteilt zu sehen - ganz zur Freude der Besucher.

Eine für den Forstbetrieb wichtige Maschine stellt der Harvester dar, der ebenfalls auf den Wald- und Holztagen in Aktion zu sehen war. "Mit dieser Maschine durchforsten wir die Wälder", sagte Fahrer Patrick Schünemann. Der Harvester sei eine große Hilfe bei der Waldarbeit und erledige Arbeiten, die vor Zeiten noch langwierig waren, nahezu im Sekundentakt. "Ich greife den Baum, säge ihn ab, ziehe den Stamm durch, entaste ihn, messe ihn, länge ihn ab, und lege den Stamm am Wegesrand für die Abholung ab", sagt Schünemann. Er sei gerne Harvesterfahrer, "da arbeitet man in der freien Natur", sagte er.

Auch das Dörverdener Wolfcenter war vor Ort. Die Mitarbeiterinnen Andrea Ball und Janika Eckhardt informierten über das in seiner natürlichen Umgebung in Rudeln lebende Tier. "Wölfe könnten in Deutschland durchaus leben", erklärten sie.

Besucher, die es nach den Vorführungen der großen Maschinen etwas ruhiger mochten, begaben sich in das große Zelt, wo die Forstbetriebe über ihre Arbeit informierten. Organigramme und Diagramme gaben Aufschluss darüber, welche Organisation wofür zuständig ist, und wie der Waldbestand in Niedersachsen zahlenmäßig aussieht. Immerhin gebe es im Heidekreises Soltau, im Altkreis Rotenburg und im Kreis Verden etwa 3800 Waldbesitzer. Die Waldfläche umfasse 56 Hektar, wobei die Kiefer den größten Anteil habe, gefolgt von der Fichte.

Abseits von Wald und Holz amüsierten sich die Kinder beim "Aqua Ride". In bunten Bällen liefen sie übers Wasser, und hatten ihren Spaß. Erwachsene hingegen konnten zur Flinte greifen und waren so im Schießkino bei einer Treibjagd dabei. Sowohl für Kinder als auch für die Erwachsenen interessant war der Fällsimulator, der den Einsatz des Harvesters bei der Waldarbeit simulierte.

Wann die nächsten Wald- und Holztage ausgerichtet werden, weiß Heinrich Luttmann noch nicht. "Das entscheiden wir im Anschluss an die Veranstaltung."

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