Campingplatz „Juliusplate“

Mit Corona-Dauerplätzen aus der Krise

Der Berner Campingplatzbesitzer Thomas Schweder stemmt sich gegen die Coronakrise. In diesem Jahr vermietet er auf der Juliusplate Saison-Dauerplätze. Ab Montag empfängt er auch wieder Kurzzeit-Camper.
09.05.2020, 05:30
Lesedauer: 4 Min
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Mit Corona-Dauerplätzen aus der Krise
Von Barbara Wenke
Mit Corona-Dauerplätzen aus der Krise

In der Hoffnung, seinen Campingplatz auf der Juliusplate bald wieder regulär öffnen zu können, bereitet Inhaber Thomas Schweder das Gelände vor.

Fotos: Christian Kosak

Juliusplate. So hat sich Thomas Schweder sein Leben als Campingplatzbesitzer nicht vorgestellt, als er zu Saisonbeginn 2018 den direkt an der Weser liegenden Campingplatz „Juliusplate“ in Berne übernahm. Statt voller Stellflächen mit Trubel und Leben zwischen Zelten, Caravans und Wohnwagen herrscht auf großen Flächen seines Areals Leere. Im Zuge der Corona-Pandemie hatte die Bundesregierung Anfang April Campingplatz-Tourismus untersagt.

„70 Prozent der Stellplätze für Kurzzeittouristen wären im April belegt gewesen“, berichtet Schweder. Tatsächlich waren es null. Zumindest die Dauercamper durften über Tage zu ihren Parzellen kommen. „60 Prozent der Langzeitcamper haben das Angebot angenommen“, freut sich Schweder. Sie kamen am Morgen und sind am Abend wieder gefahren. Seit Mittwoch dürfen die Stammkunden auch wieder in ihren Wohnwagen übernachten.

Die restlichen Dauercamper haben sich für das Wochenende angekündigt, erzählt der Campingplatzbetreiber, der seinen Stammkunden sehr dankbar ist. „Mit Hilfe unserer Dauercamper kommen wir durch die Krise“, ist der Platzbesitzer überzeugt. „Hätten die Dauercamper gekündigt, hätten wir Insolvenz anmelden müssen.“

So habe er nur die drei Saisonkräfte nicht weiter beschäftigen können. Und Ehefrau Barbara ist in ihren alten Beruf zurückgekehrt – eine feste Einnahmequelle, mit der die Schweders rechnen können. Wie die Platzbelegung und somit das Jahresgeschäft auf dem weitläufigen Campingplatz mit Sandstrand verlaufen wird, steht dagegen noch in den Sternen. Die Auslastung des Platzes hängt maßgeblich vom 11. Mai ab.

Für kommenden Montag hat die Landesregierung weitere Lockerungen angekündigt. Thomas Schweder fiebert dem genauen Wortlaut der neuen Verordnung entgegen. Der Stufenplan, den die niedersächsische Staatskanzlei am 4. Mai herausgegeben hat, war Schweder nicht eindeutig genug. „Wenn es stimmt, dass ein Mindestaufenthalt von sieben Tagen vorgeschrieben wird, dann braucht die Politik die Änderung gar nicht zu machen. Das wäre keine Lockerung“, meint der Campingplatz-Betreiber, der selbst das Leben im Wohnmobil liebt und seine Winter künftig gerne als Langzeitcamper in Spanien verbringen möchte. „Für sieben Tage wird kein Camper losfahren. Die meisten bleiben nur übers Wochenende“, ist Schweders Erfahrung.

Sollte es einen vorgeschriebenen Mindestaufenthalt geben, falle nach dem Oster- auch das Pfingstgeschäft ins Wasser, ist sich der Platzherr sicher. Die dritte Zeltwiese sowie das traditionelle Jazz-Konzert auf der Juliusplate hat er gedanklich bereits abgeschrieben. Deshalb hofft Schweder auf die zweite Variante, die ihm zu Ohren gekommen ist: Öffnung zu touristischen Zwecken bei 50-prozentiger Auslastung des Platzes. Damit könnte Thomas Schweder leben. So kämen wenigsten einige Kurzzeiturlauber. Denn während die rund 100 Dauercamper für eine solide Grundauslastung sorgen, sind es die Touristen, die die eigentlichen Einnahmen bringen.

