Investitionen trotz Corona

Trotz Corona: Unternehmen investieren in die Zukunft

Drei Unternehmer und ein Gastronomenpaar berichten, warum und wie sie trotz Corona-Pandemie in die Zukunft ihrer Geschäftsmodelle investiert haben. Dabei wird die Krise einhellig als Chance wahrgenommen.
18.04.2021, 15:49
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Gisela Enders
Trotz Corona: Unternehmen investieren in die Zukunft

Haben in der Pandemie in Auslieferungsfahrzeuge investiert: Walter Franzmeier und Karen Dippe vom Dörverdener Gemüseabo.

Björn Hake

Die Pandemie einfach auszusitzen und abzuwarten, was sich am Ende ergibt, ist eine Möglichkeit, mit den bestehenden Einschränkungen umzugehen. Zahlreiche Unternehmen in der Region verstehen die Situation jedoch als Chance. Sie verwirklichen Ideen, die während des laufenden Geschäftsbetriebs nicht umzusetzen wären und investieren, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Daniel Manz zum Beispiel glaubt, profitieren zu können in einer Zeit, in der die Gastronomie geschlossen ist. Vor etwa eineinhalb Jahren zog er sich aus dem Tourneegeschäft zurück, das ihn als Veranstalter klassischer Konzerte rund um die Welt brachte. Mit kleinen Kindern sei das nicht der richtige Job, glaubt der gebürtige Ottersberger und pachtete kurzerhand einen Kiosk in seinem Heimatort. Seit 1968 von wechselnden Betreibern geführt, war die Bude, wie er den Laden liebevoll nennt, aufgegeben worden und wartete darauf, erneut zum Leben erweckt zu werden. Bevor sich der 40-Jährige in das branchenfremde Metier begab, ließ er sich beraten und erhielt über ein funktionierendes Netzwerk viele Informationen. Auch von Berlin aus, seinem letzten Wohnsitz, habe das geklappt, berichtet er und spricht von 50.000 Euro, die er locker machen musste, um „wirklich alles zu erneuern“.

Interessante Konzepte

Das Konzept, das dem Betrieb von Daniel Manz zugrunde liegt, ist absolut nicht alltäglich. So verwendet er für seine Burger-Kreationen nur Fleisch, das ein ihm bekannter Bauer liefert. Und auch das „Beiwerk“, mit dem er die leckeren Patties belegt, ist keineswegs obligat. Die Version „Bella Italia“ punktet beispielsweise mit saftigem Charolais und Parmaschinken. Fleischtomaten, Mozzarella, Parmesan, Artischocken, getrocknete Tomaten und selbst gemachtes Pesto sind weitere Zutaten. Gebettet wird das mehrstöckige Werk in Brioches, die in Fischerhude entstehen. Auch Vegetarier kommen beim „Burgermeister“ nicht zu kurz: in einer Beyond-Version wird das Rind durch Erbsenproteine ersetzt.

Walter Franzmeier ist Germanist, seine Frau Politologin. Gemeinsam verließ das Paar am Ende des vergangenen Jahrhunderts die eingeschlagenen Berufswege und gründete das „Gemüseabo“, das sich der Versorgung seiner Kunden mit gesunden Nahrungsmitteln verschrieben hat. Zunächst beschränkte sich das Angebot auf die Lieferung von Grünzeug aus umliegenden Bio-Höfen, erklärt der Unternehmer, der von Dörverden aus agiert. Mittlerweile finden sich jedoch unzählige weitere Produkte im Angebot des Onlineshops. Neben Brot und Milchprodukten gehören auch Fleisch, Getränke und Non-Food-Artikel zum Sortiment.

„Wir haben während Corona in Fahrzeuge investiert“, beschreibt Franzmeier seine Strategie, mit der erhöhten Nachfrage umzugehen. 2500 Kunden befinden sich in der Datenbank, geliefert wird außer am Montag an allen Wochentagen in einem Radius von 50 Kilometern. Den Mindestbestellwert hat er auf 25 Euro festgelegt, Lieferung und Bezahlung erfolgen kontaktlos. „Unsere 40 Mitarbeiter sind trotz des erhöhten Arbeitsaufkommens sehr motiviert, beschreibt Franzmeier die Situation, zu der seiner Ansicht nach ein wertschätzender Umgang miteinander beiträgt.

Nägel mit Köpfen gemacht

Im Dezember hätten sie den Entschluss gefasst, endlich „Nägel mit Köpfen“ zu machen, berichten Merima und Miralem Bosnjac, die das „Adriatic fish + grill“ an der Achimer Obernstraße betreiben. Schon länger hätten sie sich Gedanken darüber gemacht, wie man dem nicht mehr ganz zeitgemäßen Restaurant ein stimmiges Äußeres verleihen könnte, seien jedoch immer wieder am Faktor Zeit gescheitert. Zwei Monate mindestens, sind sich die Gastronomen sicher, hätten sie ihr Lokal schließen müssen. Eine Spanne, in der die Umsätze ersatzlos weggebrochen wären. Die Pandemie habe sie nun dazu bewogen, endlich Hand anzulegen, was in diesem Fall wörtlich zu verstehen ist. So hat das Paar in Eigenarbeit Teppichböden herausgerissen, Tapeten abgelöst und das alte Mobiliar aus den Räumen entfernt. Die Neuausrichtung indes wird Profis überlassen, Erspartes und Fördergelder machen den Totalumbau möglich. Obwohl das Restaurant selbst entkernt ist, läuft der Außer-Haus-Verkauf in vollem Umfang weiter, erklären die Eheleute, die sich sehr auf die Wiedereröffnung freuen.

Entspannung auf der Weser

„Unser Einstieg in die Bootsvermietung verlief reibungslos“, beschreibt Felix Weder das im vergangenen Sommer gestartete Projekt am Uesener Yachthafen. Gemeinsam mit seinem Partner André Gostomczyk hatte er die Idee, Wasserratten auch ohne eigenem Boot entspannte Stunden auf der Weser zu ermöglichen. Während der Sommermonate seien sie auch an Tagen mit bewölktem Himmel fast immer ausgebucht gewesen, berichten die Jungunternehmer von ihren Erfolgen. Nun haben sie Lust auf mehr und vier weitere Exemplare angeschafft. „Zwei davon stehen wiederum führerscheinfrei zur Verfügung“, berichtet Weder, „für die anderen beiden muss eine Fahrerlaubnis nachgewiesen werden“. Voller Optimismus blicken beide in die Zukunft und verweisen für eine Reservierung auf ihren Buchungskalender im Internet. Als erfolgreich habe sich im Übrigen auch die Kooperation mit dem Restaurant Bootshaus erwiesen, denn dort könne man im Anschluss an den Trip auf dem Wasser gemeinsam Erlebtes Revue passieren lassen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+