Reiten RFV Sturmvogel Berne ist auf Einnahmen durch Besucher angewiesen

Stedinger RFV Sturmvogel Berne um Vereinsboss Dieter Logemann sagt sein traditionelles Himmelfahrtsturnier erneut ab
18.03.2021, 11:44
Lesedauer: 6 Min
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Von Karsten Hollmann

Das Himmelfahrtsturnier des Stedinger RFV Sturmvogel Berne fällt erneut aus. Der Vorsitzende Dieter Logemann erklärte die Absage und bezog Stellung zur allgemeinen Situation im Reitsport.

Herr Logemann, weshalb haben Sie sich bereits zu diesem frühen Zeitpunkt dazu entschlossen, Ihr traditionelles Himmelfahrtsturnier abzusagen?

Dieter Logemann: Wir haben uns zusammengesetzt und sind gemeinsam zu dem Schluss gekommen, es nicht auszutragen - weil es sich abzeichnet, dass wir keine Zuschauer auf den Platz lassen dürfen. Die Corona-Fallzahlen gehen ja wieder nach oben. Wir sind auf die Einnahmen durch die Besucher angewiesen. Ohne Zuschauer ist es für uns auch schwer, Sponsoren zu gewinnen, auch wenn einige vielleicht auch so etwas Geld geben.

Könnten Sie denn nicht einen Sponsoren finden, der für alle Kosten aufkommt?

Das gibt es in der Tat bei anderen Turnieren. Es kommt immer mal wieder vor, dass ein Sponsor einen riesigen Geldbetrag bezahlt, weil er einfach Spaß an Pferden hat. Das ist gerade in Spanien manchmal richtig heftig. Aber bei uns ist so etwas nicht denkbar.

Weshalb kommt denn für Sie kein Modell, wie die Turnierserie des RFV Holle-Wüsting ohne Zuschauer in Betracht?

So etwas kommt für uns gar nicht infrage. Da werden alle Helfer bezahlt. Der Initiator Helmut Urban will unbedingt etwas in der Messehalle in Holle-Wüsting stattfinden lassen, damit wenigstens ein bisschen Geld reinkommt. Ich finde das aber unter dem Corona-Aspekt auch nicht ganz unproblematisch.

Weshalb sehen Sie dies kritisch?

Wenn in einer Springprüfung 50 Teilnehmer zugelassen werden und jeder auch noch von einem Helfer begleitet werden darf, dann haben wir mit den Helfern schnell mal eben 120 Leute in der Halle. Das ist alles nicht so einfach, auch wenn die Halle sehr groß ist. Momentan ist die Urban-ClassX-Serie aber ja ohnehin wegen des Herpesvirus bei Pferden unterbrochen.

Spielte denn auch das vor einigen Wochen in Spanien ausgebrochene Herpesvirus bei Pferden eine Rolle bei der Absage?

Das spielte sicherlich auch noch mit rein. Bisher hat in unserer Gegend aber zum Glück noch keiner etwas damit zu tun. Doch es braucht auch nur einen Fall, bevor es bei Facebook auftaucht und wieder alles dichtgemacht wird. Alle Pferdebesitzer haben derzeit Angst vor dem Herpesvirus. Wir hoffen aber, dass es bald vorbei ist. Bei uns in der Gegend sind auch viele Pferde gegen das Virus geimpft. Damit anstecken können sich die Pferde aber trotzdem. Das ist ähnlich wie beim Coronavirus.

Sind Ihre eigenen Pferde denn gegen das Herpesvirus geimpft?

Ja. Wir haben eigentlich immer so etwa zwei bis drei Pferde. Und die werden stets gegen das Virus geimpft. Auch Familie Sosath hat zum Beispiel alle Pferde geimpft. Wir wissen, wie wichtig diese Impfung ist. Trotzdem kann es eben auch so hin und her geschleppt werden.

Wie optimistisch sind Sie denn, dass demnächst generell wieder Turniere im Reitsport ausgetragen werden können?

Das kommt wieder ins Laufen, spätestens in acht Wochen. Vielleicht können auch schon im April wieder Turniere stattfinden. Anders sieht es ja derzeit beim Coronavirus aus, weil gerade der Impfstoff von Astra-Zeneca nicht gespritzt werden kann. Es haben gerade einmal drei Prozent aller Deutschen zwei Impfungen erhalten. Das empfinde ich als lächerlich, zumal der Inzidenzwert gerade nach Ostern wohl auf 150 oder noch höher steigen wird.

Wie weit waren Sie mit den Vorbereitungen auf Ihr Turnier?

Die Planungen waren schon sehr weit vorangeschritten. Wir hatten auch schon geplant, wie wir die Veranstaltung coronakonform mit Zuschauern hätten abhalten können. Wir hatten uns einen Kreislauf überlegt, bei dem die nötigen Abstände hätten eingehalten werden können und sich niemand begegnet. Wenn wir jetzt aber die Ausschreibung veröffentlicht hätten, wären wieder Kosten angefallen, zum Beispiel für die Reiterliche Vereinigung, also die FN.

Hat sich schon jemand darüber beschwert, dass Sie Ihren Stall auf dem Vereinsgelände Am Markthamm in Berne wegen des Herpesvirus abgeriegelt haben?