Fest steht derweil schon, dass niemand auf blauen Dunst vor Schweders Zeltplatzschranke stehen darf. „Liebe Camper, ihr müsst den Stellplatz reservieren“, heißt es auf der Homepage des Campingplatzes. „Ohne Anmeldung dürft ihr nicht anreisen.“ So geht Camping-Urlaub im Jahr 2020. Für diese Saison haben sich Barbara und Thomas Schweder ein Zwittermodell einfallen lassen: Corona-Dauerplätze. „Wir haben aufgrund der Corona-Krise Touristenplätze zu Dauerplätzen für eine Saison umgewandelt“, berichtet Schweder. „Für diese Plätze gibt es ziemlich viele Anfragen“, sagt der Platzherr.

Thomas Schweder und seine Frau sind dieser Tage deshalb dabei, den weitläufigen Platz trotz des schlechten Saisonstarts herzurichten. Während Barbara Schweder mit dem Aufsitzrasenmäher ihre Runden dreht, hat sich Ehemann Thomas in den beiden Sanitärhäusern Waschbecken zurechtgelegt. Jede zweite Vorrichtung wird frei bleiben. Auf diese Weise will der Sanitär- und Heizungsbau-Meister die Abstandsregeln einhalten. Darüber, wie diese Vorgaben auf dem kleinen Kinderspielplatz eingehalten werden können, macht sich Schweder noch Gedanken.

In der zurückliegenden Woche hat das Paar auch die Rezeption des Campingplatzes verändert. An der Eingangstür prangt ein Zettel. „Zeig Anstand“, ist dort auf grünem Grund zu lesen. Es folgt auf rotem Grund die Aufforderung: „Halt Abstand“. Eine weitere Aufforderung wird noch hinzukommen, nämlich die, nur noch einzeln in den kleinen Raum einzutreten.

Über dem Holztresen hat Thomas Schweder eine Plexiglasscheibe als Spuckschutz anbringen lassen. So sei niemand gezwungen, bei der Anmeldung einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. „In unserem kleinen Laden wird aber niemand darum herumkommen“, betont Schweder. Wer keine textile Bedeckung dabei habe, könne sie an der Rezeption erwerben, teilt der Platzbesitzer mit. „Wir haben eine Dauercamperin, die näht ganz fleißig“, erzählt der Berner.

Die Anmeldung für den Campingplatz-Aufenthalt nimmt dieser Tage mehr Zeit in Anspruch als gewöhnlich. Jeder Gast muss erst eine Gesundheits-Checkliste ausfüllen, ehe sich die Zugangsschranke für das Urlaubsdomizil für ihn hebt.

Papierkram hatte Thomas Schweder zu Beginn der Corona-Krise auch mit verschiedenen Behörden zu erledigen. „Ich habe Soforthilfe beantragt. Das war eine Katastrophe“, erinnert sich der Berner. „Man sollte sich online registrieren. Doch das hat nicht geklappt.“ Deshalb habe er den Antrag per Mail ans Land schicken sollen. „Das habe ich Ende März getan. Eine Antwort habe ich bis heute nicht“, berichtet Schweder. „Aber anrufen und nachfragen, wie weit der Antrag ist, darf man nicht.“ Auch Bundesmittel habe er beantragt, sagt Schweder. „Das ging sehr schnell. Nach vier Tagen war das Geld auf meinem Konto.“

Das einzige, das Barbara und Thomas Schweder während der Corona-Krise bislang keine Sorgen bereitet hat, ist Toilettenpapier. „Zu Beginn der Krise haben wir eine Palette voll bestellt, die ist jetzt gerade angekommen“, berichtet Barbara Schweder. Die Saison kann beginnen.

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