Gemeindeentwicklungsausschuss diskutiert Marode Turnhalle in Ganspe

Eigentlich sollte nur der Boden und die Fenster der Sporthalle in Ganspe ausgetauscht werden. Das Geld dafür steht bereit, doch nun offenbarte sich ein weiterer Schaden an der Sportstätte.
22.05.2020, 10:21
Lesedauer: 3 Min
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Von Georg Jauken

Berne/Ganspe. Abstand halten gehört seit Wochen zu den wichtigsten Verhaltensmaßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus. Dass die Regeln auch für den Politikbetrieb gilt, kam für einige Einwohner Bernes dennoch scheinbar überraschend. Mit deutlichem Unmut reagierten sie, als ihnen am Dienstagabend der Einlass zur Sitzung des Gemeindeentwicklungsausschusses im Ratsaal verwehrt wurde. Alle Zuhörerplätze waren da bereits besetzt.

Von den im ganzen Saal verteilten Plätzen aus verfolgten schließlich 21 Zuhörer gemeinsam mit dem Ausschuss die Erläuterungen zum Ausbauplan für das im März beschlossene Baugebiet Hohes Feld I und zur Sanierung der Sporthalle in Ganspe. Die Halle soll einen neuen Boden bekommen. Das Geld steht bereit, die Ausschreibung ist vorbereitet. In diversen Untersuchungen der Bausubstanz hat sich nun allerdings herausgestellt, dass die Außenwände der Halle so feucht sind, dass der neue Boden in kürzester Zeit Schaden nehmen würde.

Zur Veranschaulichung präsentierte Architektin Gitta Helmke (Brake) Fotos von Rissen und ausgewaschenen Fugen in den Außenwänden, feuchten Sockelleisten aus dem Innenbereich und verrostete Schrauben, mit denen sie befestigt waren. Eine Sanierung mit Wärmedämmverbundstoffen würde hohe Unterhaltungskosten für die alle paar Jahre erforderlichen Anstricharbeiten nach sich ziehen, erläuterte die Architektin. Deshalb empfiehlt sie das Anbringen von Sandwichplatten aus zwei Schichten Stahlblech und einem dazwischenliegenden Kern aus Dämmstoff auf die vorhandenen Außenwände.

Gemeinde fehlt das Geld

Der Vorschlag kam durchaus an. Das Problem sind die Kosten. Eigentlich wollte die Gemeinde nur den neuen Hallenboden einbauen lassen und die häufig kaputten Glasbausteine durch Fenster ersetzen. Kommt die neue Fassade aus Sandwichplatten hinzu, steigen die Kosten auf 820 000 Euro. Die Gemeinde müsste zusätzlich zu den schon bewilligen Mitteln weitere 160 000 Euro aufbringen.

Doch dafür fehlt Berne das Geld. Denn erst im April hatte der Landkreis den Haushalt der Gemeinde für dieses Jahr nur unter der Auflage genehmigt, ab 2021 jährlich 300 000 Euro und ab 2023 jährlich 500 000 Euro einzusparen. Am Montag erfuhr die Gemeinde, dass sie wegen der Corona-Krise mit 400 000 Euro weniger Einkommensteuer auskommen muss als geplant. Dass die Gewerbesteuereinnahmen wegen der Corona-Krise ebenfalls einbrechen, gilt als wahrscheinlich. Zahlen liegen den Angaben nach aber noch nicht vor.

Für die Sporthalle Ganspe bedeutet das, dass zunächst nur drei Außenwände saniert werden. Am Ende einer langen Diskussion sprach sich der Ausschuss dafür aus, die Sanierung des nicht ganz so feuchten Ostgiebels zu verschieben.

In seiner Sitzung am 23. Juni steht im Rat die Entscheidung über einen Investorenvertrag an. Darin geht es um die Erschließung des ersten Bauabschnitts im Baugebiet Hohes Feld südlich der Weser- und östlich der Berliner Straße. 29 Bauplätze sollen im ersten Abschnitt entstehen. Straßen, Oberflächenentwässerung und Schmutzwasserentsorgung werden aber von vornherein für das gesamte Gebiet mit 149 Grundstücken berechnet und geplant, wie Ingenieur Stephan Koch (Ritterhude) erläuterte. Der Bebauungsplan sieht überwiegend Einfamilien- und Doppelhäuser vor, in einem Teilabschnitt zudem einige Mehrfamilienhäuser.

Kritik gab es für das Vorhaben, schon jetzt in dem Vertrag zu regeln, wie die Haupterschließungsstraße am Ende ausgebaut wird. Dafür sei auch später noch Zeit. Die SPD bemängelte außerdem, wie der Ausbau der Haupterschließungsstraße erfolgen soll. Der Investor möchte die Haupterschließungsstraße als Ringstraße anlegen, fünf Meter breit (damit sich Pkw und Lkw problemlos begegnen können) und mit einem zwei Meter breiten Gehweg an einer Seite. Auf der Straße sei viel Verkehr zu erwarten, argumentiert Planer Koch. Ein Gehweg mit hartem Bordstein halte die Lkw auf Abstand. Zur Verkehrsberuhigung hat er Tempo 30 sowie einige Engstellen vorgesehen, an denen Parkplätze entstehen und Bäume gepflanzt werden sollen. Für alle weiteren Straßen ist ein verkehrsberuhigter Ausbau ohne Gehweg (Spielstraßen) geplant.

Entscheidung in den nächsten Tagen

Die SPD-Vertreter im Ausschuss mochten sich damit nicht anfreunden und beantragten, auch die Haupterschließungsstraße als höhengleiche Spielstraße auszubauen. Die Verwaltung verwies auf regelmäßige Beschwerden aus anderen Siedlungen, dass dort auf den Spielstraßen zu schnell gefahren und schwache Verkehrsteilnehmer gefährdet würden. Die SPD blieb bei ihrer Linie. Die Christdemokraten forderten mehr Zeit, um zunächst intern über den Änderungsantrag beraten zu können. Die Entscheidung soll nun in den nächsten Tagen im Umlaufverfahren getroffen werden.

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