Nein, darüber hat sich noch niemand beschwert. Wir lassen keine Externen mehr in den Stall. Weil es derzeit keine Turniere gibt, klappt das alles auch sehr gut. Wir haben aber auch nur 15 Pferde auf unserer Anlage. Das lässt sich gut handhaben. Wir sind froh, dass wir überhaupt reiten können.

Reiten Sie denn auch noch selbst?

Grundsätzlich ja. Aber im Moment habe ich kein Pferd dafür, sondern nur zwei Ponys. Von denen sind aber meine Kinder und vor allem meine Enkelkinder total begeistert. Ich selbst kann es derzeit leicht verschmerzen, kein Pferd zu haben, weil ja jetzt ohnehin nichts geht.

Ihre Frau Karin sitzt als Abgeordnete im niedersächsischen Landesparlament. Kann sie als Politikerin das Wort Corona nach hören?

Meine Frau telefoniert deshalb häufig von morgens um 8 bis abends um 22 Uhr. Immer wieder gibt es Anfragen von Leuten, die gerne ihren Laden wieder öffnen möchten. Für mich persönlich ist Corona nicht so schlimm. Als Rentner bekomme ich schließlich mein Geld. Aber für viele Leute ist es gerade nicht einfach, wenn sie kein Geld verdienen können.

Gibt es denn in Ihrem Verein Überlegungen, in diesem Jahr ein Turnier nachzuholen?

Ja, die gibt es in der Tat. Wir hoffen darauf, vielleicht im September oder Oktober ein Ersatzturnier für das ausgefallene Himmelfahrtsturnier veranstalten zu können. Wir haben ja schließlich planungsmäßig alles so weit im Kasten, dass wir mit ähnlichen Prüfungen wie beim Himmelfahrtsturnier auch relativ kurzfristig reagieren können.

Könnten Sie dann nicht Probleme bekommen, wenn alle anderen Vereine auch ihre vorher ausgefallenen Turniere nachholen wollen?

Dann müssten wir uns halt mit den anderen Vereinen ein wenig absprechen, damit nur zwei Turniere an einem Wochenende stattfinden. Das bekämen wir dann schon irgendwie hin. Alle Vereine und sämtliche Reiter wollen aber wieder und warten schon sehnsüchtig auf Turniere. Dafür müssen wir aber eben auch die Inzidenzwerte abwarten. Bei einem Wert von 300 wird im Sport wieder alles geschlossen.

Haben Sie angesichts der ganzen Corona-Problematik denn überhaupt noch Lust, Ihren Posten als Vorsitzender zu bekleiden?

Ich bin ja Rentner. Da habe ich schließlich die Zeit, mich auch um Corona-Maßnahmen zu kümmern. Nach mehr als 25 Jahren hätte ich jedoch generell kein Problem damit, meinen Posten abzugeben. Wir hätten auch ohne die Corona-Pandemie im März Neuwahlen gehabt. Wir möchten unsere Jahreshauptversammlung aber nicht virtuell austragen. Deshalb verschieben wir die Versammlung auf den Sommer. Im Juli oder August können wir uns dann auch in der Reithalle treffen und bekommen es dort auch mit den erforderlichen Abständen hin. Wenn sich eine junge Gruppe für den Vorstand bildet, die es übernehmen möchte, stelle ich mich nicht dagegen.

Was mussten Sie in den vergangenen Monaten noch alles wegen der Corona-Krise absagen?

Der Krise fielen unter anderem die Weihnachtsfeier und die Kohlfahrt zum Opfer. Unsere Voltigierabteilung hat ihr für Juli geplantes Turnier auch bereits abgesagt. Die Voltigierer sind derzeit besonders arm dran. Diese können schließlich als Gruppe gar nichts machen - wir haben aber keine Einzelvoltigierer.

Weshalb gab es zwischenzeitlich jahrelang keine Voltigierer mehr im Verein?

Weil wir den Platz einfach nicht mehr dafür hatten. Wir haben sie nicht mehr auf der Anlage unterbekommen. Mit dem Ausweichen auf die Halle in Bettingbühren geht es aber wieder.

Belasten Sie derzeit die Kosten für Schulpferde?

Nein. Wir haben keine vereinseigenen Pferde. Auch die Voltigierer greifen auf private Pferde zurück und haben zum Glück für uns alles sehr gut selbst organisiert. Andere Vereine haben es da schwieriger. Die Schulpferde müssen auf der einen Seite gefüttert werden und verursachen deshalb Kosten. Auf der anderen Seite bringen sie aber derzeit kein oder kaum Geld ein. Wir Vereine bekommen auch kein Geld vom Staat.

Das Gespräch führte Karsten Hollmann.

Info

Zur Person

Dieter Logemann (67) ist seit mehr als einem Vierteljahrhundert Vorsitzender des Stedinger RFV Sturmvogel Berne und bereits seit mehr als 50 Jahren Mitglied in diesem Verein. Der ehemalige Vieh- und Fleischkaufmann hatte zeit seines Lebens mit Tieren zu tun und genießt nun seinen Ruhestand. Verheiratet ist Logemann mit der Landtagsabgeordneten Karin Logemann. Das Ehepaar hat drei Töchter (Christine, Johanne und Antje) und drei Enkelkinder und wohnt in Berne. Schon der Vater von Dieter Logemann, Werner Logemann, hatte in den 1970er- und 1980er-Jahren dem Sturmvogel-Vorstand angehört. KH

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