Schiffstaufe Uthörn: Eine "hochmoderne Forschungsplattform"

Der Forschungskutter "Uthörn" setzt in punkto klimafreundliche Schifffahrt Maßstäbe. Am Dienstag ist er auf dem Gelände der Fassmer-Werft in Berne getauft worden. Was das 35 Meter lange Schiff ausmacht.
01.11.2022, 00:00
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Uthörn: Eine
Von Björn Josten

Rein äußerlich können nur Fachleute erkennen, dass die "Uthörn" ein besonderer Neubau ist – und zwar am Ventmast in der Schiffsmitte. Das 35 Meter lange Forschungsschiff ist auf der Fassmer-Werft in Berne gebaut worden. Es gilt als weltweit erster Neubau, der weitgehend klimaneutral unterwegs sein wird. Methanol als Kraftstoff macht es möglich; zumal wenn es mit grünem Strom und Biomasse hergestellt wird. Und so ist der Plan. Zum Vergleich: Die alte Uthörn verbrauchte pro Jahr durchschnittlich 76 Tonnen Dieselöl. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von rund 243 Tonnen. 

Entsprechend lobend fielen die Worte bei der Schiffstaufe am Dienstag auf dem Werftgelände aus: "große technologische Leistung" (Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger),"außergewöhnlich" (Verwaltungsdirektor Karsten Wurr, Alfred-Wegener-Institut AWI), "sehr besonderes Schiff" (Karen Wiltshire, stellvertretende AWI-Direktorin). Der Forschungskutter ist für das Alfred-Wegener-Institut, speziell das Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung gebaut worden. Er soll in der Küstenforschung und als Ausbildungsschiff eingesetzt werden. Stationiert sein wird er auf Helgoland. Daher hatte Karen Wiltshire ein Helgoländer Lotsenzeichen im Gepäck, das sie Kapitän Silvio Neugebauer übergab. An die Schiffsbauer gerichtet sagte sie: "Sie haben gut zugehört und ein unglaublich flexibles Schiff gebaut." Forscher könnten mit dessen Hilfe den Meeresboden vermessen, in Windparks forschen und Wasserproben nehmen. Zu diesem Zweck stehen ein Nass- und ein Trockenlabor zur Verfügung. Ausgelegt ist die "Uthörn" für eine fünfköpfige Besatzung und vier Wissenschaftler. Bei Tagesfahrten finden sogar 25 Forschende Platz an Bord. Etwa 280 Tage kann der Kutter im Jahr auf See verbringen. Er verfügt über eine Reichweite von etwa 1200 Seemeilen.

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Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger verwies in ihren Grußworten auf die Pionierleistung eines Methanol-Antriebes: "Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, nicht mehr nur auszuprobieren, sondern zu machen." Da auch an anderer Stelle des Neubaus auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit geachtet worden sei, habe das AWI den Blauen Engel für umweltfreundliches Seeschiffsdesign beantragt. Neben dem Antrieb verfügt die "Uthörn" über weitere Innovationen. Erstmals werde ein Schiff mit einer Wasser-Wasser-Wärme-Pumpe beheizt und gekühlt. Diese Anlage komme im Vergleich zu einem herkömmlichen Heizkessel mit einem Fünftel der Energie aus. Die optimierte Rumpfform sorge zudem für einen geringeren Kraftstoffverbrauch. Außerdem werde Seewasser statt Mineralöl zur Schmierung eingesetzt. Um zu vermeiden, dass der Schiffsrumpf mit Algen, Muscheln oder Seepocken überwuchert, setzen die Schiffsbauer auf Ultraschallsonden. So wird der herkömmliche Einsatz von Bioziden vermieden. "Der Neubau steckt voller Innovation zur Nachhaltigkeit", fasste Harald Fassmer aus der Geschäftsleitung der Werft zusammen.

Neben der auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Technik stellte die Ministerin auch den Wert des vom Bund finanzierten Kutters für die Forschung heraus: Die "Uthörn" sei eine "hochmoderne Forschungsplattform". Mit ihrer Hilfe könnten handfeste Fakten aus Langzeitreihen gewonnen werden. Sie seine für die politischen Entscheidungen unerlässlich. "Nur mit Forschung können wir den Klimawandel verstehen und nur mit Innovation können wir ihn bremsen", sagte Stark-Watzinger. Die "Uthörn" sei ein wichtiger Baustein für den hochkarätigen Forschungsstandort Bremen und Bremerhaven.

Etwas Wasser musste Harald Fassmer jedoch in den Wein gießen. "Die Kosten sind aus dem Ruder gelaufen", räumte er ein. Verspätete Lieferungen, höhere Material- und Energiekosten sowie coronabedingte Personalausfälle seien Gründe dafür. Da mit dem Auftraggeber im August 2020 ein Festpreis vereinbart worden war, ist das für die Werft keine Randnotiz. Der Bau ist vom Bundesministerium für Bildung und Forschung nunmehr mit 14,45 Millionen Euro gefördert worden. Zuletzt war von Kosten in Höhe von 13,2 Millionen Euro die Rede. Trotz der Unbilden sei jedoch eine weitgehend termingerechte Fertigstellung gelungen, betonte Fassmer.

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