Geschäftsbericht: Der Dorfladen in Berne Bio am Deich

Anja Buhlmann hat in Berne-Motzen ihre Vision vom Dorfladen der Zukunft realisiert. Einen großen Anteil ihres Sortiments machen Bio-Produkte aus.
03.03.2021, 07:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Bettina Dogs-Prößler

Berne-Motzen. Einmal über die Straße und Anja Buhlmann ist da. An schönen Tagen braucht sie noch nicht einmal eine Jacke. Jahrelang hat sie auf der gegenüberliegenden Seite vor dem Fenster gesessen und sich gefragt, was sie aus diesem Laden machen würde. Nun ist es ihrer. Und Anja Buhlmann macht.

Vor nicht ganz einem Jahr hat Anja Buhlmann im Berner Ortsteil Motzen den Dorfladen am Deich übernommen. Einen in die Jahre gekommenen Tante-Emma-Laden, in dem es das Nötigste gab, das man zum Leben braucht. Ein Anlaufpunkt vor allem für die Älteren im Dorf, weil sie bequem zu Fuß dorthin konnten und denen der höhere Preis für die Lebensmittel nicht ganz so wichtig war. Seit Anja Buhlmann da ist, kommen andere Kunden. Familien mit kleinen Kindern und ernährungsbewusste Singles. Leute aus dem Nachbardorf und Paare aus den neuen Wohngebieten. Denn Anja Buhlmann hat jetzt, was es vorher nicht gab: Biowaren und Naturprodukte, die größtenteils aus der Umgebung stammen.

Ihre Vision vom kleinen Dorfladen der Zukunft geht offenbar auf. Die Mischung aus konventionellen Lebensmitteln und Produkten aus der Region, die fair und nachhaltig produziert werden, spricht auch Kunden an, die vorher nicht den Weg hierher fanden. „Wir verkaufen mittlerweile mehr Bio-Lebensmittel als normale Sachen“, zieht Anja Buhlmann nach nicht mal einem Jahr Bilanz. Dazu Eier und Kartoffeln aus Kühlingen, Wurst aus Altenesch, Kaffee, Milch und Käse aus Bremen. „Die Nachfrage nach solchen Sachen ist da.“

Anja Buhlmann will dieses Segment deshalb noch weiter ausbauen. Seit September vergangenen Jahres macht die studierte Diplom-Kauffrau eine Ausbildung zur Naturkostberaterin; umweltbewusste Kunden will sie so noch besser beraten und nachhaltige Produzenten besser verstehen können. Sie lernt, was hinter ökologisch produzierten Lebensmitteln steckt und warum regionale Produkte besser für die Gesundheit sind. Sie trifft Unternehmer, denen das Tierwohl am Herzen liegt und Landwirte, die sich auf den Anbau ursprünglicher Sorten besinnen. Und sie hat den Austausch mit Menschen, die ähnlich denken wie sie. „Ich finde nämlich, dass die Themen biologisch, regional und nachhaltig heute absolut wichtig sind.“

Weil sie überzeugt davon ist, dass das auch in einem Ort wie Motzen funktioniert, soll das Sortiment nach und nach größer werden. Aber auch, weil immer mehr Kunden danach fragten. „Ich will hier niemandem die Bioglocke überstülpen“, betont sie. „Aber das Feedback auf dieses Angebot ist tatsächlich wirklich gut.“

Es gibt noch so viel, was sich Anja Buhlmann so alles für ihren Dorfladen vorstellen kann. „Es braucht aber alles auch seine Zeit.“ Als Nächstes ist eine Unverpackt-Ecke geplant, um Plastikmüll zu vermeiden; außerdem sollen weitere Produkte regionaler Anbieter dazukommen. Auch eine Käsetheke mit frischem Käse aus der Umgebung hätte die 51-Jährige gern, denn der wird bislang nur vakuumverpackt geliefert. Seit Februar hat sie auf Initiative der Kundschaft außerdem Brot und Kuchen im Angebot – vom Bio-Bäcker aus Vegesack. „Diese Gegend hat ein unglaubliches Potenzial“, ist die 51-Jährige begeistert. „Es gibt hier so viele tolle Dinge, die man anbieten kann.“

Anbieten wollte Anja Buhlmann eigentlich auch Kaffee von einem Röster aus der Region und frischen Kuchen zum Schlemmen direkt im Laden. Ein Start-up aus Oldenburg hatte dafür bereits Tische, Stühle und Bänke in rustikal-moderner Optik gezimmert. Mit einem kleinen Café-Bereich sollte sich ihr Dorfladen auch als Treffpunkt zum Klönschnack oder Zwischenstopp für Radfahrer etablieren. Diesen Plan hat die Corona-Pandemie auf Eis gelegt. Kaffee und Kuchen gibt es vorerst nur zum Mitnehmen.

„Ich glaube schon, dass sich die Kundschaft hier verändert hat“, resümiert Anja Buhlmann. Aber auch von Alteingesessenen bekomme sie positive Rückmeldungen. Ihr zeige das, dass sie auf dem richtigen Weg sei. Doch der, da ist sie sich sicher, wird noch ein gutes Stückchen dauern. „Ich will für alle etwas anbieten. Für die Werftarbeiter und die Touristen, die alteingesessene Kundschaft und die zugezogenen Neubürger. Dass es dabei gern auch mehr Bio sein darf, davon ist sie überzeugt. „Weil ich einfach finde, dass es nur in diese Richtung gehen kann.“

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