Viert- und Fünftklässler der Freien Schule lernten die schwere körperliche Arbeit früherer Zeiten kennen Zum Torfstechen in das Verdener Moor

Kirchlinteln-Kükenmoor. Harte Arbeit war kürzlich angesagt für Schülerinnen und Schüler der Freien Schule Verden. Neun Viert- und Fünftklässler waren auf dem Gelände des Moorkiekers in Kükenmoor und erlebten, wie beschwerlich es früher war, Torf zu stechen.
16.10.2010, 05:00
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Von Hermann Meyer

Kirchlinteln-Kükenmoor. Harte Arbeit war kürzlich angesagt für Schülerinnen und Schüler der Freien Schule Verden. Neun Viert- und Fünftklässler waren auf dem Gelände des Moorkiekers in Kükenmoor und erlebten, wie beschwerlich es früher war, Torf zu stechen.

Unter Anleitung von Ursula Hahn aus Verdenermoor wurden von den Kindern Torfsoden gestochen und anschließend mit der Schiebkarre zum Trocknungsort gebracht. Zum Trocknen wurden die Torfsoden pyramidenförmig 'aufgeringelt', wie es in der Fachsprache heißt. Für den fachgerechten Torfstich in terrassenförmigen Stufen verwendeten die Kinder unter anderem auch Original-Werkzeuge aus vergangenen Zeiten.

Friedel Scharninghausen aus Verdener- moor hat nach und nach ein kleines Museum mit alten Gerätschaften auf dem Bauernhof eingerichtet. Zu den Kunst- und Kulturtagen am 21. und 22. August in der Gemeinde hatte er die Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert.

'Die Kinder waren begeistert und haben sich richtig ausgetobt', freute Schwiegertochter Susanne Scharninghausen, auf deren Initiative die Schüleraktion stattfand. Im Vorfeld hatten sich die Jungen und Mädchen im Unterricht schon mit dem Thema Torf und Moor auseinandergesetzt. 'Das behalten sie jetzt auch viel besser, weil sie praktisch daran weitergearbeitet haben', so Susanne Scharninghausen, deren Sohn auch die Freie Schule besucht. Eine Lehrerin will im Kunstunterricht zusammen mit den Kindern eine Torfglasur herstellen und damit eine Figur einstreichen, die auf dem Moorkieker aufgestellt werden soll. Zumindest ein weiterer Besuch der Kinder im Verdener Moor ist noch geplant: Zusammen mit dem NABU soll eine Besichtigung des England-Sees erfolgen.

Der aufgeringelte Torf soll als Anschauungsmaterial auf dem Moorkiekergelände stehen bleiben. Informationstafeln sollen daran erinnern, wie die Arbeit des Torfstechens vonstatten ging, wie die Torfsoden getrocknet und aus dem Moor gebracht wurden, um später in den Öfen der Verdener Häuser verbrannt zu werden und für wohlige Wärme zu sorgen.

Nützlich und sinnvoll, so Scharninghausen, wären auch Informationen über das Verdener Moor im Zweiten Weltkrieg und in der Zeit danach. Im Krieg gab es dort ein Lager für Kriegsgefangene, die im Moor Torf stechen mussten. Nach der Befreiung durch die Engländer im April 1945 wurde das Lager dann nach längerer Zeit des Leerstands der Verdener Arbeiterwohlfahrt überlassen, die daraus ein Ferienlager machte. In den sogenannten Nissenbaracken wurden die Jungen und Mädchen aus den Städten verköstigt. Bis in die 1950er Jahre hinein kamen Kinder nach Verdenermoor, bis die Arbeiterwohlfahrt in der Hasenheide bei Hohenaverbergen eine neue Heimat fand und dort ein Ferienlager einrichtete.

Ein anschauliches Bild über das Leben der Kinder im Ferienlager Verdener Moor gibt der Brief eines zehnjährigen Jungen: 'Am 15. Juli 1949 durfte ich mit ins Lager. Da begann eine herrliche Zeit. Noch schöner und besser war die Verpflegung, es gab von allem reichlich und gut, besser wie es die Eltern zu Hause geben konnten. Ich habe in den 14 Tagen sechs Pfund zugenommen. Jeden Tag sind wir in den Wald gegangen und haben Höhlen und Fallgruben gebaut, fast jeden Tag haben wir Frau Riegel in die Fallgrube gelockt, das hat viel Spaß gemacht. Wenn die Fallgruben nicht eingestürzt sind, so sind sie heute noch vorhanden. Ich kann nur immer sagen, daß es eine wunderbare Zeit war, und ich möchte jeden Tag wieder ins Lager!'

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