Kultur findet in Berne an anderen Orten statt

2021 keine Konzerte mehr in Warfleth

Die Corona-Pandemie macht Konzertveranstaltern zu schaffen. In Warfleth hat man deshalb beschlossen, 2021 keine Konzerte mehr im Rahmen der Reihe "Berne bringt..." anzubieten. Kultur gibt es in Berne dennoch.
30.07.2021, 10:00
Lesedauer: 4 Min
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2021 keine Konzerte mehr in Warfleth
Von Barbara Wenke
2021 keine Konzerte mehr in Warfleth

Einziges Konzert 2021 in Warfleth: Elisabeth Champollion und Falko Wermuth spielen am Sonntag, 15. August, ab 19.30 Uhr Lieblingslieder ihrer Gäste.

Gennady Kuznetsov

Warfleth. Nun ist es endgültig. Der Trägerverein der Konzertreihe "Berne bringt..." und die Kirchengemeinde Warfleth haben entschieden, dass in diesem Jahr keine "Berne-bringt ..."-Konzerte in der St.-Marien-Kirche stattfinden werden. "Was in den guten alten Zeiten Pfunde waren, mit denen die Warflether Kirche wuchern konnte – Kuschligkeit und Intimität, die Tuchfühlung mit dem Sitznachbarn und mit den Künstlern und Künstlerinnen – verkehrt sich in diesen Zeiten in sein Gegenteil", bedauert Organisator Reinhard Rakow.

Die Realität in der kleinen Kirche an der Deichstraße beschreibt Rakow wie folgt: enge Bänke, keine Querbelüftung, nur eine einzige Tür für Ein- und Ausgang. Als Konzertort kommt die St.-Marien-Kirche angesichts weiterhin geltender Abstandsgebote bei Innenraumkonzerten und dadurch bedingter niedriger Ausnutzbarkeit des Platzangebotes in Zeiten der Corona-Pandemie nicht in Frage.

Die aktuell zulässige Belegungsquote betrage unverändert 25 Prozent, teilt der Organisator mit. Selbst, wenn sich alle Gäste aus Hausgemeinschaften rekrutierten, und somit in Zweier- oder Dreier-Blocks gruppiert werden könnten, seien nicht mehr als 50 Menschen unterzubringen. Die Musizierenden eingeschlossen.

Ticketkäufer stornieren

Mit Blick auf die derzeit steigenden Inzidenzwerte wollen die Organisatoren nicht riskieren, dass die Warflether Kirche zu einem Corona-Hot-Sport werde. "Wir sind ja nicht bei der Uefa", merkt Rakow mit einem Seitenhieb auf die jüngste paneuropäische Fußball-Europameisterschaft mit teils Zehntausenden Zuschauern in den Stadien sarkastisch an. Aufgrund der pandemischen Lage ist eine Wiederaufnahme des Warflether Konzertlebens nicht vor April 2022 angedacht.

Des Weiteren, räumt Reinhard Rakow ein, sei die Nachfrage sehr verhalten. "Die ersten Interessenten haben wegen der Delta-Variante ihre Bestellungen bereits vor Tagen storniert", teilt der Organisator mit. Eigentlich waren für die Jahre 2020, 2021 und 2022 rund 45 Konzerte vorgesehen. "Wir bemühen uns darum, diese Konzerte auf die Jahre 2022, 2023 und 2024 zu verteilen", schildert Rakow seine derzeitige Arbeit.

Wunschkonzert als Lebenszeichen

Ein Warflether Lebenszeichen möchte Rakow dennoch senden. So treten zwei Lokalmatadoren der Alten Musik außerhalb des "Berne-bringt ..."-Programms in der kleinen Kirche mit dem großen Klang auf. Die künstlerische Leiterin einer Bremer Konzertreihe für Alte Musik, Elisabeth Champollion (Flöten), und der Bremer Popkantor Falko Wermuth (Truhenorgel und Akkordeon) laden für Sonntag, 15. August, 19.30 Uhr, ein zum "Ätsch-Corona!-Wunsch-Konzert". Unter dem Titel "Die Gedanken sind frei" präsentieren sie alte Weisen in neuem Gewand.

