Innovationen an Bord Forschungsschiff "Atair" in Berne getauft

Das 114 Millionen Euro teure Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiff „Atair“ ist bei Fassmer in Berne getauft worden. Es kommt in der Nordsee zum Einsatz.
30.09.2019, 18:06
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Forschungsschiff
Von Barbara Wenke

Einen schönen Spätsommertag hätten sie sich gewünscht, sagte Harald Fassmer am Montagmittag. Stattdessen tobte sich Sturmtief „Mortimer“ am Montagmorgen über Norddeutschland aus. Dennoch müssen die Gebete des Geschäftsführers der Fassmer-Werft erhört worden sein, denn pünktlich zur Taufe der „Atair“, des jüngsten Fassmer-Neubaus, schaute die Sonne zwischen den Wolken hervor. So ging der eigentliche Taufakt durch Patin Elke Ferlemann komplikationslos über die Bühne.

Rund 200 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik hatten sich auf den Weg nach Berne gemacht, um bei der Taufe der 75 Meter langen, schwimmenden Alleskönnerin dabei zu sein. Karin Kammann-Klippstein pries die „Atair“ als das erste seegängige Behördenschiff mit LNG-Antrieb (die Abkürzung LNG steht für liquefied natural gas: Flüssigerdgas). „Dieses als emissionsarmes, mit umweltfreundlichem Design und geräuscharmer Technik ausgestattete Schiff geht mit gutem Beispiel voran“, betonte die Präsidentin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), das das 114 Millionen Euro teure Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiff im Dezember 2016 bei der Fassmer-Werft in Auftrag gegeben hatte. Kammann-Klippstein freute sich, „dass es heutzutage noch Großprojekte gibt“, bei denen die vorgesehenen Bauphasen zielgerichtet und dem groben Zeitplan entsprechend tadellos abgearbeitet würden.

Die neue „Atair“ ist das größte Schiff der BSH-Flotte. Im kommenden Frühjahr wird es seine mittlerweile 30-jährige Vorgängerin als Flaggschiff der Behörde ablösen. Dank der umfangreichen Einsatzmöglichkeiten der „Atair“ sollen zusätzliche Schiffscharter durch das BSH unnötig werden.

Im Einsatz wird die „Atair“ vom kommenden Frühjahr an in der Nord- und Ostsee sein. Sie bietet an Bord deutlich mehr Platz als ihre Vorgängerin. Auf dem Neubau können die bis zu 15 mitreisenden Forscher zahlreiche Aufgaben direkt an Bord erledigen. „Die Untersuchung von Sedimenten und der Wassersäule unserer Meere vor der Haustür wird ebenso zu den Aufgaben des Schiffes gehören wie die Erprobung von Navigationsausrüstungen für die Schifffahrt“, blickte Karin Kammann-Klippstein voraus. Die „Atair“ werde als mobile Station Teil eines Messnetzes für Schiffsemissionen sein, das sich an der deutschen Nord- und Ostseeküste im Aufbau befinde.

Amt prüft Gewässerzustand

Das Bundesamt für Seeschifffahrt führt mehrmals pro Jahr sogenannte Monitoringfahrten in Nord- und Ostsee durch, um den Gewässerzustand zu erfassen und Rückschlüsse auf Klimaveränderungen zu ziehen. „Zu den wichtigsten Aufgaben unserer Schiffe gehört die Vermessung der Form und der Tiefe des Meeresgrundes und die Wracksuche“, erläuterte Kammann-Klippstein. „Diese Arbeit legt die Basis für die Seekarten, ohne die der Schiffsverkehr und die Nutzung der Meere nicht denkbar wären.“

Zuvor hatte Enak Ferlemann, der parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, darauf verwiesen, dass die neue „Atair“ ein besonders umweltfreundliches Schiff ist. Ein Tank für 130 Kubikmeter Flüssiggas wird das Schiff bei seinen Einsätzen bis zu zehn Tage unabhängig vom ebenfalls mitgeführten Dieselkraftstoff machen.

Vorreiter der nachhaltigen Schifffahrt

Das Design des Schiffes nach den Vorgaben des Umweltzeichens Blauer Engel macht die „Atair“ zu einem Vorreiter in der nachhaltigen Schifffahrt. Zudem haben die Konstrukteure die Unterwassergeräusche des Schiffes derart optimiert, dass die Meeresumwelt geschützt und optimale Bedingungen für wissenschaftliche Arbeiten an Bord gewährleistet werden.

Der Leiter der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW), Christoph Heinzelmann, wies auf die Besonderheiten des Ausschreibungs- und Vergabeverfahrens hin. Dieses beinhaltete einen vorgeschalteten Teilnehmerwettbewerb. „Ziel war es, den Werften einen möglichst großen planerischen Spielraum für den Schiffsentwurf zu geben.“ Der Behördenleiter ist überzeugt: „Diese Vorgehensweise hat technische Innovationen gefördert.“ Erstmals haben die Projektpartner auf Basis eines dreidimensionalen Computermodells zusammengearbeitet. „Dies hat den Papierumlauf reduziert und Freigabeprozesse beschleunigt.“ Für die nähere Zukunft hat Staatssekretär Ferlemann bereits den Neubau der nächsten beiden BSH-Schiffe avisiert.

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