Sägewerk in dritter Generation

Mit Leidenschaft für dicke Stämme

Claus Meier führt in dritter Generation in Berne ein Sägewerk
05.06.2021, 11:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulrike Schumacher
Mit Leidenschaft für dicke Stämme

Claus Meyer betreibt in dritter Generation und als letzter ein Sägewerk in Berne.

Christian Kosak

Claus Meier hat wieder einen Haufen Arbeit. Wobei Haufen untertrieben wäre. Wer an Meiers Grundstück in Berne vorbeikommt, kann die vielen wuchtigen Baumstämme, die dort lagern, gar nicht übersehen. Berge an Holz. Die Lieferung ist just gekommen. Stämme von 90 Jahre alten Douglasien und 160 bis 180 Jahre alten Eichen, „Kronenhöhe 40 Meter“, sagt Meier, der in Berne in dritter Generation ein Sägewerk betreibt.

Die Bäume stammen aus einem Forst nahe Hude. Er lege Wert darauf, dass das Holz auf kurzen Wegen zu ihm komme, betont der Sägewerker. Jetzt warten die mächtigen Stammabschnitte darauf, weiterverarbeitet zu werden. Er muss sie auf dem Hof auf die gewünschte Länge kappen und dann mit Kran oder Gabelstapler auf den Schlitten wuchten, der auf Schienen in die Sägerei fährt und unter dem scharfen Sägeblatt hindurchgleitet, das vom Stamm der Länge nach Scheiben abschneidet. Claus Meier liebt diese Arbeit. Auch, wenn sie ihn körperlich fordert. „Klar“, sagt der hochgewachsene kräftige Mann, „büschen zupacken muss man“. Aber es ist noch mehr. Der würzige Duft nach Harz oder das Gleiten der Hände über angerauhte Schnittflächen. „Holz ist ein lebendiges Material und jeder Stamm hat einen anderen Wuchs“, schwärmt Meier. „Da kommt nie Langeweile auf.“ Das reizt ihn. „Und dass man aus dem Holz was Schönes machen kann.“

Seit 1927 gibt es den Betrieb in Berne. Ein Sägewerk war es anfangs nicht. „Mein Großvater hat hier als Stellmacher angefangen“, erzählt Claus Meier. Bis in die 50er-Jahre hinein wurden Wagenräder aus Holz gefertigt. Auch sein Vater habe sich noch zum Stellmachermeister ausbilden lassen. Aber als sich Gummireifen immer mehr durchsetzten, war mit den Holzrädern kein Geschäft mehr zu machen. Drei Jahre lang fertigte der Betrieb noch für DKW- und Lloyd-Kombi-Fahrzeuge Holztüren an, aber dann sattelten Meiers um auf Sägerei. „Damals ging das los, dass Eichen gefällt wurden, um Straßen zu verbreitern“, schildert Claus Meier die Entwicklung. Das Holz wurde dafür genutzt, marode Fachwerkhäuser zu sanieren. Der wirtschaftliche Aufschwung sorgte für einen Bauboom und bescherte der Sägerei Aufträge. Claus Meier, der 1954 geboren wurde, ging 1970 bei einer Zimmerei in die Lehre, bestand später die Meisterprüfung und übernahm 1987 die Sägerei von seinem Vater. Er möchte den Betrieb gern in die vierte Generation übergeben und hat in Hannes Ibbeken, einem jungen Tischler aus Berne, einen Nachfolger gefunden. Die Übergabe sei für den Jahreswechsel angepeilt. Dass er dann die Hände in den Schoß legt – Claus Meier winkt ab. Völlig abwegig. „Ich arbeite weiter, ich hör nicht auf.“ Und mit Nachdruck: „Nee, ich kann nicht nur aus dem Fenster gucken.“

Der junge Nachfolger übernimmt eigentlich ein Museum. In dem gut 200 Jahre alten Gebäude ist auf wohltuende Weise die Zeit stehen geblieben. Die älteste Maschine stammt von 1927 und erinnert wie die Felgenmodelle an den Großvater Dietrich Meier, mit dem hier alles begann. Die alte Sägemaschine aus den 60er-Jahren, ein Horizontal-Gatter, leiste noch gute Arbeit, sagt Claus Meier. "Man muss das Material nur pflegen.“ Jeden Morgen die Lager schmieren und ein frisch geschärftes Sägeblatt einspannen. Seit die Pandemie die Baulust befeuert hat, steht die Säge kaum still. Mit einem Jaulen legt sie los. In Gang gehalten von einer aus Vollguss gefertigten tonnenschweren Schwungscheibe. Mit einem lauten Klack-Klack rattert die Säge nun hin und her und frisst sich so durch den Stamm.

Draußen liegt noch jede Menge Nachschub. Aber gemessen an dem, was vor gut 20 Jahren dort lag, ist dies dann doch nur ein Häuflein. Damals hatte Claus Meier den Auftrag, zur Expo 2000 das Holz für den Bau der Bremer Hansekogge zu liefern. Drei Jahre habe es gedauert, bis das Schiff fertig war. Und vor dem Sägewerk türmten sich die Stämme, „dass nicht mal mehr der Kran drüber passte“. 

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