Wählergruppe ist in Hönisch Nummer Eins Wo Parteien keine Chance haben

Seit ihrer Gründung 1991 regiert die Wählergruppe Hönisch im Ortsrat Hönisch unangefochten. Bei der Kommunalwahl im September erzielte sie gar 100 Prozent der abgegebenen Stimmen. Ein Ortsbesuch.
28.09.2016, 00:00
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Wo Parteien keine Chance haben
Von Andreas Becker

Seit ihrer Gründung 1991 regiert die Wählergruppe Hönisch im Ortsrat Hönisch unangefochten. Bei der Kommunalwahl im September erzielte sie gar 100 Prozent der abgegebenen Stimmen. Ein Ortsbesuch.

„Das war von vornherein ein Ziel bei der Gründung der WGH. Man darf in einer Partei sein, aber keine parteipolitischen Interessen vertreten“, sagt Marlies Hennekes, erste Ortsbürgermeisterin der WGH bis 2000. Der Grundgedanke sei gewesen, die Parteien in der Ortschaft möglichst aufzulösen und nur noch an den Sachthemen zu arbeiten. Entstanden sei die Wählergruppe aus der Initiative Hönscher Dörpslüe, die damals das Dorfleben mit Kultur und anderen Aktionen beleben wollten.

Schlechte Stimmung führte zu Gründung

Wie sich Wolf Hertz-Kleptow erinnert, habe damals auch die schlechte Stimmung im Ortsrat dazu beigetragen, dass die WGH aus der Taufe gehoben wurde. „SPD und CDU hatten eine spezielle Art des Umgangs miteinander. Das heißt, der Ton war ziemlich rüde, beide Parteien bekamen keine Kandidatenliste mehr zusammen, und die Bereitschaft zur Arbeit im Ortsrat war kaum noch ausgeprägt“, schildert Hertz-Kleptow die Atmosphäre im Ortsrat zurzeit der Gründung der Wählergruppe. In dem Gremium seien zu der Zeit nur noch wenige Politiker wirklich aktiv gewesen.

Daraufhin sei dann von den Mitgliedern der späteren Wählergruppe die Idee entwickelt worden, eine Alternative auf die Beine zu stellen, aber die Parteipolitik herauszuhalten. Mit Erfolg: Bei der ersten Wahl holte die WGH aus dem Stand etwa 64 Prozent der Stimmen. Bei der Wahl danach seien es dann schon mehr als 80 Prozent geworden.

Im Laufe der Jahre habe es zwar auch eigene Kandidatenlisten der SPD, der Grünen und der FDP gegeben, von langer Dauer seien solche Versuche jedoch nicht gewesen. „Stattdessen gab es aus der WGH Signale, dass wir gern Politiker aus anderen Parteien aufnehmen, die keine extremen Ansichten verfolgen“, sagt Hertz-Kleptow. Das habe sich bewährt. „1100 Stimmen bei einer Kommunalwahl zu bekommen, ist doch ein schönes Ergebnis. Außerdem kann sich die Wahlbeteiligung in Hönisch sehen lassen“, erzählt der Ortsbürgermeister stolz. Von Politikverdrossenheit also keine Spur.

„Es ist immer so gewesen, dass Mitglieder im Ortsrat Hönisch gleichzeitig für eine Partei im Stadtrat Verden gesessen haben. Das haben wir immer für gut befunden, weil es eine enge Verbindung zwischen den beiden Gremien bedeutet“, betont Marlies Hennekes. Überhaupt sei die WGH möglichst offen und für Jung und Alt sowie alle gesellschaftlichen Gruppen.

Durchaus unterschiedliche Meinungen

Nur Parteistrukturen wollen die Aktiven nicht haben. „So etwas wie Fraktionszwang hat in einem Ortsrat überhaupt keinen Sinn“, ist Marlies Hennekes überzeugt. Die nach außen verkörperte Einigkeit bedeute jedoch nicht, dass es innerhalb der Wählergruppe keine unterschiedlichen Meinungen geben dürfe. „Es gibt aber keine Konflikte, das liegt daran, wie wir miteinander umgehen“, erzählt Wolf Hertz-Kleptow. Es gebe einen Aufgabenkatalog, dessen Inhalte abgesprochen und delegiert würden. Alle acht Wochen kämen die Mitglieder zusammen und diskutierten – durchaus auch kontrovers. „Diskurs und Konsens, das ist unser Motto“, so der Ortsbürgermeister. Ansonsten orientiere man sich an den Erfordernissen des Ortes, das können Neubaugebiete sein oder auch nur ein „Pad“ in den Ortskern.

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