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Wo Störche Hilfe finden

Dank der Storchenstation ist Berne heute die storchenreichste Gemeinde in Deutschland.
07.05.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt

Berne. Die Sprache der Störche ist Klappern: Es dient zur Begrüßung, aber auch zur Abwehr von Konkurrenten, die sich dem Nest nähern. Einst hörte man das Klappern in fast jedem Dorf, heute ist es nur noch selten zu vernehmen. Doch wer sich der Storchenstation in Berne nähert, hört es an allen Ecken und Enden.

„50 Paar Weißstörche leben derzeit um unsere Station herum“, sagt Udo Hilfers. Seit 1992 betreibt er mit seiner Frau in Privatinitiative die Storchenstation. Die Tatkraft der beiden hat wesentlich dazu beigetragen, dass Berne heute eine der storchenreichsten Gemeinden in ganz Deutschland ist.

„Als wir Anfang der 1990er Jahre anfingen, war es um den Bestand des Weißstorchs schlecht bestellt“, sagt Udo Hilfers, „nur noch wenige Tiere brüteten in der Wesermarsch.“ Zu Beginn hat Udo Hilfers zunächst alte Nester instand gesetzt, die damals noch weitgehend unbesetzt blieben, doch er nahm auch schon Störche in Pflege. Heute leben auf der Station 40 bis 50 Störche, die an verschiedenen Verletzungen leiden, in Gehegen, um später wieder in die Freiheit entlassen zu werden.

„Die Pflege von Störchen wird immer wichtiger“, sagt Udo Hilfers, denn durch den Straßenverkehr und durch Windkraftanlagen werden immer mehr Tiere verletzt.“ Auch der Klimawandel setze den Störchen zu: In den letzten drei Jahren, die zu trocken waren, hätten Störche oft nicht genügend Nahrung gefunden. Sie besteht außer aus Mäusen vor allem aus Regenwürmern und Schnecken, die es eher feucht mögen.

Doch nicht nur in ihren Brutgebieten sind Störche gefährdet, auch auf ihren Zugrouten, die in Richtung Osten über den Bosporus oder in Richtung Westen über Gibraltar führen – bis zu den Überwinterungsquartieren auf dem afrikanischen Kontinent. „In Westafrika werden die Störche auch gejagt und gegessen“, sagt Udo Hilfers, „deshalb kommt es vor, dass von dem Storchenpaar nur ein Tier zurückkehrt.“ Das Ehepaar kümmert sich um verletzte Störche, aber auch um Küken, deren Eltern zum Beispiel verunglückt sind. Über einen Zeitraum von acht bis zehn Wochen werden sie mit Eintagsküken von Hühnern aufgezogen. Doch ab Januar 2022 soll das Töten von männlichen Küken in Deutschland verboten werden. „Die Preise werden sich verdoppeln, und der Handel wird sich nur ins Ausland verlagern“, sagt Udo Hilfers, „das neue Gesetz ist nicht zu Ende gedacht.“ Seine Storchenstation wird jedenfalls in arge finanzielle Probleme kommen, weil die Fütterung der Storchenküken dann viel zu teuer wird.

Die ehrenamtliche Arbeit, die Ehepaar Hilfers betreibt, sei eine Riesenaufgabe, ohne Urlaub und ohne Feiertage, so Hilfers. „Vor Beginn der Brutzeit müssen wir die Nester instandsetzen, und das ist besonders aufwändig, weil unsere Störche überwiegend in Bäumen brüten“, sagt er. Und das bedeutet, dass immer wieder der Raum um die Nester frei geschnitten werden muss: Bis zu zehn Mal muss die Leiter versetzt werden, bis das Nest wieder für den Storch zugänglich ist. Doch genauso wichtig ist es, dass die Nester gereinigt und mit Holzschredder aufgefüllt werden: Kot und Gewölle der Vögel sammeln sich im Nest an, und eine wasserundurchlässige Schicht bildet sich, über der sich das Wasser stauen kann. „Die Eier werden dann unterkühlt oder die Jungen liegen in einer nassen Pampe“, sagt Udo Hilfers.

Zur Pflege und Instandhaltung der Storchennester kommt die Biotoppflege hinzu: „Wir haben auf unserem Grundstück kleine Feuchtbiotope mit nassen Wiesen angelegt, aber allein die regelmäßige Mahd macht enorm viel Arbeit“, sagt Hilfers, „doch mit diesen nassen Klein-Lebensräumen fördern wir nicht nur die Störche, sondern auch den Reichtum an Tieren und Pflanzen ringsum.“

Die Storchenstation freut sich über Spenden. Ein entsprechender Button und zahlreiche weitere Informationen finden sich unter www.storchenstation.de. Coronabedingt ist die Station derzeit nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

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