Reit- und Fahrverein (RFV) Sturmvogel Berne Von Anfang an Am Markthamm

Der Stedinger Reit- und Fahrverein (RFV) Sturmvogel Berne verfügt über eine lange Tradition. Es gibt den Verein aus der Wesermarsch bereits seit 130 Jahren.
26.03.2021, 11:02
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann

Der Stedinger Reit- und Fahrverein (RFV) Sturmvogel Berne verfügt über eine lange Tradition. Es gibt den Verein aus der Wesermarsch schließlich bereits seit 130 Jahren. Gegründet wurde der Verein am 12. Juli 1891. In Paragraf eins der Gründungsstatuten heißt es, dass der Zweck des Vereins sei, die Reitkunst unter den jungen Leuten zu fördern und gemeinschaftliche Touren zu machen.

Diese Touren, die in der Regel alle 14 Tage stattfanden, wurden vorher per Inserat im „Stedinger Boten“ bekanntgemacht. Markenzeichen des Klubs waren die blaue Mütze und an der linken Brustseite das Tragen eines silbernen Pferdekopfes mit dem Namen Sturmvogel. Erster Vorsitzender des Vereins war Bernhard Bulling aus Butzhausen. Der Jahresbeitrag betrug zunächst vier Mark.

Der Verein siedelte sich von Anfang an auf dem Gelände Am Markthamm in Berne an, wo er auch heute noch beheimatet ist. „Dort wurden schon vorher Rennen auf der Rennbahn ausgetragen“, berichtet Bernes heutiger Vorsitzender Dieter Logemann. Erst im Jahre 1913 wurde eine Reithalle auf dem Areal gebaut, die heute ein Stall ist. In der Halle wurden regelmäßig Tierschauen abgehalten. Zudem fand dort der Unterricht statt. Im Jahre 1922 gab es eine Erweiterung der Halle. Die Halle wurde als Gemeinschaftsprojekt vom Stedinger Reitklub, dem heutigen RV Bettingbühren, und dem Sturmvogel erbaut. Während des Zweiten Weltkrieges fungierte die Halle als Kornlager und nach dem Krieg zunächst als Brennholzlager. An Pferdesport war erst einmal nicht zu denken, da die meisten Pferde von den Alliierten beschlagnahmt wurden.

In der Halle trainierten nicht nur Reiter, sondern auch die Turner, die bis 1960 hier ihre Übungsstunden abhielten. Und auch Feste der Gemeinde wie das Dorfgemeinschaftsfest fanden hier statt. Zu den Reitstunden am Dienstag und Freitag kamen vor allem die Bauernsöhne und Lehrlinge aus der Umgebung.

„Die Jungs von den Bauernhöfen mussten alle reiten“, informiert Dieter Logemann, dessen Vater Werner Logemann als Hufschmied tätig war. Heute sei dies ja ganz anders. „Unter 100 Nachwuchsreitern befinden sich vielleicht fünf Jungen“, so der 67-Jährige. Jungs hätten etwas mehr Angst vor Pferden als Mädchen. „Wenn die Jungs dann aber mit 13 oder 14 Jahren anfangen, dann sind die umso begeisterter und fühlen sich toll unter all den Mädchen“, meint Logemann.

Als Beispiel nennt er seinen Klubkollegen Hendrik Sosath. Mit dessen Vater Gerd Sosath ist Dieter Logemann vor vielen Jahren gemeinsam zu Turnieren nach Moorriem oder Rastede gefahren. „Wir haben uns zusammen einen Lastwagen geliehen und sind dann mit fünf oder sechs Pferden losgefahren“, berichtet der Ehemann der Landtagsabgeordneten Karin Logemann. Bei den zweitägigen Veranstaltungen hätten sie dann irgendwo im Stroh oder im Heu in der Nähe der Pferde übernachtet. Dieter Logemann ist bereits seit mehr als 50 Jahren Mitglied beim Sturmvogel. Der Springreiter ist früher auch mal Dressur und Vielseitigkeit geritten und immer noch beim Oldie-Cup aktiv.

„Wir hatten bei uns zu Hause immer zwei bis drei Pferde im Stall“, lässt Logemann wissen, der den Verein bereits seit mehr als einem Vierteljahrhundert anführt. Auch seine beiden Töchter Christine und Johanne Logemann reiten. Die dritte Tochter im Bunde, Antje Logemann, ist früher ebenfalls diesem Sport nachgegangen. Auch die Enkelkinder Charlotte, Marie und Bendix Logemann sind schon pferdesportbegeistert.

„Meine Frau Karin bedauert es sehr, dass sie aus zeitlichen Gründen nicht mehr zum Reiten kommt“, sagt Dieter Logemann. Das große Aushängeschild des Vereins ist sicherlich Springreiter Gerd Sosath, der mit seinen vielen großen Erfolgen auf nationaler und internationaler Ebene jahrzehntelang ein guter Botschafter für die „Sturmvögel“ war. „Als Gerd das Reiten im großen Stile aufgezogen hat, sind wir dann auch nicht mehr gemeinsam zu den Turnieren gefahren“, sagt Dieter Logemann.

Eine gewaltige Tradition weist das Berner Reit- und Springturnier auf, das in jedem Jahr am Himmelfahrts-Wochenende stattfindet, aber sowohl im vergangenen und als auch in diesem Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer fiel, beziehungsweise fällt. Hier soll vor allem der Nachwuchs zu seinem Recht kommen.

„Das Turnier gab es um 1920 herum auch bereits“, teilt Dieter Logemann mit. Bis in die 1950er Jahre waren fast alle Stedinger Bürger Mitglied im Reitverein. Durch den Mitgliedsbeitrag hatte man freien Zugang zum Himmelfahrtsturnier. Irgendwann entdeckten auch die Vatertags-Ausflügler das Turnier als willkommenes Etappenziel. In den 1920 Jahren hatte es auch überall im Dorf Reiterbälle gegeben. „Die haben in sechs verschiedenen Gastwirtschaften stattgefunden. Jede Schicht hatte dabei ihren eigenen Saal“, so Logemann. Die gute Gesellschaft habe nicht mit den Arbeitern zusammen feiern wollen.

Dieter Logemanns Vater Werner war schon im Vorstand des Vereins aktiv. Er setzte sich zusammen mit seinem Vorstandskollegen und späteren Vorsitzenden Gerold Wenke Anfang der 1970er Jahre mit der Idee durch, eine neue und größere Reithalle in Berne zu bauen. Da sich der damalige Vorsitzende, Viehzüchter Heinrich Osterloh, einen Standort in Bettingbühren gewünscht und das alte Gelände gerne verkauft hätte, verließ er den Verein zusammen mit einigen anderen Mitgliedern und gründete den RV Bettingbühren.

„Mein Vater war strikt dagegen, nach Bettingbühren umzuziehen und sich damit an einen Privatmann zu binden“, sagt Dieter Logemann. Er trat im Jahre 1980 dem erweiterten Vorstand als Schriftführer bei. Mit seinen etwa 450 Mitgliedern ist der Stedinger RFV Sturmvogel Berne der größte Reitverein der Wesermarsch. „Vor allem dank der Voltigierer ist die Mitgliederzahl in den vergangenen Jahren noch um einiges gestiegen“, informiert Dieter Logemann.

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