Sperrung der L 875 Auf Umwegen nach Motzen

Die Motzener Straße wird über Wochen gesperrt. Der Schwerlastverkehr muss weiträumig ausweichen. Pkw werden örtlich umgeleitet. Ortsansässige Betriebe reagieren mit geänderten Ablieferungsterminen.
09.09.2018, 17:39
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Auf Umwegen nach Motzen
Von Barbara Wenke

Motzen. Die Landesstraße 875 (Motzener Straße) wird ab Montag, 10. September, für zwei Wochen voll gesperrt. Grund sind Straßenarbeiten, um die im Bau befindliche Berner Ortsumgehung (B 212) an die Landesstraße anzuschließen. Der Verkehr wird über verschiedene Strecken umgeleitet. Entsprechende Schilder weisen Pendler bereits seit einigen Tagen auf die anstehenden Veränderungen hin.

In der vergangenen Woche hat die Baufirma die Maßnahme vorbereitet. Ihre Mitarbeiter setzten unter anderem die Kantsteine für neue Verkehrsinseln. Eine Ampel regelte derweil den Verkehr auf der beeinträchtigten Motzener Straße. Am Montag ist damit Schluss. Ab dem 10. September geht beziehungsweise fährt auf der Strecke zwischen dem Abzweig Industriestraße und der Deichstraße nichts mehr.

Lastkraftwagenfahrer, die aus Richtung Bookholzberg kommen, werden bereits am Dreimädelhaus in Krögerdorf über die Umleitung via Berne und die Fährstellen in Farge und Blumenthal informiert. Wer sich über den Hinweis hinwegsetzt und geradeaus fährt, steht in Höhe der Industriestraße vor einer Wand aus Baken. "Das ist aber kein Problem", sagt Andreas Hoppe, der zuständige Sachbearbeiter im Kreishaus in Brake, "die Lastwagen können von dort zur Fähre in Lemwerder weiterfahren".

Schwieriger verhält es sich in der Gegenrichtung. "Wer in Blumenthal mit dem Lkw erst einmal bis zum Fähranleger vorgefahren ist, hat keine Möglichkeit mehr zu wenden", schildert Andreas Bettray die Situation. Der Geschäftsführer der Gesellschaft Fähren Bremen-Stedingen befürchtet, dass diese Situation eintreffen könnte, denn auf Nordbremer Seite wurde kein Hinweisschild vor dem Deichschart platziert. Bettray versichert aber, dass sich sein Unternehmen kulant verhalten wird. "Wer aus Unwissenheit über die Fähre fährt und in Motzen dreht, dem bieten wir die Möglichkeit der kostenlosen Rückfahrt."

In Motzen endet für Lastwagen mit einem Gewicht von mehr als neun Tonnen am Deichschart die Weiterfahrt. Einzig die Zufahrt zu den Betrieben direkt an der Weser ist möglich. Trotz des fehlenden Hinweises auf Blumenthaler Seite rechnet Andreas Bettray nur mit wenigen "Falschfahrern". "Wir haben die Spediteure, von denen wir wissen, dass sie unsere Fährstelle in Motzen nutzen, gezielt angeschrieben." Außerdem verweist die Homepage der Fährgesellschaft seit zwei Wochen auf die anstehende Straßensperrung.

Mark Fresen und Dirk Krämer, die auf der Fähre "Stedingen" zwischen Blumenthal und Motzen arbeiten, bestätigen, dass die Lastwagenfahrer gut informiert sind. "Von denen kommen überhaupt keine Fragen. Die wissen Bescheid", berichtet Fresen. "Nur die Autofahrer fragen, ob sie fahren dürften." Kollege Krämer fragt sich, ob es eindeutiger gewesen wäre, wenn der Warnhinweis, der direkt am Fähranleger in Blumenthal aufgestellt wurde, ein wenig anders formuliert worden wäre. "Vielleicht hätte es besser geheißen, dass die Motzener Straße gesperrt ist und für Lkw keine Umleitungsmöglichkeit besteht."

Der Personenverkehr wird über die Deichstraße in Richtung Lemwerder abgeleitet. In Höhe des Ritzenbütteler Sandes können die Autos auf die Industriestraße abbiegen und von dort aus weiter nach Krögerdorf fahren.

Auch die außendeichs ansässigen Betriebe bereiten sich seit Wochen auf die anstehende Straßensperrung vor. "Wir haben Großtransporte nach vorne oder hinten geschoben", berichtet Achim Rengstorf aus der kaufmännischen Abteilung der Firma Fassmer. Insbesondere für die Windkraftkomponenten mit Überbreite seien neue Ablieferungstermine vereinbart worden. Rund zwei Drittel ihrer Zulieferer erreichten das Betriebsgelände über die Autobahn 29 und somit über Bookholzberg, sagt Rengstorf. Mit einer E-Mail habe das Unternehmen die Lieferanten vorgewarnt. Deshalb werden diese nun vermutlich kleinere Wagen einsetzen.

Damit dürfte sich die Befürchtung vieler Deichstraßen-Anwohner bewahrheiten. Vor ihrer Haustür wird sich der Verkehr in den kommenden Wochen vermehren. Lastwagen bis zu einem Gewicht von neun Tonnen sind erlaubt. Schwerere Fahrzeuge müssen den Umweg über Bremen-Nord nehmen. Bis auf die Betonmischer des am Motzener Fähranleger ansässigen Unternehmens Nordenhamer Transportbeton (NTB). "Wir haben eine Ausnahmegenehmigung für die Deichstraße erhalten", sagt NTB-Geschäftsführer Albrecht Gohr. Mit leeren Fahrzeugen, die nicht mehr als 16 Tonnen wiegen, dürfen die NTB-Fahrer die Deichstraße nutzen. Alles andere sei nicht praktikabel gewesen, betont Gohr. "Wir müssen jetzt zu unserem Werk nach Nordenham, aber wir hätten mit dem Beton nicht über die Fähren fahren können. Das dauert zu lange."

Gohr freut sich, dass für sein Unternehmen in den kommenden Tagen ein Auftrag an der Industriestraße in Ganspe ansteht. "Bei Fischer und Plath werden Pfähle für das neue Logistikzentrum gerammt. Dahin können wir noch liefern." Und Selbstabholer bis neun Tonnen Gewicht könnten ebenfalls noch bedient werden. Gohr: Wir brauchen das Werk in Motzen nicht zu schließen."

Damit sich die Berufskraftfahrer an die ausgeschilderte Umleitung halten, habe die Kreisverwaltung polizeiliche Verstärkung angefordert, sagt Andreas Hoppe. "Das kann ein örtliches Kommissariat nicht leisten." Er hofft, dass in den nächsten Wochen sowohl in Motzen als auch in Ranzenbüttel vermehrt Kontrollen stattfinden.

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