Interessierte Gäste können sich via Mail an reinhard-rakow@t-online.de ihre Lieblingslieder für das Programm wünschen. Bisher sind gesetzt Lieder wie "Geh aus mein Herz", "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten" oder "Dat du min Leevsten büst". Aufgrund der Corona-Pandemie müssen sich die Konzertbesucher vorher anmelden. Außerhalb des zugewiesenen Platzes besteht Maskenpflicht und es werden Rückverfolgungslisten geführt. Der Eintritt kostet 25 Euro. Schüler, Azubis, Studierende, Erwerbslose und Alleinerziehende haben freien Eintritt.

Lesungen in der Kulturmühle

Anders als die Warflether Kirche besitzt die Kulturmühle Berne ausreichende Lüftungsmöglichkeiten und getrennte Ein- und Ausgänge, so kann es Kulturveranstaltungen geben. Geplant sind von September bis Dezember zahlreiche Lesungen und Vorträge. Im Rahmen der achten Berner Bücherwochen werden unter anderem drei Bücher von Erwachsenen und vier Bücher von Schülern neu erscheinen. Der Eintritt zu fast allen Veranstaltungen ist frei. Eine Ausnahme: die Lesung mit der Schauspielerin und Autorin Renan Demirkan, die fürs erste November-Wochenende geplant ist.

Vorgesehen sind ferner Vorträge des niedersächsischen Kulturministers Björn Thümler zum Thema "1700 Jahre Judentum in Deutschland", des Pressesprechers der Opferschutzorganisation "Weißer Ring" Karsten Krogmann zum Thema "Hass und Hetze und ihre Opfer" sowie des als "Obdachlosen-Arzt" bekannt gewordenen Trägers der Paracelsus-Medaille Gerhard Trabert zum Thema "Wer arm ist, stirbt früher". Auch für die Bücherwochen-Veranstaltungen sind Anmeldungen vorgeschrieben.

Bereits für Sonnabend, 7. August, lädt Reinhard Rakow zu einer Lyriklesung in die Kulturmühle Berne ein. Unter dem Titel "After School" präsentieren Elisabeth Buschermöhle, Edward Humrich und Rakow einen Abend "mit Gedichten gegen Langeweile", die aus Rakows Feder stammen. Es geht unter anderem um Jugend beziehungsweise um die 1970er Jahre. Im Anschluss an die Lesung diskutiert der Leiter des Geest-Verlages, Alfred Büngen, mit Autor und Publikum. Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Anmeldungen nimmt Rakow unter Telefon 04406/920046 und per Mail an reinhard-rakow@t-online.de entgegen.

Zur Sache

Die Berner Bücherwochen

Vom 11. September bis zum 11. Dezember finden die achten Berner Bücherwochen statt. Initiator Reinhard Rakow nennt sie, "ein bundesweites Fest der Literatur rund ums Wort". 2021 erscheinen drei von Erwachsenen geschriebene Bücher: die weltweit ausgeschriebene Anthologie "Vom Mensch Sein und Herz Haben, vom sich Verweigern und Empören", das Landkreis-Lesebuch "Sei Mensch! Hab Herz!" sowie das Senioren-Buchprojekt "Umarmungen – Weißt du noch?". Hinzu kommen vier Bücher von Schülern des Gymnasiums Lemwerder, der Oberschule Elsfleth, der Berufsbildenden Schulen (BBS) für den Landkreis Wesermarsch und der Oberschule mit Förderschule Altenoythe.

Die Berner Bücherwochen sind ein gemeinnütziges Projekt mit dem Ziel, Lust auf Kultur, aufs Lesen und Schreiben zu wecken und zu stärken. Sie werden gefördert durch die Stiftung Niedersachsen, das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Oldenburgische Landschaft, die EWE Stiftung und Kulturstiftung der Öffentlichen Oldenburg.

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