Stedinger RFV Sturmvogel Berne

Junges Pferd trotzt fehlender Routine

Hendrik Sosath überrascht mit seinem erst neunjährigen Hengst Casino Grande bei der DM
08.06.2021, 12:14
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann
Junges Pferd trotzt fehlender Routine

Vor zwei Jahren hatte sich der Berner Hendrik Sosath bei den deutschen Meisterschaften noch die Bronzemedaille gesichert.

Friso Gentsch/DPA

Bernes Hendrik Sosath vom Stedinger RFV Sturmvogel Berne hat einen ordentlichen zwölften Platz bei den Deutschen Meisterschaften der Springreiter in Balve belegt. Dazu trug auch sein elfter Rang im finalen S****-Springen auf seinem neunjährigen Oldenburger Hengst Casino Grande bei. Nach nur einem Strafpunkt im ersten Umlauf wegen einer kleinen Zeitüberschreitung erlaubte sich der 33-Jährige im zweiten Umlauf sechs Strafpunkte in einer Zeit von 62,11 Sekunden.

Bei einem S****-Springen gibt es bis zu 1,60 Zentimeter hohe Hindernisse. „Das sind noch einmal zehn Zentimeter mehr als bei einem S**-Springen, das ich bis dato mit Casino Grande gegangen war“, informierte Hendrik Sosath. Bei einem S****-Springen handele es sich um die schwerste Prüfung, die es im Springsport überhaupt gebe. „Das ist schon sehr anspruchsvoll. An solche Prüfungen geht man sonst nur mit zehnjährigen und älteren Pferden heran“, betonte der Sohn von Gerd Sosath. Casino Grande war auch nicht gerade überraschend das jüngste Pferd im Feld der DM-Kandidaten.

„Casino Grande hat es super gemacht“, schwärmte Sosath. Dieser habe sich auch nur mit dem Hengst an das Finalspringen herangetraut, weil dieser bereits zwei Tage zuvor einen starken Eindruck hinterlassen habe. Bereits in der ersten Wertungsprüfung im Rahmen der DM, ebenfalls ein S****-Springen, waren  Sosath und Casino Grande platziert. Auch hier kassierte der 33-Jährige im ersten Umlauf in 75,66 Sekunden einen Strafpunkt für eine Zeitüberschreitung. Im zweiten Umlauf gab es dann erneut sechs Strafpunkte. Dennoch langte es auf Position 14 immer noch zu einer Schleife.

Etwas mehr Hoffnungen hatte Sosath in seinen bereits etwas erfahreneren Hengst Casino Berlin OLD gesetzt. Doch nach neun Strafpunkten im ersten Umlauf gab der Familienvater auf dem 13-jährigen Oldenburger im zweiten Umlauf auf und verpasste somit mit diesem Pferd die Qualifikation für das finale Springen.

„Casino Berlin ist zu wenig in diesem Jahr gegangen. Deshalb war er nicht so gut in Schuss“, nahm Hendrik Sosath den Oldenburger Hengst in Schutz. Nur die besten 25 besten Kombinationen aus Pferd und Reiter schafften den Sprung ins Finalspringen.

Der Mannschafts-Goldmedaillengewinner der Olympischen Spiele 2000 in Sydney, Marcus Ehning, gewann zwar beide S****-Springen. Da dies jedoch auf zwei unterschiedlichen Pferden geschah, musste der Routinier sich am Ende mit Rang vier in der DM-Endabrechnung begnügen. „Wenn man so wie ich viel auf internationalen Turnieren unterwegs ist, kennt man solche Leute schon sehr gut“, wies Hendrik Sosath darauf hin, dass er mit den „Stars“ der deutschen Springreiter-Szene keine Berührungsängste hat.

Der Schützling von Tjark Nagel, Tobias Meyer, lieferte sich auf Greatest Boy H ein Stechen um die Goldmedaille mit Maximilian Weishaupt vom RFV Jettingen auf Omerta Incipit. Nur diese beiden Reiter waren mit ihren Pferden in allen vier Runden ohne Abwurf geblieben. Der in Frisoythe einen eigenen Stall betreibende Meyer setzte sich dabei gegen den jüngeren Bruder des Beerbaum-Stalljockeys Philipp Weishaupt durch. Es waren aber nicht alle Topreiter aus der Bundesrepublik mit von der Partie. Fünf Springreiter nahmen alleine am Nationenpreis in der Schweiz teil.

„Die Teilnahme ist für die betreffenden Reiter verpflichtend“, gab Hendrik Sosath zu bedenken, der im Jahre 2019 noch die Bronzemedaille bei der DM ergattert hatte. Angesichts von 20 Stationen auf dieser Tour im Sommer gebe keine Möglichkeit, eine Terminüberschneidung mit der DM zu vermeiden. Ein paar weitere Reiter beteiligten sich zudem lieber an der Global Champions Tour in den Niederlanden.

„Da gibt es mehr Geld zu verdienen“, so Sosath, der vom Bundestrainer persönlich für die Teilnahme an den nationalen Titelkämpfen nominiert worden war. „Ansonsten zählen auch die Ergebnisse der Landesmeisterschaften. Die sind aber ja wegen der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr ausgefallen“, ließ Sosath wissen.

In einem S**-Springen in Balve außerhalb der DM-Wertung verfehlte er auf seinem neunjährigen Hengst Ogano trotz eines fehlerfreien Auftritts in 77,44 Sekunden knapp eine Platzierung. Für eine Schleife hätte Sosath etwa neun Sekunden schneller sein müssen. „Dennoch hat sich mein anderes junges Pferd neben Casino Grande gut gemacht“, erzählte der 33-Jährige. Dieser wird in zwei Wochen bei den Landesmeisterschaften in Cloppenburg starten.

„Ansonsten sind die Planungen gerade sehr schwierig, weil auf der einen Seite immer wieder Veranstaltungen abgesagt werden, für die ich genannt habe und auf der anderen Seite ständig neue dazu kommen“, erklärte Sosath. Auch die Olympischen Spiele würden in dieser Saison so einiges durcheinanderbringen.

Zur Person

Hendrik Sosath (33)

ist schon seit vielen Jahren Mitglied beim Stedinger RFV Sturmvogel Berne. Der Springreiter lebt mit seiner Ehefrau Ninja Sosath und den drei gemeinsamen Kindern Louisa (6), Theodor (3) sowie Johanna Sosath (1) auf dem elterlichen Hof in Lemwerder. Bereits seit vielen Jahren nimmt der Bruder von Springreiterin Janne Sosath-Hahn auch an großen internationalen Turnieren teil und sorgte unter anderem auch bereits beim Hamburger Derby am Himmelfahrts-Wochenende für Furore. Im Jahre 2019 holte er bei den Deutschen Meisterschaften die Bronzemedaille bei den Springreitern. Hendrik Sosath ist der Sohn von Gerd Sosath, der seinen größten Erfolg im Jahre 1997 feierte, als er mit dem von ihm gezogenen und in seinem Besitz befindlichen Hengst Landor S das Bundeschampionat in Warendorf gewann. Gerd Sosath hatte im Jahre 1982 den Hof in Lemwerder von seinen Eltern übernommen. Zusammen mit seinem Sohn Hendrik Sosath betreibt dieser unter anderem eine Hengsthaltung und eine Besamungsstation. Die Familie besitzt mehr als 300 Pferde, die auf der ganzen Welt verteilt sind. KH

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